Radsport: Früherer UCI-Präsident Hein Verbruggen (75) gestorben

Das IOC würdigt ihn als "furchtlosen Kämpfer", für andere war der Top-Funktionär eher ein undurchsichtiger Strippenzieher. Nun ist der Niederländer Hein Verbruggen im Alter von 75 Jahren gestorben.
| sid
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Hein Verbruggen war in die Doping-Affäre um den einstigen Tour-de-France-Seriensieger Lance Armstrong verstrickt.
dpa Hein Verbruggen war in die Doping-Affäre um den einstigen Tour-de-France-Seriensieger Lance Armstrong verstrickt.

Amsterdam - Als Chef der Radsportwelt und IOC-Mitglied war Hein Verbruggen einflussreich und umstritten. In der Nacht zu Mittwoch ist der Niederländer im Alter von 75 Jahren gestorben, niederländische Medien berichten von einer schweren Krankheit.

Von 1991 bis 2005 war Verbruggen Präsident des Weltradsportverbands UCI, noch bis 2008 saß er im Internationalen Olympischen Komitee. "Verbruggen war ein furchtloser Kämpfer für seinen Sport", wurde IOC-Chef Thomas Bach in einer Mitteilung zum Tod Verbruggens zitiert.

"Dank seines großen Engagements und seiner Management-Fähigkeiten hat er als Vorsitzender der Koordinierungs-Kommission viel zum großen Erfolg der Olympischen Spiele in Peking beigetragen", hieß es weiter. Das IOC nannte den vielsprachigen Funktionär einen "Radsport-Fanatiker und wahren Sportsfreund".

Doch das ist nicht das ganze Bild. Verbruggen und sein Nachfolger Pat McQuaid waren wegen angeblicher Begünstigung in die Doping-Affäre um den ehemaligen Tour-de-France-Seriensieger Lance Armstrong verstrickt. Im September 2013 wurden in einem 54-seitigen Dossier schwere Korruptionsanschuldigungen gegen die beiden ehemaligen UCI-Chefs erhoben.

Schweigeminute bei Tour de Suisse

Die von der UCI nach McQuaids Abwahl eingesetzte unabhängige Kommission CIRC kam 2015 bei den Untersuchungen zu Dopingverwicklungen des Verbands zu dem Schluss: Keine Beweise für Bestechung. Die CIRC verwies jedoch auf zahlreiche Verstöße der UCI gegen das Anti-Doping-Reglement und gegen Good-Governance-Prinzipien.

Das Credo des UCI-Ehrenpräsidenten Verbruggen im Anti-Doping-Kampf lautete: "Wenn die Leute damit zufrieden wären, dass die Tour de France mit 25 Stundenkilometern gefahren wird, gäbe es kein Doping-Problem. Wenn man aber 42 Kilometer will, gibt es nur einen einzigen Weg, das zu erreichen: Mit Doping."

Dies sei das grundsätzliche Problem, "das sich mit entsprechenden Kontrollen minimieren, aber nicht beseitigen kann". Die frühere Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), Sylvia Schenk, bekam es nach seiner Abwahl in Madrid mit Verbruggen zu tun.

"Es ist eine Welt der Männer, und Sie sind eine Frau - also müssen Sie sich anpassen", lautete 2005 dessen als Warnung verpackte Empfehlung an die Adresse der ehemaligen deutschen Verbandschefin. Sylvia Schenk, die seit 2014 bei Transparency Deutschland die Arbeitsgruppe Sport leitet, propagierte Transparenz und einen effektiven Anti-Doping-Kampf.

Sie wurde aber abgewählt und durch den immer noch amtierenden Rudolf Scharping ersetzt. Die vierte Etappe der Tour de Suisse begann am Mittwoch in Bex mit einer Schweigeminute der Fahrer im Gedenken an Verbruggen.

Lesen Sie hier:

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren