Bei BMW lächeln sie die Krise weg
Nach dem Großen Preis von Barcelona: Vorstand Draeger stärkt dem Team den Rücken: „Wir sind wieder auf dem richtigen Weg“. Doch zur Spitze ist es noch weit.
BARCELONA Klaus Draeger sah erleichtert aus. Er hatte Nick Heidfeld nach dessen siebtem Platz anerkennend die Hand geschüttelt und den wegen Platz 11 enttäuschten Robert Kubica ein wenig aufgemuntert. Dann schnappte sich der BMW-Entwicklungsvorstand seine Ledertasche, zog sich eine windschnittige Sonnenbrille vor die Augen und verließ mit seinem Chauffeur die Rennstrecke.
„Ich bin sehr zufrieden mit dem Rennergebnis und fahre erleichtert zurück nach München", sagte der schlaksige 52-Jährige lächelnd der AZ. „Man hat die Verbesserungen am Auto deutlich gesehen. Die Punkte von Nick Heidfeld und die Performance des Teams hier in Barcelona waren gut."
Zur Erinnerung: BMW wollte diese Saison um den WM-Titel mitfahren, auch Draeger hatte dieses Ziel letztes Jahr im Dezember beim Jahresabschlussfest der BMW-Motorsportabteilung ausgerufen. Nun geben sie sich nach dem fünften Rennen schon mit kümmerlichen zwei Punkten zufrieden. In der Konstrukteurswertung liegt BMW mit sechs Punkten im Hinterland der Tabelle. Und doch verbreitete Draeger in Barcelona gute Laune. Die Leistung werde „allen im Team und in den Werken in Hinwil und München einen Motivationsschub geben. Wir sind wieder auf dem richtigen Weg“, sagte er.
Tatsächlich ist man vom letzten Platz, den der Rennstall in Bahrain belegte, dank der superteuren Entwicklungsarbeit wieder im Mittelfeld gelandet, McLaren-Mercedes dürfte man überholt haben. Bis zur Spitze ist es noch ein weiter Weg. „Ich schaue nicht auf die Ergebnisse der anderen Werke. Ich Freude mich nur, dass wir einen bedeutenden Schritt nach vorne gemacht haben und jetzt mit aller Kraft weiterarbeiten können am Auto", sagte Draeger noch.
Bei BMW lächeln sie die Krise einfach weg. Auch Sportchef Mario Theissen verbreitete am Sonntag gute Laune. „Wir haben Boden gutgemacht", sagte er.
Vor allem weiß Theissen, dass der Vorstand tatsächlich hinter dem Formel-1-Projekt zu stehen scheint, dass sie ihm zutrauen, die Talsohle zu durchschreiten. So gestärkt hielt sich Theissen nicht mehr lange auf mit der Tatsache, dass die Mechaniker bei der Qualifikation Kubica die Vorderreifen auf der falschen Seite montierten, dass Heidfeld am Samstag sein Auto im Training demoliert hatte. „Für die kommenden Rennen sind weitere Verbesserungen geplant", sagte er. Die Saison abschreiben wolle er auf keinen Fall. „Wir wollen uns von Rennen zu Rennen steigern. Und das haben wir hier geschafft. Über den Titel reden wir später." Vielleicht ja im nächsten Jahr.
Filippo Cataldo
- Themen:
- BMW
- Formel 1
- Nick Heidfeld
- Robert Kubica