Cavendish & Co: Multi-Kulti-Truppe mit Sieger-Gen

Radler aus 16 Nationen bilden bei Columbis ein homogenes Team. Der Star ist Mark Cavendish, der beste Sprinter der Welt.
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Freut sich über seinen Sieg auf der 3. Tour-Etappe: Mark Cavendish.
Bongarts/Getty Images Freut sich über seinen Sieg auf der 3. Tour-Etappe: Mark Cavendish.

BARCELONA - Radler aus 16 Nationen bilden bei Columbis ein homogenes Team. Der Star ist Mark Cavendish, der beste Sprinter der Welt.

Wenn sich der Columbia-Zug an der Spitze des Feldes formiert, schrillen bei der Konkurrenz die Alarmglocken. Das Peloton hat regelrecht Angst. Angst davor, dass Columbia das Feld an einer Windkante mal wieder auseinanderreißt. Angst davor, dass der Brite Mark Cavendish einen seiner unwiderstehlichen Sprints fährt. Schier unglaubliche 53 Siege hat der Nachfolgerennstall des T-Mobile-Teams in diesem Jahr eingefahren. 2008 waren es am Ende 76 und sogar 153, zählt man Frauen und Männer zusammen.

„Wir wollen jeden Tag etwas Besonderes abliefern“, sagt Teamchef Bob Stapleton, und Sportdirektor Rolf Aldag ergänzt: `Wir wollen einfach das machen, was wir die ganze Saison über machen – Siege einfahren."

Columbia ist die Multi-Kulti-Truppe mit dem Sieger-Gen. Fahrer aus 16 Nationen bilden ein homogenes Team. Die gegenseitigen Umarmungen nach jedem Erfolg werden fast schon zelebriert. Im Auto beweist Rolf Aldag erstaunliches Talent als Sportlicher Leiter, sein Kumpel Erik Zabel lässt seine Kontakte bei der Sichtung von Talenten spielen. Columbia soll auf Jahre das beste Team der Welt sein.

Kein anderes Team definiert sich so über Siege wie der einstige T-Mobile-Rennstall. „Wir hatten im vergangenen Jahr Siege von Januar bis Oktober. Wir haben das Ziel, das 2009 zu wiederholen“, kündigte Stapleton bereits zu Saisonbeginn an. Bisher ist das Team frei von jeglichen Doping-Skandalen.

Der ehemalige Mobilfunk-Manager Stapleton wirkt stets freundlich und gelassen, strahlt eine unglaubliche Ruhe aus. Er versteht es meisterlich, seine Zuhörer charmant in seinen Bann zu ziehen. Doch Stapleton ist auch ein Erfolgsmensch, ein Investor. Er hat es nicht allein durch Freundlichkeit zum Milliardär gebracht, und deshalb interessieren ihn vor allem Ergebnisse.

Um sich mit den Besten zu messen, hat er eine hochkarätige Truppe zusammengekauft. Mark Cavendish ist der beste Sprinter der Welt, Bert Grabsch der beste Zeitfahrer und Tony Martin das derzeit größte Talent im Radsport. Alle tragen das weiße Columbia-Jersey, dessen Vorderseite bis kurz vor der Tour noch die Umrisse eines perfekten Waschbrettbauchs zierten.

Bei der Großen Schleife hat sich das Bild leicht geändert. Es stellt noch immer die Muskeln eines austrainierten Oberkörpers dar, das Sixpack musste jedoch für einen neuen Sponsor weichen. Rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt schloss Stapleton einen Vertrag mit dem Mobilfunkanbieter HTC und gewann damit einen potenten Geldgeber für die nächsten Jahre.

Weltwirtschaftskrise? Dopingskandale? Durch die vielen Siege scheint Columbia immun gegen die Unwägbarkeiten der heutigen Zeit. In der Zeit, als Hans-Michael Holczer so händeringend nach einem Nachfolger für Gerolsteiner suchte, fand Stapleton gleich zwei Sponsoren. Aus dem Team High Road wurde innerhalb eines Jahres die Mannschaft Columbia-HTC.

Arroganz herrscht bei den Columbia-Machern trotz der vielen Erfolge nicht vor. Man gibt sich bescheiden, redet bei der Tour noch immer nur von einem Ziel: Alle neun Fahrer sollen Paris erreichen. Das Grüne Trikot für Cavendish? Das Weiße Trikot für Martin? „Das wäre natürlich schön. Aber wir setzen die Fahrer nicht uner Druck“, sagt Aldag. Die Fahrer selbst bestimmen den Weg, sagt er. Das Team helfe ihnen nur dabei.

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