Box.Debakel: Abraham am Boden - "Arthur hat kein Herz mehr"

Profiboxer Arthur Abraham hat einen erneuten WM-Titel verpasst. Der 37-jährige Supermittelgewichtler unterlag in der Londoner Wembley Arena dem IBO-Weltmeister Chris Eubank jr.
| Matthias Kerber
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Arthur Abraham (r) musste gegen Chris Eubank jr. harte Treffer einstecken. Foto: Pa Wire
dpa Arthur Abraham (r) musste gegen Chris Eubank jr. harte Treffer einstecken. Foto: Pa Wire

Profiboxer Arthur Abraham hat einen erneuten WM-Titel verpasst. Der 37-jährige Supermittelgewichtler unterlag in der Londoner Wembley Arena dem IBO-Weltmeister Chris Eubank jr. aus Großbritannien nach zwölf Runden einstimmig nach Punkten.

London - Es war die zwölfte, die letzte Runde, die letzte Chance für Arthur Abraham, der sich einst so gerne als König Arthur hatte feiern lassen, den Kampf noch zu drehen. Elf Runden lang war der 37-Jährige in der Wembley-Arena von seinem zehn Jahre jüngeren Kontrahenten Chris Eubank jr. boxerisch demontiert, vorgeführt, verhöhnt und teils zum lebendigen Sandsack degradiert worden.

Und was machte Abraham? Statt noch einmal alles zu versuchen, noch einmal den einst so gefürchteten Abrahammer auszupacken und so seinen schon arg ramponierten Ruf zu retten, sich also durch einen kapitalen Knockout den Sieg, den Titel, den Platz im so lukrativen Muhammad-Ali-Trophy-Boxturnier zu sichern? Er zog den flinkfüßigen Rückzug an, begnügte sich damit, über die Distanz zu kommen. Eine kapitale Bankrotterklärung. Für den Boxer, den Kämpfer. Dementsprechend vernichtend fiel auch das Urteil seines Trainers Ulli Wegner aus: "Arthur hat kein Herz mehr!"

Abraham, der Fighter ohne das Herz eines Boxers

Es war erschreckend zu sehen, wie Eubank mit seinen schnellen Kombinationen, der klugen Taktik die boxerische Limitiertheit Abrahams über zwölf Runden in nahezu jeder Sekunde offenbarte. Schon vor dem Fight hatte Abraham, der nie ein Trainingsmonster war, der an keinem Schokoriegel, keiner Gummibärchen-Tüte vorbei gehen kann, ohne kräftig zuzulangen, bewiesen, dass er nicht mehr die Einstellung hat, um Boxen auf diesem Niveau zu betreiben. Das Gewichtslimit im Supermittelgewicht (76,203 kg) hatte er erst im zweiten Nachwiegen erreicht. Zuvor hatte er mit drei Pullovern bekleidet Sprints um die Arena machen müssen, um das gute halbe Kilo auszuschwitzen.

Im Ring fiel ihm – genau wie Trainer Wegner – gegen Eubank nie ein Mittel ein. Immer wieder kam der Brite mit seinen Köpertreffern und Aufwärtshaken durch. Eine Box-Lehrstunde für Abraham. Genau wie vor gut einem Jahr, als er bei seinem Titelverlust in Las Vegas gegen den Mexikaner Gilberto Ramirez den Boxer der jämmerlichen Gestalt abgegeben hatte. Damals konnte Abraham nicht eine einzige Runde gewinnen. Dieses Mal sah das ein Punktrichter genauso, die anderen beiden sahen zwei Durchgänge bei Abraham. "Das Einzige, was beeindruckend war, wie er meine Schläge weggesteckt hat", sagte Eubank, der Abraham immer wieder mit provokanten Aktionen verhöhnte.

Was macht Arthur Abraham - Karriereende oder letzter Zahltag?

"Ich breche meine Gegner auf allen Ebenen. Physisch, mental. Das gehört alles dazu. Ich bin kein Boxer, ich bin ein Krieger. Wenn ich dabei noch sexy aussehe, umso besser", tönte Eubank. Dessen Vater und Trainer Chris Eubank sr., einst selbst Boxweltmeister, meinte: "Ich habe schon lange gesagt, Junior ist der Beste der Welt. Das hat Abraham erfahren müssen." Dem wurde das zuteil, was für Boxer die Höchststrafe ist – Mitleid. "Es war schade, Arthur so zu sehen", sagte der britische WBA-Weltmeister George Groves, "aber er war mit seiner Unbeweglichkeit, seiner Limitiertheit der perfekte Gegner für Eubank, der dafür alles zeigen konnte, was er drauf hat."

War’s das für Abraham? "Die Zukunft wird er in Ruhe entscheiden. Wir werden uns zusammensetzen", sagte Promoter Kalle Sauerland. Montag soll es wohl ein erstes Treffen mit Abraham, der nun Gefahr läuft, nur noch Futter für aufstrebende Boxer zu werden, geben.

"Arthur ist jetzt einfach zu langsam, zu ungefährlich", sagte Box-Experte Axel Schulz der AZ, "ich würde ihm raten, die Karriere zu beenden. Aber ich fürchte, dass er noch mal einen Zahltag erhofft." Das wäre auch alles, was es noch wäre, ein letztes Abkassieren, denn als Boxer auf Weltniveau ist Abraham durch.

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