Dominik Kahun: Der Sport ist im Moment zweitrangig

Wechsel und Corona-Krise: Dominik Kahun erlebt eine turbulente Saison in der NHL. In der AZ spricht der frühere EHC-Star über den Beginn der Pandemie, überraschende Tauschgeschäfte und die neue Heimat.
| Johannes Schwabl
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Dominik Kahun spielt in der NHL.
imago/Icon SMI Dominik Kahun spielt in der NHL.

München - AZ-Interview mit Dominik Kahun: Der Stürmer (24) spielte von 2014 bis 2018 für den EHC Red Bull München, ehe er in die NHL wechselte. Aktuell steht er bei den Buffalo Sabres unter Vertrag.

AZ: Herr Kahun, der Abbruch der NHL-Saison erfolgte relativ plötzlich. Wie haben Sie den Beginn der Corona-Krise erlebt?
DOMINIK KAHUN: Wir waren zu diesem Zeitpunkt in Montreal und hätten am Abend eigentlich noch ein Spiel dort gehabt. Doch dann hieß es im Laufe des Tages, dass nicht mehr weitergespielt wird. Erstmal sind wir dann zurück nach Buffalo geflogen. Hier ging man ja anfangs nur von einer Woche Pause aus, maximal eineinhalb.

Grob verschätzt.
Auf jeden Fall. Es hieß dann, dass nur die Nordamerikaner nach Hause dürfen, die Europäer sollten vor Ort bleiben, falls schnell wieder weitergespielt wird. Die Teams befürchteten, dass die Europäer sonst nicht mehr in die USA einreisen dürfen. Nach zwei, drei Tagen war aber absehbar, dass das alles länger dauern würde. Dann durften auch wir nach Hause. Meine Freundin und ich haben nicht lange überlegt und den erstbesten Flieger genommen.

Die Pandemie trifft die USA gerade mit voller Wucht. Die US-Regierung um Präsident Donald Trump steht in der Kritik. Wurde im Vorfeld zu wenig unternommen?
Ich bin weder Virologe noch Politiker, daher will ich mich da auch nicht groß auslassen. Vielleicht hat man die Sache aber zu wenig ernstgenommen, als es in Italien und Resteuropa schon richtig schlimm war.

Machen Sie sich Sorgen um die Kollegen und Freunde jenseits des Großen Teichs?
Ich mache mir generell Sorgen um alle Menschen.

Sie unterstützen auch die Stiftung des Ambulanten Kinder- Hospiz in München und versuchen, 15.000 Euro zu sammeln.
Es war mir schon immer eine Herzensangelegenheit, so etwas zu machen. Vor allem Kindern zu helfen, war mein großes Ziel. Für sie ist die Zeit nun besonders schwer, darum freue ich mich, wenn ich helfen kann. Am Mittwoch ist die Spenden-Aktion angelaufen und bis jetzt sieht es ganz gut aus.

Wie hält ein Eishockeyspieler seine Form, so ganz ohne Eis?
Klar, das Wichtigste fehlt für uns. Eis kann man nicht ersetzen. Ich fahre manchmal mit den Inlinern, aber das ist nicht dasselbe. Darum mache ich vor allem Konditionstraining. Ich habe ein Spinning-Bike daheim und gehe Laufen. Ich kann mich einigermaßen fit halten. (lacht)

Glauben Sie noch an eine Fortsetzung der Saison?
Wir hoffen es alle. Leider kann man im Moment aber einfach noch nicht absehen, wann es weitergeht. Sicher ist nur: Die Pause war definitiv die richtige Entscheidung.

Auch ohne Corona war Ihre Saison turbulent. Anfangs ging es von den Chicago Blackhawks zu den Pittsburgh Penguins. Jetzt nach Buffalo.
Der zweite Wechsel war schon überraschend, weil meine Leistungen und meine Werte besser waren als im Vorjahr. Deswegen habe ich eigentlich nicht mit einem Tausch gerechnet. Wenn ich jetzt darauf schaue, sehe ich den Wechsel aber sehr positiv.

Wieso? Ihre Playoff-Chancen waren vorher deutlich höher.
Das schon, aber ich bin in diesem Tauschgeschäft alleine nach Buffalo gegangen. Für mich sind im Gegenzug zwei Leute nach Pittsburgh gewechselt, die insgesamt fünf Millionen Dollar verdienen. Das zeigt, dass mich Buffalo dringend wollte. Ich glaube, dass ich in den ersten sechs Spielen auch schon ganz gute Leistungen gebracht habe.

Zwei Tore und zwei Vorlagen sprechen für sich. Können Sie sich eine Zukunft an den Großen Seen vorstellen?
Warum nicht? Mein Rookie-Vertrag läuft im Sommer aus. Dann werde ich, wenn alles normal läuft, meinen ersten großen NHL-Vertrag aushandeln. Und in Buffalo habe ich bislang sehr viel Spaß. Meine Rolle dort gefällt mir sehr gut und das Team hat Potenzial. Ich würde gerne bleiben.

Noch ärgerlicher als für Sie war die Unterbrechung wohl für ihren Freund Leon Draisaitl. Der spielte in der NHL gerade die Saison seines Lebens.
Ich habe ihm schon unter der Saison gesagt: „Dieses Jahr wirst du Topscorer.“ Er hat es zwar immer ganz bescheiden abgestritten, aber es war allen klar, dass er eine Wahnsinns-Saison spielt. Er gehört zu den absoluten Topstars der Liga. Das ist wirklich schön für das deutsche Eishockey.

Schlecht ist aber, dass die Saison in Deutschland vorzeitig beendet und die WM abgesagt wurde. Bitter nach den zuletzt guten Entwicklungen, oder?
Es hat sich wirklich was entwickelt. Man sieht es in der DEL, dass gute, junge Spieler nachkommen. Man sieht es in der NHL, in der mehr deutsche Talente Fuß fassen. Das deutsche Eishockey hat wirklich eine Zukunft. Bei der WM hätten wir das wieder zeigen können, was wir haben. Aber es wird hoffentlich noch mehr Möglichkeiten dazu geben.

Für Ihre Ex-Kollegen vom EHC München bedeutet der Saison-Abbruch der Saison eine verlorene Titelchance.
Mir tun die Jungs leid. Ich habe immer noch zu vielen von ihnen Kontakt. Sie haben eine tolle Hauptrunde gespielt, die Chance auf die Meisterschaft war wirklich gut. Aber wir sind uns alle einig, dass der Sport im Moment zweitrangig ist.

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