Anti-Doping-Kämpfer gestärkt nach Urteil: Gerichts-Appell

Die deutschen Anti-Doping-Kämpfer fühlen sich durch das Urteil gegen den Mediziner Mark S. bestärkt in ihren Bemühungen für einen sauberen Spitzensport. "Wir haben zwei Jahre Ermittlungen der Staatsanwaltschaften gesehen, die jetzt in der Verurteilung des Arztes und seiner Komplizen resultierten. Das ist ein wichtiges Signal", sagte Vorstand und Chefjustiziar Lars Mortsiefer von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada). Er kündigte an, mit den Erkenntnissen aus dem ersten großen Strafrechtsprozess im deutschen Spitzensport gegen weitere Athleten ermitteln zu wollen.
| dpa
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Auf einer Richterbank im Landgericht liegt ein Richterhammer aus Holz.
Auf einer Richterbank im Landgericht liegt ein Richterhammer aus Holz. © Uli Deck/dpa
München

Vom Landgericht München II, das Mark S. zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten verurteilte, wurden die Doping-Jäger ermutigt. Mit dem Anti-Doping-Gesetz von 2015 habe der Gesetzgeber deutlich gemacht, dass Sport als integratives Element in der Gesellschaft sehr wichtig sei, sagte die Vorsitzende Richterin Marion Tischler in ihren abschließenden Bemerkungen der Urteilsverkündung.

Doping sei nach den Erkenntnissen dieses Verfahrens "etwas, was nicht unvermeidlicher Bestandteil des Spitzensport" ist, sagte sie. "Vor diesem Hintergrund ist der Kampf gegen Doping wichtig."

Auch wenn vor allem die Verteidigung des Hauptangeklagten Mark S. fortwährend andeutete, jeder Spitzensportler sei gedopt, sei diese Behauptung zumindest aus strafrechlichter Sicht so nicht zu halten. "Der Satz "Doping machen doch alle" ist falsch", sagte Tischler. Und strafmildernd sei diese Annahme schon gleich gar nicht. Die Richterin verwies auf "Kifferprozesse" oder Verfahren gegen Schwarzfahrer und Ladendiebe: Nur weil derartige Delikte womöglich massenweise begangen werden, wird trotzdem derjenige bestraft, der erwischt wird.

Einen Appell richtete die Strafkammer indes an Dopingkontrolleure: Einerseits sei in dem Prozess aus Zeugenaussagen klar geworden, dass Sportler oft relativ einfach verhindern können, erwischt zu werden. Und im Bezug auf Blutdoping konnte Tischler nicht verstehen, warum bei Kontrollen nicht ganz simpel nach verdächtigen Einstichstellen bei den Athleten gesucht werde. "Warum guckt keiner in die Armbeuge? Bei jedem Fixer schaut man sich das doch an", sagte sie.

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