WM-Kampf gegen Anthony Joshua: Klitschko-Trainer Banks im AZ-Interview

Klitschko-Trainer Jonathon Banks spricht in der AZ über den WM-Fight gegen Anthony Joshua und die Pleite gegen Tyson Fury.
| Matthias Kerber
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"Wladimir ist besessen davon, zu gewinnen, sich die Titel zurückzuholen", sagt sein Trainer Johnathon Banks (l.) über Klitschko.
dpa "Wladimir ist besessen davon, zu gewinnen, sich die Titel zurückzuholen", sagt sein Trainer Johnathon Banks (l.) über Klitschko.

Jonathon Banks: Der 34-jährige ehemalige Schwergewichtsboxer übernahm nach dem Tode von Trainer-Legende Emanuel Steward im Jahr 2012 die Betreuung des früheren Weltmeisters Wladimir Klitschko.

AZ: Herr Banks, im Boxen wird ja sehr gerne überdramatisiert, aber bei Ihrem Schützling Wladimir Klitschko darf man wohl getrost sagen, dass sein Kampf am Samstag vor 90 000 Zuschauern im Wembley-Stadion in London gegen den britischen Lokalmatador Anthony Joshua der Kampf seines Lebens ist.
JOHNATHON BANKS: Von mir werden Sie keinen Widerspruch hören.

Wie geht Klitschko damit um, dass er, der fast ein Jahrzehnt das Schwergewicht nach Belieben dominiert hat, nach seiner Niederlage gegen Tyson Fury nun plötzlich im Kampf gegen Joshua der Außenseiter ist?
Diese Niederlage hat Wladimir schlicht noch hungriger, noch fokussierter gemacht. Man hat wirklich das Gefühl, dass alle Sinne noch einmal geschärft wurden. Wladimir benutzt im Moment sehr gerne das Wort "obsessed", also "besessen", um seinen mentalen Zustand zu beschreiben. Das trifft es sehr, sehr gut. Er ist besessen davon, zu gewinnen, sich die Titel zurückzuholen, wieder ganz oben zu stehen. Er weiß, um was es hier gegen Joshua jetzt geht. Das ist kein normaler Fight, auch kein normaler WM-Kampf. Dieser Kampf ist Wladimirs Äquivalent zum "Thrilla in Manila".

Der legendären Boxschlacht, die sich die unvergessenen Muhammad Ali und Joe Frazier 1975 in Manila geliefert haben. Der Kampf gilt als einer der besten in der Box-Historie.
Genau. Der Kampf war richtungsweisend für die Karrieren dieser beiden Ausnahmeathleten. Ähnlich wird es jetzt sein.

Haben Sie eine Erklärung für Klitschkos Nichtleistung in seinem Kampf gegen Tyson Fury vor eineinhalb Jahren, als er seine Titel verloren hat?
Ich hatte schon vorher ein nicht so gutes Gefühl, es gab ein paar Dinge im Trainingslager, die nicht optimal gelaufen sind und ich bin auch im Kampf nicht zu ihm durchgedrungen. Es ist nicht so, dass Wladimir vorgeführt wurde. Er hat einfach nicht die Leistung gebracht. Es hört sich vielleicht banal als Erklärung an, aber er hatte einfach einen schlechten Tag. So wie wir ihn alle einmal haben und man weiß selber nicht, woran es eigentlich lag. Der große Unterschied ist, dass bei uns nicht Millionen Menschen zusehen, wir können so einen Tag einfach abhaken. Bei Wladimir wurde er analysiert, seziert und was noch alles. Wie gesagt: Er hatte einen schlechten Tag, wenn das alle zehn Jahre mal vorkommt, dann kann man damit leben.

Haben Furys andauernde Psycho-Spiele Wladimir mental mitgenommen?
Nein, wenn man lange genug im Boxgeschäft ist, hat man das alles schon mal gesehen, gehört. Das berührt einen nicht. Mein Idol war immer Muhammad Ali – er war der König der Psychospiele. Aber am Ende sind es eben nur Spielchen. Wir haben unsere Lehren aus der Niederlage gezogen, haben leicht nachjustiert. Das war’s.

Klitschko ist 41, sein Karriereende naht. Er war einer der dominantesten Schwergewichtler überhaupt, trotzdem wird ihm oft die große Anerkennung verweigert.
Das liegt wohl in der Natur des Menschen, dass er echte Größe oft erst erkennt, wenn er zurückblickt, nicht aber in dem Moment, in dem er sie erfährt. Das war bei Joe Louis nicht anders, seine Gegner wurden als Versager des Monats verspottet, das war bei Lennox Lewis nicht anders. Er ist einer der größten Boxer, die es je gab, aber zu seiner aktiven Zeit wurde nur gemäkelt, dass er zu vorsichtig, zu ängstlich sei. Kaum dass er abgetreten war, wurde er in den Legendenstatus erhoben. Und genau da gehört Wladimir auch hin, das werden die Menschen in einigen Jahren verstehen.

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