Viktoria Rebensburg: Warum sollte ich aufhören?

Im AZ-Interview spricht Viktoria Rebensburg über ihren 30. Geburtstag, das Karriereende und erklärt, warum ihr Olympia in Pyeongchang nicht gefallen hat: "Der Bezug zum Wintersport war zu weit weg".
| Thomas Becker
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"Ich habe nach wie vor das Gefühl, dass ich mein Niveau noch anheben kann", sagt Viktoria Rebensburg über die bevorstehende Ski-Saison.
Expa/Dominik Angerer/dpa "Ich habe nach wie vor das Gefühl, dass ich mein Niveau noch anheben kann", sagt Viktoria Rebensburg über die bevorstehende Ski-Saison.

Die 30-jährige Viktoria Rebensburg startet am Samstag (10 Uhr/13 Uhr) im Riesenslalom von Sölden in die neue Ski-Saison.

AZ: Frau Rebensburg, nachträglich alles Gute zum Geburtstag! Wie haben Sie die 30 am 4. Oktober gefeiert?
VIKTORIA REBENSBURG: Morgens um fünf standen die Teamkolleginnen in Saas Fee (im Trainingslager in der Schweiz, Anm.d.Red.) bei mir im Zimmer und haben gratuliert, das war schön. 30 werden ist für mich nicht schlimm. Klar, mit 20 war das noch weit weg, doch jetzt bin ich in dieser Situation, und eigentlich ist es gar nicht so anders. Man hat mehr Lebenserfahrung und sieht gewisse Dinge mit anderen Augen, aber grundsätzlich hat sich nicht viel verändert.

Den größten Triumph Ihrer Karriere, den Olympiasieg in Vancouver 2010, haben Sie schon mit 20 gefeiert. War das rückblickend zu früh?
Nach dem Olympiasieg und dem Hype, der daraus entstanden ist, habe ich schon eine längere Zeit gebraucht, um das alles einordnen zu können. Das war mein erster Sieg überhaupt, ich hatte ja zuvor noch kein Weltcup-Rennen gewonnen! Wichtig war dann, auch mal ein normales Weltcup-Rennen zu gewinnen – was mir relativ schnell gelungen ist: beim Riesenslalom in Sölden gleich zum Auftakt der folgenden Saison. Heute mit meiner Erfahrung weiß ich besser einzuschätzen, was es bedeutet und wie viel dazu gehört, eine Goldmedaille bei einem Großereignis zu gewinnen. Ich habe es seitdem auch öfter erlebt, dass ich knapp daneben gelandet bin. Aber alles in allem bin ich zufrieden. Für mich war es perfekt, so wie es damals war.

"In unserem Sport entscheiden so viele Kleinigkeiten"

Vergangene Saison sind Sie mit WM-Silber in Are knapp an der nächsten Goldenen vorbeigeschrammt...
Was rückblickend schön gewesen wäre: Am Anfang der Karriere Gold gewinnen und gegen Ende bei einem Großereignis nochmal ganz oben zu stehen. Hat nicht ganz geklappt, aber trotzdem war Platz zwei in Are eine gewonnene Silber-, keine verlorene Goldmedaille. In unserem Sport entscheiden so viele Kleinigkeiten, und ich war absolut zufrieden mit meiner Leistung nach all dem, was davor war: Im Januar keine guten Ergebnisse, dann musste ich wegen einer Erkältung ein paar Rennen ausfallen lassen, und ausgerechnet im letzten Rennen vor der WM bin ich wegen eines blöden Fahrfehlers nach wenigen Sekunden ausgeschieden. Deswegen war Silber ein ganz besonderer Erfolg, eine Energie- und Willensleistung, die ich meiner Erfahrung und Entwicklung in all den Jahren verdanke.

Wenn Sie in Are Gold statt Silber geholt hätten: Wäre das der richtige Zeitpunkt fürs Karriereende gewesen?
Grundsätzlich konnte ich mir nach der vergangenen Saison nicht vorstellen, aufzuhören. Mir geht’s körperlich gut, und ich habe nach wie vor das Gefühl, dass ich mein Niveau sogar noch anheben und Dinge verbessern kann – und dass ich definitiv auch die Schnellste sein kann. Das sind schon sehr wichtige Faktoren. Warum sollte ich da aufhören?

"So habe ich mir Olympische Spiele als Kind vorgestellt"

Nach Olympia 2018 haben Sie gesagt: ‘Das war’s für mich bei Olympia’. Gilt der Satz noch?
Man soll niemals nie sagen, aber was ich in Pyeongchang erlebt habe, hat mir nicht so gefallen. Alle Weltmeisterschaften in meiner Karriere haben mir mehr Freude bereitet, denn da hatte man das Gefühl: Aus diesen Orten kommt der Skisport, da ist eine Begeisterung. In Pyeongchang war der Bezug zum Wintersport zu weit weg. Die Athleten nehmen für Olympia viel auf sich, starten nach Verletzungen und Operationen nochmal Comebacks, um dabei zu sein. Aber als ich dort war, habe ich mich gefragt: ‘Und das soll jetzt dieser Mythos sein?’

2010 haben Sie erlebt, dass es auch anders sein kann.
In Vancouver und Whistler war das richtig schön. So habe ich mir Olympische Spiele als Kind vorgestellt. In Sotschi war’s auch noch okay, aber Pyeongchang hat mir nicht gefallen. Und ich befürchte: Peking, das ist das Gleiche in grün. Ob ich da nochmal an den Start gehe, möchte ich davon abhängig machen, wie es mir körperlich geht, dass ich nach wie vor Spaß habe und ob ich auch konkurrenzfähig bin und nicht bloß hinterherfahre. Wenn Cortina d’Ampezzo die nächsten Olympischen Spiele wären, würde das anders aussehen. Ich glaube, dass 2026 wieder richtig schön und der Olympische Mythos gegeben sein wird. Da hat das IOC eine große Aufgabe, das wieder hinzubekommen, dass der Flair und Spirit entsteht, der eigentlich hinter der ganzen Olympischen Idee steckt.

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