Problembär und der weiße Tiger

Golf-Typen: Vom nordirischen Jungstar McIlroy aus Holywood bis zum gelassenen Routinier Langer. Titelverteidiger Kaymer und Publikumsliebling Daly schon raus nach der zweiten Runde bei den BMW Open in Eichenried. Goosen in Führung.
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Spitzenreiter in Eichenried nach zwei Runden: Retief Goosen aus Südafrika.
Bongarts/Getty Images Spitzenreiter in Eichenried nach zwei Runden: Retief Goosen aus Südafrika.

Golf-Typen: Vom nordirischen Jungstar McIlroy aus Holywood bis zum gelassenen Routinier Langer. Titelverteidiger Kaymer und Publikumsliebling Daly schon raus nach der zweiten Runde bei den BMW Open in Eichenried. Goosen in Führung.

EICHENRIED Von der Titelverteidigung hatte er geträumt, dass er am Freitag zusammenpacken muss, damit hatte er nicht gerechnet. Nach einer miserablen Leistung scheiterte Martin Kaymer bei den BMW Open bereits am Cut, der Vorjahressieger ist raus genau wie ein anderer Publikumsliebling, der US-Rüpel John Daly. Ein Besuch in Eichenried am Wochenende lohnt dennoch. Auch wegen der vielen Typen, die noch dabei sind, die sich nun beim Finale um den besten Schlag bemühen. Manche haben auch einen. Von wegen, Golfer sind alles Langweiler.

HENRIK STENSON

Alter Schwede, 33. Fünfter der Weltrangliste, gewann Eichenried 2006. Sein erster Sieg als Papa, zwei Monate vorher kam Tochter Lisa zur Welt. Die war mit Mama Emma Lofgren diesen März auch Zeuge, als sich der Papa bis auf die Unterhose auszog, um bei einem Turnier in Florida seinen Ball aus dem Teich zu schlagen. Seinen Spitznamen bekommt er denn auch nicht mehr los: Calvin Klein.

RORY MCILROY

Der Jungstar der Szene, PR-Experten nennen ihn „Der weiße Tiger“. Weil er so ein Superstar werden kann wie Tiger Woods. Stammt aus Holywood, klingt glamourös, ist es aber nicht. Schäbige Vorstadt von Belfast, in der Rory als Katholik unter lauter Protestanten aufwuchs. Wenn Rory daheim übte, drosch er den Ball durch den Flur in die offene Waschmaschine von Mama Rosie. Später kauften die Eltern eine Flutlichtanlage für den Garten. Damit Rory das Putten üben kann. Zur Schonung der Waschmaschine.

RETIEF GOOSEN

Führender in Eichenried nach dem Freitag. Steht ständig unter Strom, spätestens seit ihn als 15-Jähriger der Blitz streifte. Mit schweren Verbrennungen kam er in die Klinik, dass er überlebte, wertete der Vater als Zeichen des Himmels. Wie der Papa hieß, der über Gott und Religion sprach? Theo, logisch.

COLIN MONTGOMERIE

Gemütlich wirkender Schotte, Spitzname Monty, manchmal knuddlig wie ein Teddy, manchmal ein Problembär. Seine Scheidung mit Eimear Wilson kostete ihn zehn Millionen Euro. Billiger waren die Strafmandate wegen Raserei. Zuletzt wurde er im November 2008 geblitzt, bei Tempo 154 statt erlaubter 112. Da passte es, dass Montgomerie, Kapitän des Ryder Cups 2010 in Wales, gestern freudig einen neuen Sponsor für den Kontinentalwettkampf präsentierte: BMW. Damit fährt es sich auch schnell.

NICK DOUGHERTY

Erlebte fürchterlichen Drill durch seinen Vater Roger. Der schleifte ihn nach der Schule immer auf den Golfplatz. Verfehlte Nick das Grün, musste er im Sprint den Ball holen, zurücklaufen und wieder abschlagen. So lange, bis er das Grün traf. Als ein Golfmagazin Roger Dougherty in der Rangliste der ehrgeizigsten Väter auf Rang neun einstufte, rief der Papa an und beschwerte sich. Er wolle auf Nummer 1 geführt werden. Als Nick in jungen Jahren einst gefragt wurde, was er mit seiner ersten verdienten Million machen würde, sagte er: „Meinen Eltern ein Haus kaufen. In Hawaii.“ Kein Wunder. Dann wären sie weit weg.

BERNHARD LANGER

Genießt mit 51 sein Leben auf der US-Senior Tour. Heim nach Bayern zieht es ihn nicht mehr, er fühlt sich wohl in Florida. Das einzige, was er dort vermisst? „Das bayerische Brot und die Brezen.“ Appetit auf den ersten Sieg in Eichenried hat er immer noch, nach zwei Tagen lag er acht unter Par, nur vier Schläge hinter Goosen. Lochte am Freitag auf Bahn acht direkt aus dem Bunker ein. „Das macht richtig Spaß hier“, strahlte er. Ob es für den ersten Platz reicht?

Vielleicht gewinnt aber doch McIlroy die 330000 Euro. Würde locker für 1000 Waschmaschinen reichen.

Florian Kinast

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