Biathlon-Staffel feiert Bronze-Auftakt: "Sehr besonders"
Mit lauten Freudenschreien für die Fotografen und vielen Umarmungen feierte das deutsche Biathlon-Quartett den bronzenen Auftakt in die Olympischen Winterspiele. Mit der ersten Medaille gleich im ersten Rennen in Antholz nahmen Justus Strelow, Philipp Nawrath, Vanessa Voigt und Franziska Preuß den Druck vom Team und lassen bei noch zehn ausstehenden Rennen auf erfolgreiche Wochen in Südtirol hoffen. Die Mixed-Staffel musste sich in einem hochdramatischen Rennen mit einer Strafrunde von Schlussläuferin Preuß nur dem neuen Olympiasieger Frankreich und Gastgeber Italien geschlagen geben.
Strelow, Nawrath und Voigt hatten ohne einen einzigen Nachlader eindrucksvoll vorgelegt. Aber ausgerechnet Preuß zeigte im Kampf um Silber vor 18.000 Fans im letzten Schießen Nerven. "Die drei haben einen grandiosen Job gemacht, das hat uns heute gerettet", sagte Preuß im ZDF. "Ich hätte nicht gedacht, dass wir das heute schaffen können. Eine Mixed-Medaille ist so wahnsinnig schwer zu gewinnen, weil es viele starke Teams gibt. Deswegen ist sie schon sehr besonders."
Voigt weint im Ziel Freudentränen
Die Gesamtweltcupsiegerin erwischte in der Höhe von 1.600 Metern im Südtiroler Biathlon-Mekka ausgerechnet im entscheidenden Showdown die berühmt-berüchtigte Nähmaschine, ihre Beine zitterten. So war Italiens Lisa Vittozzi enteilt. Am Ende hatte die 31-Jährige in ihrem ersten Rennen nach ihrer Rücktrittsankündigung noch Glück, dass Norwegens Maren Kirkeeide gleich zweimal in die Strafrunde musste.
Am Ende hatte das DSV-Quartett nach einer Strafrunde und drei Nachladern 1:05,3 Minuten Rückstand auf Frankreich. In den vorherigen drei Olympia-Rennen seit 2014 hatte es für die deutschen Skijägerinnen und Skijäger nie für das Podest gereicht. "Ich habe keine Worte und schon ein paar Tränen vergossen. Ich habe die zwei Jungs fragen müssen, ob das wirklich passiert, ich bin unheimlich stolz", sagte Voigt.
Steinmeier jubelt mit
Auf der Tribüne fieberte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit. "Dieses Finale war nichts für schwache Nerven. Ich freue mich über die Bronzemedaille - und wir sagen Glückwunsch dem Team", sagte Steinmeier.
Vor vier Jahren hatte es im eiskalten Zhangjiakou bei den Spielen in Peking für Voigt, Denise Herrmann-Wick, Benedikt Doll und Nawrath nur den fünften Rang gegeben. Bei der vergangenen Weltmeisterschaft hatten Preuß, Nawrath und Strelow noch gemeinsam mit Selina Grotian Bronze in Lenzerheide gewonnen. In diesem Winter hatte es im Weltcup noch gar nicht für das Podium gereicht, allerdings trat das deutsche Team auch nie in Bestbesetzung an. Nun kam das erlösende Edelmetall.
Starke Olympia-Premiere von Strelow
Strelow legte bei seiner Olympia-Premiere mit zwei tadellosen und schnellen Schießeinlagen los. Auf seiner Schlussrunde musste Strelow die Konkurrenz etwas ziehen lassen, aber der 29-Jährige hielt den Rückstand mit 12,8 Sekunden absolut im Rahmen.
Und er sah, wie Nawrath ebenfalls stark performte. Der Sprint-Zweite von Oberhof übernahm mit einer fehlerfreien Liegendeinlage die Spitze. Auch beim zweiten Schießen blieb der 32-Jährige ohne Nachlader. So schickte Nawrath Voigt mit lediglich 5,4 Sekunden Rückstand auf Norwegen ins Rennen.
Die Thüringerin, die vor einem Jahr aus gesundheitlichen Problemen die Saison vorzeitig beendete, brauchte zwar bis zum Schießstand ihren Vorsprung von 16 Sekunden auf Frankreich und Italien auf. Doch fünf schnelle Treffer waren der Lohn. Die Taktik der 28-Jährigen, die nicht die stärkste Läuferin ist, ging auf - denn auch stehend brauchte sie keinen Nachlader.
Spannender Showdown
So ging Preuß quasi zeitgleich mit Vittozzi und Schirkeeide gut 19 Sekunden hinter den führenden Französinnen in die entscheidende Phase des Rennens. Während Julia Simon immer weiter davonzog, entwickelte sich dahinter ein überaus spannender Dreikampf.
In ihrem ersten Rennen nach ihrer Rücktrittsankündigung setzte Preuß liegend alle fünf Schüsse sicher ins Schwarze. Doch dann wackelte sie, freute sich am Ende aber mit ihren Teamkollegen über Bronze.
Nach einem freien Montag geht es am Dienstag (13.30 Uhr) im schweren Klassiker der Männer über 20 Kilometer um die ersten olympischen Einzelmedaillen. Einen Tag später treten die Frauen über 15 Kilometer an.
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