Das Goldköpfchen denkt: Besser als 1996

„Wir haben eine ganz homogene, einewunderbare Gruppe“, so DFB–Manager Oliver Bierhoff. Was dafür spricht, dass Deutschland nach zwölf Jahren wieder den EM-Titel holt.
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Die deutschen Spieler um Kapitän Michael Ballack (Mitte, Nummer 13) gehen in dieselbe Richtung bei dieser EM. Teammanager Oliver Bierhoff will einen herausragenden Teamgeist ausgemacht haben – und hofft nun, dass diese Truppe den Titel holt.
dpa Die deutschen Spieler um Kapitän Michael Ballack (Mitte, Nummer 13) gehen in dieselbe Richtung bei dieser EM. Teammanager Oliver Bierhoff will einen herausragenden Teamgeist ausgemacht haben – und hofft nun, dass diese Truppe den Titel holt.

TENERO - „Wir haben eine ganz homogene, einewunderbare Gruppe“, so DFB–Manager Oliver Bierhoff. Was dafür spricht, dass Deutschland nach zwölf Jahren wieder den EM-Titel holt.

Es ist eine eher getragene, feierliche Melodie. Die Uefa wählte den Song „One Moment in Time“ von Whitney Houston als eine Art Hymne zum Ende eines Spieles bei dieser EM aus. Und so begab sich die deutsche Nationalelf mit allen 23 Spielern nach dem 2:0 gegen Polen in Klagenfurt auf eine Ehrenrunde – begleitet von Whitneys Stimme. 1988 hatte sie das Stück als Erkennungsmelodie für Olympia in Seoul aufgenommen, nun erlebt der Song ein Revival – passt ja.

Denn tatsächlich war dieser Sieg im EM-Auftaktspiel ein Moment der Zeitgeschichte, es ist nun nicht mehr die Rede vom zwölf Jahre andauernden Fluch, weil die Nationalelf seit 1996 kein Spiel mehr bei den darauffolgenden Turnieren gewonnen hatte. Ein erster Schritt ist gemacht. „Wir haben den Fluch beseitigt, das bestätigt unsere Arbeit“, sagte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff gestern.

Ein gutes Omen

Nach dem nächtlichen Flug von Klagenfurt nach Lugano mit einer gecharterten Maschine hatte die sportliche Leitung gegen 3 Uhr morgens noch zusammen gesessen und über das Spiel sowie den weiteren Turnierverlauf gesprochen. Bierhoff, Andy Köpke, der Torwarttrainer und Matthias Sammer, der DFB-Sportdirektor, wurden 1996 in England gemeinsam Europameister. „Wir haben den gleichen Start hingelegt wie 1996 (2:0 gegen Tschechien, d. Red.), vielleicht ist das ein gutes Omen“, meinte Bierhoff und erzählte von einer Runde am Abend vor dem Spiel: „Wir waren alle miteinander sehr optimistisch. Ob wohl es schon ein bisschen beängstigend war, als da alle zusammen saßen und jeder ein gutes Gefühl hatte. Dann hinterfragt man sich ja doch mal. Das war 1996 nicht immer so.“

Die Akribie, mit der die Bergtour 2008 vom gesamten DFB-Tross bis ins Detail durchgeplant wurde, zeichnet das aktuelle Team hinter dem Team aus. Doch dies ist nur eine Facette. Die AZ untersucht, warum Löws Gipfelstürmer von 2008 jetzt schon titelreif sind und die Nachfolger der Helden von Wembley 1996 werden können.

Der Trainer

Löw ist mit seinem ersten Turniersieg als alleinverantwortlicher Coach endgültig aus dem Schatten seines Vorgängers, des WM-Bundestrainers Jürgen Klinsmann getreten. „Es ist erstaunlich, mit welcher Ruhe und Lockerheit Jogi das macht“, lobte Bierhoff, „auch bei den taktischen Maßnahmen und den Auswechslungen zeigt er immer wieder sein gutes Händchen.“ 1996 war Berti Vogts Bundestrainer, der allerdings im Kader nicht diese Wertschätzung und Akzeptanz von Löw anno 2008 erfuhr.

Die Fitness

Nur Marcell Jansen hatte gegen Ende des Polen-Spiels muskuläre Probleme, der Rest wirkte durch die dreiwöchigen Trainingseinheiten fit. „Heute war kein Verschleiß sichtbar. Wir haben frisch gewirkt bis zum Schluss“, meinte Kapitän Michael Ballack.

Der Teamgeist

Alle Spieler jubelten bei den Treffern mit – auch die Bankdrücker. Im Mannschaftsbus auf dem Weg zum Flughafen wurde Miro Klose zum 30. Geburtstag ein Ständchen gesungen. Bierhoff: „Wir haben eine ganz homogene Mannschaft, eine wunderbare Gruppe.“

Die Motivation

Aus dem aktuellen Kader hat nur Jens Lehmann einen internationalen Titel gewonnen, den Uefa-Pokal 1997 mit Schalke. Entsprechend gieren sie nach einem Titel. Bierhoff, der Deutschland 1996 durch sein Golden Goal im Finale zum EM-Titel schoss und den sie damals Goldköpfchen genannt haben, sagt: „Ich glaube, dass wir jetzt ein bisschen mehr Hunger auf internationalen Erfolg haben als damals.“

Doch der Hunger muss wohl dosiert sein, wie Ballack anmerkte: „Wir müssen Schritt für Schritt gehen. Wir dürfen nicht zu viel träumen. Wir wissen auch, dass sicher noch stärkere Gegner kommen. Wir müssen den Ball flach halten und weiter arbeiten. Dann werden wir sicher noch mehr Spiele gewinnen.“ Fünf Siege reichen.

Patrick Strasser

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