Der beflügelte Schweini

Erst bekam er die Binde, dann schoss er ein: Bayern-Star Bastian Schweinsteiger trifft beim 2:0 gegen schwache Belgier und bekommt Lob von Bundestrainer Jogi Löw.
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Ein Küsschen für die Fans: DFB-Kapitän Bastian Schweinsteiger trifft zum 1:0 und feiert.
Bongarts/Getty Images Ein Küsschen für die Fans: DFB-Kapitän Bastian Schweinsteiger trifft zum 1:0 und feiert.

Erst bekam er die Binde, dann schoss er ein: Bayern-Star Bastian Schweinsteiger trifft beim 2:0 gegen schwache Belgier und bekommt Lob von Bundestrainer Jogi Löw.

NÜRNBERG Das allerbeste vorneweg: Vier Millionen Euro haben die deutschen Nationalspieler gestern im Easy-Credit-Stadion in Nürnberg beim 2:0 gegen Belgien eingespielt. Für die gute Sache. Für die Egidius-Braun-Stiftung. Schön, dass Joachim Löws Kicker dabei das Lebensmotto des früheren DFB-Präsidenten, „Fußball ist mehr als 1:0", zumindest in der zweiten Halbzeit beherzigten. Das erste Länderspiel nach dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien und das letzte vor den EM-Qualifikationspartien in Liechtenstein und gegen Finnland Anfang September? Ein netter, unterhaltsamer Sommerkick mit Treffern von Bastian Schweinsteiger per Elfmeter und Jungstar Marko Marin.

Bundestrainer Löw hatte gesagt: „Mal sehen, wer die Chance wahrnimmt.“ So kickten sie, tausende Kilometer entfernt von Peking, vor nicht einmal 35000 Zuschauern nach dem olympischen Motto: „Dabeisein ist alles“.

Das galt zuvorderst für Lukas Podolski. Der Bayern-Star durfte in Nürnberg, nach dem Linksaußen-Experiment bei der EM, endlich wieder einmal Stürmer spielen. Allerdings mit mäßigem Erfolg. Außerdem erwischte ihn Belgiens Keeper Stijnen mit einem üblen Tritt in den Bauch.

Debüt für Serdar Tasci

Erstmals mitwirken im DFB-Trikot durfte auch Serdar Tasci. Der Innenverteidiger vom VfB Stuttgart debütierte – und sorgte vor dem Anpfiff mit seiner Anrufung Allahs am Mittelkreis für einen Hauch von Franck Ribéry in der fränkischen Fußball-Provinz. Damit hatte es sich dann allerdings auch schon mit den Gemeinsamkeiten mit seinem muslimischen Glaubensbruder. Sonderlich künstlerisch mit dem Ball geht der 21-Jährige türkischer Abstammung nicht um, eher kompromisslos. Allzuviel zu tun bekam er ohnehin nicht. Dennoch gab’s Lob von Löw: „Ganz hervorragend, auch taktisch.“

Dann war da Robert Enke, der gefühlte Debütant Nummer zwei. Der Hannoveraner („Ich will die Nachfolge von Jens Lehmann antreten“) wird zwar am Sonntag 31 Jahre alt, durfte aber gestern erst zum zweiten Mal das deutsche Tor hüten. Und das nur, weil Rene Adler aus Leverkusen verletzt ist. Seit gestern Abend weiß man, dass Enke recht gut abwerfen kann, gut mitspielt und Ruhe ausstrahlt.

Dabei sein, anstelle der angeschlagenen Stammkräfte Michael Ballack (Fußprobleme) und Torsten Frings (Muskelprobleme), durften auch die etatmäßigen Mitläufer Simon Rolfes und Thomas Hitzlsperger. Der Stuttgarter hatte sogar getönt: „Ich weiß, dass mit Ballack und Frings noch zwei erfahrene Spieler da sind, die es zu verdrängen gilt.“ Seine Leistung gegen die zweitklassigen Belgier war eher dürftig. Kaum zu glauben, dass Ballack zu Hause in London das geprellte Füßchen gezittert hat.

„Das ist wie bei Red Bull“

Für Hitzlsperger kam Marko Marin. Und der kleine Gladbacher, vor der EM ausgebootet, war es, der mit seinem Treffer zum 2:0 (77.) – Löw: „Das war schon klasse“ – für den schönsten Moment des Abends sorgte. Die Führung hatte Ersatz-Ersatz-Kapitän Bastian Schweinsteiger per Elfmeter – van Buyten hatte Gomez am Trikot gezupft – besorgt (59.). Der Bayern-Star gab zu, durch die Binde beflügelt gewesen zu sein. „Das ist wie bei Red Bull“, sagte er. Der Bundestrainer hält eh viel von Schweinsteiger: „Er hat spätestens mit dem Portugal-Spiel bei der EM Selbstbewusstsein gewonnen“, so Löw, „er hat Verantwortung übernommen und ist mehr und mehr in eine Führungsrolle reingewachsen.“

So bleibt diese Erkenntnisse – und vier Millionen Euro. Für die Aktion „Kinder in Not“ und die DFB-Hilfsprojekte in Mexiko. Ein gutes Spiel.

ps/jos

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