Interview

Bob-Legende Christoph Langen: "Mit Angst ist man nicht mehr schnell"

Im Eiskanal sind die Deutschen um Rekordpilot Francesco Friedrich kaum zu schlagen: Bob-Legende Christoph Langen erklärt in der AZ, woran das liegt - und warum er in der Schweiz nicht mehr glücklich ist.
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Christoph Langen - Olympiasieger von 1998 und 2002.
Christoph Langen - Olympiasieger von 1998 und 2002. © imago images/Ed Gar

Der zweifache Olympiasieger (58) war bis 2016 Bundestrainer des deutschen Bob-Teams und startete auch viele Jahre lang im Porsche-Carrera-Cup. Bekannt über seinen Sport hinaus wurde der gebürtige Kölner vor allem durch seine zahlreichen Teilnahmen an der Wok-WM von TV- Entertainer Stefan Raab.

Mit 150 km/h durch den Eiskanal

AZ: Herr Langen, bitte ergänzen Sie für einen Bob-Laien diesen Satz: Mit 150 Stundenkilometern durch eine enge Eisröhre zu rasen, ist. . .
CHRISTOPH LANGEN: . . .ein Gefühl wie in einem Formel- 1-Auto, wie wenn man auf einer Rennstrecke mit 300 km/h fährt. Auch der Technologieeinsatz ist beim Bobsport sehr hoch - und dennoch ist es wesentlich günstiger als in der Formel 1.

Sie müssen es wissen, schließlich sind Sie nach Ihrer Bob-Karriere viele Jahre im Porsche-Carrera-Cup gefahren. Sind Sie ein Adrenalin-Junkie?
Alles, was schnell ist, ein Sportgerät im Grenzbereich zu bewegen, macht mir einfach unheimlich viel Spaß. Man kann also schon sagen, dass ich ein Geschwindigkeits-Junkie bin. Momentan habe ich mich aber mehr aufs Fahrradfahren konzentriert, das ist auch für meine Gesundheit besser. Ab und zu tobe ich mich noch ein wenig mit dem Motorrad aus, aber wirklich eher selten. Man kommt ja auch langsam ins Alter. (lacht)

Christoph Langen: "Wir Bobfahrer lieben das Risiko"

Die Bobbahn in Altenberg, die als eine der gefährlichsten der Welt gilt, oder die berüchtigte Grüne Hölle am Nürburgring, wo kribbelt es mehr?
Oh, das kann man sehr gut miteinander vergleichen. Bei beiden Strecken gibt es viele Punkte, wo man sich nicht viele Fehler, oder eigentlich gar keine Fehler erlauben darf, sonst fliegt man ab - oder verliert sehr viel Zeit.

Braucht ein Bob-Pilot eine gesunde Mischung aus Respekt und ein bisschen Angst vor einer Strecke, damit er bei der ständigen Suche nach der Ideallinie nicht zu viel riskiert?
Eigentlich nicht. Sobald die Angst dazu kommt, ist man nämlich nicht mehr schnell. Wir Bobfahrer lieben das Risiko, aber das gehört beim Leistungssport einfach dazu. Man geht immer ans Limit - und manchmal vielleicht auch ein kleines bisschen drüber hinaus. Aber das macht ja auch den Reiz aus.

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Sie galten während ihrer aktiven Karriere als einer der besten Bob-Piloten der Welt, nun dominiert ihr ehemaliger Schützling Francesco Friedrich, den sie als Bundestrainer einst unter ihren Fittichen hatten, seit Jahren die Szene nach Belieben. Deutsche und schnelle Kufen - das passt einfach, oder?
Auf jeden Fall. Das ist ja auch wirklich eine tolle Geschichte mit dem Bobsport, oder ganz allgemein mit dem Kufensport, in Deutschland.

Deutscher Bobsport: Dominanz im Eiskanal

Woher rührt diese deutsche Vorherrschaft im Eiskanal?
Deutschland hat nun mal das beste Sportfördersystem der Welt. Die Athleten können sich voll auf ihren Sport konzentrieren und sind gleichzeitig finanziell über ihren Beruf bei der Bundeswehr, Polizei oder beim Zoll voll abgesichert. Das kann ich jetzt umso mehr beurteilen, da ich als Trainer beim Schweizer Bobverband nun nicht mehr in diesem einzigartigen System arbeite. Hier sind die Athleten im Prinzip auf sich allein gestellt, haben also ganz andere Sorgen, als wo man jetzt noch ein Hundertstel herausholen kann. Auch vom Material her haben wir hier in Deutschland ganz andere Möglichkeiten. Wenn in der Schweiz ein junger Athlet in den Weltcup will, muss er sich erstmal selbst für 50 000 Euro einen Standardbob kaufen - und da sind dann noch keine Kufen dabei. Aber man muss an dieser Stelle auch mal was zum Franz (Francesco Friedrich, Anm. d. Red.) sagen.

Dominanz im Eiskanal: Francesco Friedrich.
Dominanz im Eiskanal: Francesco Friedrich. © imago images/Eibner Europa

Bitte, nur zu.
Der Franz treibt das Ganze auf die Spitze, er ist sehr akribisch in seinem Training, hat seinen gesamten Lebensstil auf den Sport ausgerichtet. Er trainiert mit seinem Team mehr als alle anderen. Und genau deshalb dominiert er auch seit Jahren den Bobsport.

Langen als Trainer für den Nachwuchs des Schweizer Bobverbands

Sehen Sie aktuell einen Konkurrenten, der Friedrich gefährlich werden könnte, oder muss er erst abtreten, damit wieder etwas Spannung in den Weltcup kommt.
(lacht) Intern hat er ja schon ein wenig Druck. Mit den Johannes Lochner hat er jetzt einen, der ihm wirklich Paroli bieten will. Aber im Moment sehe ich weltweit keinen, der dem Franz ernsthaft gefährlich werden könnte. Allgemein gesehen wäre es aber schon gut für unseren Sport, wenn die Deutschen wieder mehr Konkurrenz bekommen würden.

Aktuell trainieren Sie den Nachwuchs des Schweizer Bobverbands, dabei sollten Sie in dieser Saison doch eigentlich bei den Eidgenossen das Amt des Bundestrainers übernehmen. . .
Als ich vor vier Jahren zum Schweizer Verband gewechselt bin, haben wir zusammen ein ganz neues Programm aufgebaut, das mittlerweile sehr erfolgreich ist. Von den Athleten, die ich damals gefördert habe, sind nun viele im Weltcup angekommen. Und ich sage ganz ehrlich, ich wäre gerne mit diesen Athleten in den Weltcup gegangen. Aber es wurden mir immer wieder neue Leute vor die Nase gesetzt - und deshalb habe ich nie die Möglichkeit bekommen, die sportliche Leitung zu übernehmen.

Das klingt, als wäre Sie mit der jetzigen Situation nicht unbedingt zufrieden.
Das stimmt. Ich habe das ganze Projekt ja mit angeschoben und habe auch eine Strategie entwickelt, wie die Rückkehr an die Weltspitze klappen kann. Aktuell bin ich aber auf Eis gelegt und das finde ich natürlich nicht so prickelnd. Wenn sich also etwas ergeben sollte, bin ich für alles offen.

"Ich kann mir auch eine Aufgabe im deutschen Verband vorstellen"

Auch für eine Rückkehr nach Deutschland?
Ja klar, ich bin ja weiterhin in Kontakt mit René Spies (Langens ehemaliger Co-Trainer und ab 2016 sein Nachfolger als deutscher Bundestrainer, Anm. d. Red.) und wir sprechen auch oft darüber, was wir zusammen aufgebaut haben. Ich kann mir durchaus auch eine Aufgabe im deutschen Verband vorstellen, oder im internationalen Verband. Ich habe ja im Bobsport eigentlich schon alles gemacht, vom Anschieber bis zum Bundestrainer. Meine gesamte Erfahrung einzubringen, das würde mir schon nochmal Spaß machen.

Und wenn Stefan Raab mal wieder anrufen sollte, würden Sie auch nicht auflegen, oder?
Auf keinen Fall. So eine Wok-WM ist ja eine Mordsgaudi.

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