Das müssen Fans zum Start der Tour de France wissen

Spektakel in Barcelona, Doppelspitze mit Lipowitz und zweimal Alpe d'Huez: Die Tour de France verspricht für deutsche Radsport-Fans viel Spannung.
von  David Langenbein und Felix Schröder, dpa
Der deutsche Hoffnungsträger: Florian Lipowitz. (Archivbild)
Der deutsche Hoffnungsträger: Florian Lipowitz. (Archivbild) © Nicolás Carvalho Ochoa/dpa

Die deutschen Radsport-Hoffnungen ruhen bei der 113. Tour de France wieder auf den Schultern von Florian Lipowitz. Wie sieht der Vorjahresdritte seine Chancen, in diesem Jahr den Abstand zu Dominator Tadej Pogacar zu verringern? "Es ist natürlich schwierig. Ich hoffe, dass ich noch nicht an meinem Leistungsmaximum bin", sagte der 25-Jährige vor dem Start der Rundfahrt am 4. Juli in Barcelona. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten für Radsport-Fans.

Was steht beim Start in Spanien an?

Die erste Etappe der großen Schleife ist ein 19 Kilometer langes Mannschaftszeitfahren durch die katalanische Metropole vorbei an der Sagrada Família und über den Montjuïc, den Hausberg Barcelonas. Anders als bei früheren Ausgaben wird bei der Zeit aber jeder Fahrer einzeln gewertet. Es wird spannend, wie die Teams damit taktisch umgehen. Auch am zweiten Tag geht es in und um Barcelona mehrmals über den Montjuïc mit einem anspruchsvollen Finale zum Olympiastadion. Die dritte Etappe führt das Peloton dann nach Frankreich.

Hat Florian Lipowitz wieder Chancen auf das Podium?

Bei der Slowenien-Rundfahrt stellte der 25-Jährige seine hervorragende Form gerade erst mit zwei Etappen-Erfolgen und dem Gesamtsieg unter Beweis. Auch die Resultate im Frühjahr gegen stärkere Konkurrenz lassen hoffen, dass der Deutsche wieder unter die ersten drei fahren kann. Interessant wird allerdings die Konstellation im eigenen Red-Bull-Team mit dem zu dieser Saison verpflichteten belgischen Olympiasieger Remco Evenepoel. Die Mannschaft geht mit einer Doppelspitze an den Start. In den hohen Bergen gilt Lipowitz als der stärkere Fahrer. Im Zeitfahren ist Evenepoel eine Klasse für sich.

Kann irgendjemand Tadej Pogacar schlagen?

Der slowenische Radsport-Dominator gewann erst im Frühjahr fast alle Klassiker, bei denen er antrat, und siegte dann zuletzt bei der Tour de Suisse mit mehr als sechs Minuten Vorsprung. Wenn er gesund durch die drei Wochen kommt, wäre alles andere als ein Sieg eine riesige Überraschung. Es wäre der fünfte Triumph des 27-Jährigen bei der Tour. Der Weltmeister würde mit den Rekordhaltern Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain gleichziehen.

Wer wird sonst hoch gehandelt?

Noch etwas vor Lipowitz und Evenepoel ist Pogacars Langzeit-Rivale Jonas Vingegaard zu nennen. Der dänische Tour-Champion von 2022 und 2023 gewann Ende Mai zum ersten Mal den Giro d'Italia und will den Schwung nach Frankreich mitnehmen. Die Hoffnungen der Franzosen ruhen auf Wunderkind Paul Seixas (19), der seine erste Grand Tour fährt. Dass er unbekümmert mit den großen Namen der Branche mitfahren kann und will, stellte Seixas in dieser Saison schon unter Beweis. Ob er bei seiner ersten dreiwöchigen Rundfahrt aber schon ernsthaft um den Gesamtsieg mitfahren kann, ist fraglich.

Was sind die Höhepunkte der Rundfahrt?

Mehr als 3.300 Kilometer müssen die 184 Fahrer bewältigen. Rund 54.000 Höhenmeter stehen in Pyrenäen, Zentralmassiv, Vogesen, Jura und Alpen auf dem Programm. Nach dem Auftakt in Barcelona geht es direkt in die Pyrenäen. Die siebte Etappe mit Ziel in Bordeaux haben sich die Sprinter im Kalender rot eingekreist.

Besonders die letzte Woche hat es dann für die Klassement-Fahrer in sich. Gleich zweimal ist der Wintersportort Alpe d'Huez nach vier Jahren Pause das Ziel, zunächst über den gewohnten Weg auf der 19. Etappe. Am vorletzten Tag der Rundfahrt dann nur über die letzten 3 der 21 ikonischen Kehren, aber am Ende einer brutalen Etappe mit insgesamt 5.600 Höhenmetern. 

Standen im letzten Jahr auf dem Podium: Vingegaard (l), Lipowitz (r) und Sieger Pogacar. (Archivbild)
Standen im letzten Jahr auf dem Podium: Vingegaard (l), Lipowitz (r) und Sieger Pogacar. (Archivbild) © Mosa'ab Elshamy/AP/dpa

Am 26. Juli endet die Rundfahrt in Paris. Mehrmals geht es wieder über den Anstieg am Montmartre, was schon im Vorjahr und bei Olympia 2024 für Spektakel sorgte. 

Welche deutschen Fahrer können noch eine Rolle spielen?

Nils Politt wird im UAE-Team wieder einer der wichtigsten Helfer von Pogacar sein. Das dürfte auch die Chancen des Kölners einschränken, mal selbst auf einen Etappensieg zu fahren. Dieses Ziel hat sich Georg Steinhauser gesetzt. Der Neffe von Jan Ullrich steht vor seinem Tour-Debüt. "Sicher wird er sich da auf einige Etappen konzentrieren. Aber natürlich teamintern wird er auch seine Arbeit leisten müssen", sagte Ullrich der ARD. Felix Engelhardt wird nach seinem Überraschungssieg in Bad Liebenstein im Trikot des deutschen Meisters seine erste Tour fahren.

Wo kann man die Tour schauen?

Die ARD und Eurosport übertragen die Rundfahrt auch in diesem Jahr. Im Ersten beginnt die Übertragung meist kurz nach 14 Uhr. Der Online-Livestream startet etwas früher. Die Übertragungen der Etappen in voller Länge von Eurosport können per Stream auch bei den kostenpflichtigen Anbietern HBO Max, Discovery+ und DAZN verfolgt werden.

Politt soll wieder wichtige Helferdienste für Pogacar verrichten. (Archivbild)
Politt soll wieder wichtige Helferdienste für Pogacar verrichten. (Archivbild) © Mosa'ab Elshamy/AP/dpa

Warum könnten die TV-Motorräder für Ärger sorgen?

Beim Giro machte der Deutsche Max Walscheid seinen Frust deutlich. "Heute haben Motorräder leider den Ausgang des Rennens beeinflusst und das ist für uns extrem enttäuschend", sagte er nach der 15. Etappe, bei der eine Ausreißergruppe überraschend vor dem heranrasenden Hauptfeld ins Ziel kam. Der Vorwurf, der immer wieder bei Rennen geäußert wird: Die TV-Motorräder seien zu nah an den Ausreißern gefahren und hätten so wichtigen Windschatten gespendet. Das Thema könnte auch in Frankreich wieder hochkochen und eine Debatte über die Einführung einer technischen Lösung verstärken.

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