Bryce Taylor: "Ich will ein Vermächtnis hinterlassen"

Bryce Taylor, der Kapitän des FC Bayern Basketball, spricht über seine Zukunft in München, seinen berühmten Vater und Familienpläne.
| Florian Schmidt-Sommerfeld
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War bis Mitte Dezember verletzt, jetzt wieder fit: Kapitän Bryce Taylor.
Rauchensteiner/augenklick War bis Mitte Dezember verletzt, jetzt wieder fit: Kapitän Bryce Taylor.

AZ: Herr Taylor, es war bislang keine leichte Saison für Sie. Nach einer langen Verletzungspause haben Sie vor rund drei Monaten ihr Comeback gegeben.

BRYCE TAYLOR: Ich fühle mich immer besser. Ich achte auf meine Ernährung, aber auch darauf, dass ich genug zur Ruhe komme. Ich bin noch nicht so alt, aber was Basketball angeht, machen diese kleinen Sachen einen Unterschied.

Sie sind 28 und kommen doch gerade erst in Ihre Blütezeit. . .

Stimmt. Ich spiele seit sieben Jahren professionell und hoffe, dass ich weitere sieben spielen kann. Mein Vater musste mit 30 aufhören: Er hatte sich die Achillessehne gerissen. Er hat für die San Diego Clippers gespielt, als 1979 die Dreierlinie in die NBA kam. Er hat in dieser Saison die meisten Dreier der ganzen NBA getroffen.

Er war sozusagen der erste Dreier-Experte der NBA.

Ja, sein Trainer hat damals an den Dreipunktwurf geglaubt und mein Vater war ein guter Schütze.

Sie waren damals noch nicht auf der Welt und konnten Ihren Vater nie spielen sehen.

Ich wurde erst vier Jahre nach seinem Karriereende geboren. Viele haben mir von seinen Fähigkeiten erzählt. Als ich in New Jersey war, wo er herkommt, haben alle von ihm geschwärmt. Das war für mich echt cool. Denn als er mir davon erzählt hat, habe ich es ihm nicht wirklich geglaubt.

Sie haben ihm nicht geglaubt?

(lacht) Ich war acht Jahre alt. Ich hatte es ja nie gesehen. Er hat mir Videos gezeigt, aber die waren echt alt. Aber mittlerweile weiß ich: Er war eine Highschool-Legende, hatte 300 Stipendien-Angebote. Er war der Klassenbeste und ist dann nach Princeton gegangen, auf eine Prestige-Uni der Ivy League. Nach einem Jahr ist er dann schon weiter in die NBA. Ich musste also in große Fußstapfen treten.

Sie machen ihm dieses Jahr Konkurrenz, treffen weit über die Hälfte Ihrer Dreier!

Dieses Jahr habe ich das Glück, wirklich gut zu treffen. Das Wichtigste ist: gute Würfe nehmen. Dadurch hältst du deine Trefferquote hoch.

Wann haben Sie gemerkt, dass es zum Profi reichen kann?

Als ich 16 wurde, war ich wirklich gut. Da habe ich gemerkt, dass ich ein Stipendium fürs College kriegen kann und es vielleicht in die NBA schaffen kann.

Den NBA-Traum haben sie aber inzwischen begraben.

Ich habe es mal versucht, aber nicht sonderlich erfolgreich. 2008 und 2010 habe ich bei den Minnesota Timberwolves und den Indiana Pacers Summerleague gespielt. Jetzt habe ich hier in Europa eine Mission, ich muss mein Team besser machen. Ich denke nicht mehr an die NBA, das liegt hinter mir.

Was genau ist diese Mission?

Ich will als Spieler und Mensch meine Spuren hinterlassen. Das war für mich immer wichtiger als Geld. Ich kann für andere, die in Zukunft aus den USA rüberkommen, ein Beispiel setzen. Für Jungs, die es in der NBA nicht schaffen, ist Europa eben nur die zweite Wahl und dann kommen sie nicht mit der richtigen Einstellung.

Ihr Vertrag in München läuft noch ein Jahr. Wo wohnen Sie und wie gefällt es Ihnen?

Ich wohne in Schwabing, ich liebe es da. Es gibt viele Parks, meine Freundin und ich haben unsere Lieblingsrestaurants dort gefunden.

Haben Sie sich hier kennen gelernt?

Sie ist aus Berlin. Ich habe sie kennen gelernt, als ich dort gespielt habe. Letztes Jahr ist sie mit mir nach München gezogen. Sie arbeitet hier im Marketing einer Modefirma.

Sie sind jetzt 28. Haben Sie vor, eine Familie zu gründen?

Noch nicht jetzt gleich, aber irgendwann. Ich komme langsam in das Alter. . .

Sie haben vier Geschwister. Haben sie viel Kontakt?

Ich habe eine ältere Schwester, zwei jüngere und einen jüngeren Bruder. Es war super, als ich aufgewachsen bin. Keine ruhige Sekunde im Hause Taylor. Ich stehe allen sehr nahe. Als ich nach Europa gekommen bin, war ich das erste Mal allein. Das war hart. Teil einer großen Familie zu sein, ist eine einmalige Erfahrung.

Sind Ihre besten Freunde hier auch aus der Mannschaft?

Ich verbringe die meiste Zeit zwar mit meiner Freundin, aber es läuft echt cool mit allen im Team. Wenn wir Zeit haben, gehen wir Abendessen oder treffen uns bei jemandem daheim. Lucca Staiger ist ein guter Koch.

Sie waren lange Zimmerkollegen auf Auswärtsfahrten.

Ja, dreieinhalb Jahre. Dieses Jahr haben wir das geändert. Seit meinem Comeback hatte ich fünf verschieden Zimmernachbarn. Ich vermisse Lucca als Zimmernachbarn, er ist wie mein Bruder. Wir waren Anfang 20, als wir beide nach Berlin gekommen sind und es hat sich eine Freundschaft entwickelt.

Warum wurde die Zimmeraufteilung geändert?

Es wurde rotiert. Ich sehe das auch als Chance, jeden Einzelnen noch besser kennen zu lernen.

Sie haben gesagt, Sie können noch sieben Jahre spielen. Was sind Ihre Ziele?

Ich will so viel wie möglich gewinnen und hier bei Bayern ein Vermächtnis hinterlassen.

Damit irgendwann ihr Trikot unter dem Hallendach hängt.

Genau, das ist ein Traum. Ich will mal als Sieger und einer der besten Teamkameraden gesehen werden.

Wenn man in Zukunft an den FC Bayern Basketball denkt, soll man also an Bryce Taylor denken.

Genau. Er war der Kerl, der wichtig für die Entwicklung des Klubs war. Er hat geholfen, Bayern zu dem zu machen, was es im Basketball geworden ist.

 

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