Der Letzte hat Vorsprung

Ziemlich spät stellt BMW ein Formel-1-Auto vor, das der Konkurrenz weit überlegen sein soll. Sie sind die Letzten, wollen aber doch schnell die Ersten sein.
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BMW-Pilot Robert Kubica, hier im Archivfoto aus der Saison 2008.
ap BMW-Pilot Robert Kubica, hier im Archivfoto aus der Saison 2008.

Ziemlich spät stellt BMW ein Formel-1-Auto vor, das der Konkurrenz weit überlegen sein soll. Sie sind die Letzten, wollen aber doch schnell die Ersten sein.

VALENCIA Die Konkurrenz testet bereits. Ferrari, McLaren, Toyota, Williams und Renault haben ihre neuen Formel-1-Flitzer schon vorgestellt und sogar auf der Rennstrecke ausprobiert. BMW dagegen enthüllt das Auto, mit dem Robert Kubica und Nick Heidfeld um den Titel mitfahren sollen, erst am Dienstag in Valencia. Als letztes der Top-Teams. Aber spät dran, das sind die Münchner nicht.

Schließlich hat BMW schon Mitte der vergangenen Saison Testfahrten bestritten mit einem Auto, bei dem die wichtigste technische Neuerung dieses Jahres schon eingebaut war. Denn die Formel-1-Neuwagen mögen zwar radikal anders aussehen mit ihren Riesenmäulern, den hohen Heckflügeln und den profillosen Reifen; die wichtigste und spektakulärste Neuerung steckt aber im Inneren: Ab dieser Saison kann das Energierückgewinnungssystem Kers eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um einen Elektromotor, der die beim Bremsen entstandene Energie speichert und auf Knopfdruck wieder entlädt. Bis zu 82 PS bringt das Drücken des Powerknopfes. Und das rund sechseinhalb Sekunden lang. Pro Runde! Dadurch könnte das Überholen erleichtert werden.

BMW war das erste Team, das Kers schon letzte Saison erfolgreich testete. „Das wird ihnen am Anfang der Saison sicherlich einen Vorsprung auf die Konkurrenz sichern“, sagt Premiere-Experte Marc Surer. Tatsächlich ist BMW in Bezug auf Kers weiter als die Konkurrenz. So weit, dass man in München schon darüber nachdenkt, wie man das Kers-System in Straßenfahrzeugen einsetzen könnte. „Das neue Formel-1-Reglement gibt uns die Möglichkeit, innovative Hybrid-Technologie unter extremen Bedingungen einzusetzen und dabei zusätzlich für die Serienentwicklung wichtige Erkenntnisse zu gewinnen“, sagt BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Draeger.

Vor allem Ferrari und Toyota scheinen dagegen noch Probleme zu haben mit dem Hybrid-System. Und weil das schon Ende letzter Saison abzusehen war und bei einigen Herstellern die Entwicklungskosten zu explodieren schienen, forderten die Rennställe die Verschiebung der Kers-Einführung. „Alle jammern, dass es zu teuer ist. Neun Teams sind dafür, dass wir ohne Kers fahren“, erklärt Formel-1-Boss Bernie Ecclestone.

Trotzdem blieb das System erlaubt – weil BMW darauf bestand. „Nur BMW hält daran fest. Jetzt fahren wir mit Kers", sagt Ecclestone, der das für einen Fehler hält. Genau wie Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo und Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Beide kritisieren die hohen Entwicklungskosten für ein System, das in ihren Augen nicht für die Massenproduktion taugt. Tatsächlich will die Formel 1 ja Geld sparen. Das wollen auch die BMW-Verantwortlichen. Dennoch bestand BMW-Sportchef Mario Theissen auf die Einführung. Auch weil er keine andere Wahl hatte: Der BMW-Vorstand verlangt von ihm nicht nur Erfolge, sondern auch Entwicklungshilfe für die Serienproduktion. Und an einem Hybrid-System wäre dem Unternehmen sehr gelegen. „Wir haben bei BMW das Formel-1-Projekt immer schon als Technologielabor für die Serie genutzt. Mit Kers gewinnt dieser Ansatz eine völlig neue Dimension", sagt Draeger.

Für BMW hat Kers Priorität. Und weil eine Reglementsänderung nur einstimmig erfolgen kann, zittern die anderen Teams jetzt wegen BMW: Sie müssen jetzt so schnell wie möglich den Rückstand auf BMW aufholen – oder, so wie es Toyota angekündigt hat, auf den Powerknopf und die Extra-Leistung verzichten.

Filippo Cataldo

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