Debakel für Damen-Staffel nach Doping-Affäre

Die deutschen Biathletinnen sind geschockt von der Doping-Affäre in ihrem Team und erleben als Staffel-Elfte ein Debakel. Sie reisen erstmals ohne Medaille von Olympia ab.
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Andrea Henkel bei ihrem letzten Olymoia-Auftritt.
dpa Andrea Henkel bei ihrem letzten Olymoia-Auftritt.

Die deutschen Biathletinnen sind geschockt von der Doping-Affäre in ihrem Team und erleben als Staffel-Elfte ein Debakel. Sie reisen erstmals ohne Medaille von Olympia ab. Die Ukrainerinnen freuen sich über ihr erstes Biathlon-Gold nach Gewalt und Chaos in ihrem Land.

Krasnaja Poljana  – Am bittersten Tag für das deutsche Biathlon erlebte die Damen-Staffel zum Olympia-Abschluss auch sportlich noch ein Debakel. Das lähmende Entsetzen nach dem Doping-Fall von Evi Sachenbacher-Stehle konnten Franziska Preuß, Andrea Henkel, Franziska Hildebrand und Laura Dahlmeier am Freitag in Krasnaja Poljana nicht überwinden und landeten beim Olympiasieg des ukrainischen Quartetts abgeschlagen auf Rang elf. „Wir waren alle geschockt, mehr kann ich dazu gar nicht dazu sagen“, meinte Hildebrand.

Besonders bitter war der Abschied für Andrea Henkel. „Ich habe versucht ein normales Rennen zu machen, weiß aber nicht, ob mir das gelungen ist“, sagte die achtmalige Weltmeisterin Andrea Henkel nach ihrem letzten Auftritt auf der Olympia-Bühne. „Mein letztes Olympia-Rennen war nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Bei den ganzen Spielen war der Wurm drin.“

Ein Dopingfall und erstmals seit 1992 keine Medaille bei Olympia - die Bilanz der deutschen Skijägerinnen in den Bergen über Sotschi fiel verheerend aus. Zurück in Deutschland muss viel aufgearbeitet werden. Kurz nach dem Zieleinlauf bestätigte dann auch Sachenbacher-Stehle den positiven Befund und schrieb „vom schlimmsten Albtraum, den man sich vorstellen kann“. Da war sie schon auf dem Weg nach Hause.

Einen Albtraum erlebten die deutschen Damen in der Staffel nicht, ein Desaster war es aber schon. Während die Ukraine unbeeindruckt von Gewalt und Chaos in der Heimat ihr erstes Gold bei den Sotschi-Spielen vor Russland und Norwegen gewann, gab es bei den deutschen Biathletinnen wieder einmal bedrückte Gesichter. Mit Platz elf über die 4 x 6 Kilometer fuhren sie das schlechteste Ergebnis einer deutschen Staffel bei Winterspielen überhaupt ein. Das DSV-Team lag am Ende 3:41,7 Minuten hinter der Ukraine. Dabei war das deutsche Team zuvor in jedem Weltcup-Rennen auf dem Podest gewesen.

Schon früh waren alle Hoffnungen dahin. Startläuferin Preuß stürzte am ersten Anstieg kopfüber, der Stock brach. Die 19-Jährige Sie kam als Letzte zum Schießstand und musste noch ihr Gewehr reinigen. „Ich habe mich erst einmal daran erinnern müssen, was ich machen muss. Das lähmt auch auf der Strecke“, sagte sie. Danach vermied sie gerade so die Strafrunde, benötigte beim nächsten Schießen noch einen weiteren Nachlader. „Diese verfluchten Spiele. So etwas habe ich noch nie erlebt“, klagte Chef-Bundestrainer Uwe Müssiggang. Noch schlimmer erwischte es die Französinnen: Marie Laure Brunet kollabierte, musste ärztlich versorgt und weggetragen werden

Debütantin Preuß übergab mit einem Rückstand von fast drei Minuten an Andrea Henkel, die sich auf ihre letzten sechs Olympia-Kilometern machte. Danach war die 36-jährige Henkel vor allem da, um Trost zu spenden. „Ich weiß gar nicht, wie mein Rennen war, denn ich bin die ganze Zeit alleine gelaufen“, sagte sie.

Es war ein schwerer Tag für das deutsche Team in den Bergen über Sotschi. „Wir waren alle schockiert. Wir haben versucht, den Fokus auf das Sportliche zu lenken“, sagte Damen-Bundestrainer Gerald Hönig. Der Computer sollte ausbleiben, die Handys zur Seite gelegt werden, nachdem das Team informiert worden war. Evi Sachenbacher-Stehle war für das 4 x 6 Kilometer nicht nominiert worden. „Die Staffel wurde aus rein sportlichen Gründen so aufgestellt“, stellte DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach erneut klar.

Schon am Vormittag war zu ahnen, das etwas Unangenehmes auf die Biathleten zukommen würde. Herren-Bundestrainer Mark Kirchner und sein Kollege Fritz Fischer bereiteten Erik Lesser, Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp auf das Staffelrennen am Samstag (15.30 Uhr) vor, als das Handy klingelte. Danach schaute Kirchner nicht mehr fröhlich, rief seine Skijäger zur Mannschaftssitzung. „Ich habe es gerade auf dem Handy gelesen. Und kann es gar nicht glauben“, sagte der ehemalige Sprint-Weltmeister Peiffer. Der als Schlussläufer vorgesehene Schempp stellte fest: „Ich habe es gerade mitgekriegt. Das ist ein extremer Schock. Mehr kann ich dazu nicht sagen.“

 

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