Patrik Kühnen über die BMW Open und Tommy Haas

Turnierdirektor Patrick Kühnen spricht hier über die BMW Open, Oldie-Star Tommy Haas und den neuen Boom im deutschen Tennis.
| Interview: Thomas Becker
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Obwohl nady Murray in diesem Jahr nicht dabei ist, erwartet Turnierdirektor Patrik Kühnen Weltklasse-Tennis.
Rauchensteiner/Augenklick/dpa Obwohl nady Murray in diesem Jahr nicht dabei ist, erwartet Turnierdirektor Patrik Kühnen Weltklasse-Tennis.

Turnierdirektor Patrik Kühnen spricht hier über die BMW Open, Oldie-Star Tommy Haas und den neuen Boom im deutschen Tennis.

München - Patrik Kühnen (51) war Tennisprofi und ist seit 2008 Turnierdirektor der BMW Open.

AZ: Herr Kühnen, die Ende April beginnenden BMW Open werden ein bisschen auch Tommy-Haas-Festspiele sein. Der beste deutsche Tennisspieler nach Boris Becker wird heuer seine Karriere beenden – im biblischen Tennisspieler-Alter von 39 Jahren. Wie alt waren Sie, bei Ihrem Karriereende als immerhin dreimaliger Davis-Cup-Sieger?

PATRIK KÜHNEN: Vielen Dank auch, dass Sie mich daran erinnern! Ich habe 1996 aufgehört, mit 31.

Ganz schön früh.

Ein junger Kerl eigentlich. Aber ich hatte schon 1994 einen heftigen Bandscheibenvorfall, der mich sechs, sieben Monate lang aus dem Betrieb gerissen hat. Danach bin ich einfach nicht mehr dahin gekommen, wo ich mal war. Ich habe dann irgendwann für mich die Entscheidung getroffen, dass das eine tolle Karriere war und dass nach dem Tennis auch noch was kommt. Diese Entscheidung habe ich nie bereut. Aber klar, in 20 Jahren hat sich viel getan im Trainingswesen: Tommy spielt noch mit 39, wie früher Jimmy Connors, Roger Federer hat sich mit fast 36 neu erfunden. Erstaunlich, was da noch geht!

Federer sagt sogar, dass er noch mal die Nummer eins werden will!

Warum auch nicht? Das ist ja ein nachvollziehbares Ziel. Der hat alles gewonnen, 18 Grand Slams – mit was außer der Nummer eins soll ein Roger Federer auch zufrieden sein? Was er bisher gezeigt hat, ist phänomenal. Ich habe die Finals in Melbourne und Indian Wells gesehen: Mich inspiriert das. Allein dieses Klassiker-Finale gegen Nadal: beste Werbung für den Sport!

Tennis wird wieder populärer in Deutschland, nicht zuletzt dank der Erfolge deutscher Spieler und Spielerinnen. Bei den BMW Open werden mit Alexander und Mischa Zverev, Philipp Kohlschreiber, Tommy Haas, Florian Mayer, Jan-Lennard Struff und Dustin Brown alle Top- Athleten des DTB am Start sein. Viele bekannte Gesichter. Neben dem Comeback-King Tommy Haas ist auch die Geschichte von Mischa Zverev denkwürdig.

Eine große Geschichte! Das Turnier in Melbourne mit dem Riesen-Erfolg gegen den Weltranglistenersten Andy Murray ist jetzt eine Momentaufnahme, aber wenn man die Zeit ein bisschen zurückdreht und schaut, wo er mal stand: nicht mehr unter den ersten Tausend der Weltrangliste! Der war so weg, hat sich aber wieder nach vorne gekämpft, ist dran geblieben. Allein den Mut zu haben, wieder anzugreifen und zu den Turnieren zurückzugehen, wo er ja vor Jahren schon mal war – das ist schon stark. Deswegen freut es mich total, dass er jetzt da steht, wo er steht: in den Top 35.

Philipp Kohlschreiber, mit drei Erfolgen der Rekordsieger am Aumeisterweg, ist mit 33 auch so ein zäher Typ, hatte unlängst sogar Branchenführer Murray mal wieder am Rand einer Niederlage...

Er hat wahnsinnig viel Erfahrung und weiß, dass er bei den BWM Open die Bedingungen vorfindet, die seinem Tennis guttun. Das hat er in den letzten Jahren unheimlich gut genutzt. Der ist hier unglaublich schwer zu schlagen, und wenn man über Turnierfavoriten spricht, muss man auch Philipp Kohlschreiber nennen.

Zu den Favoriten gehören so klangvolle Namen wie Murray, Juan Martin del Potro oder Dominic Thiem diesmal leider nicht. Top gesetzt ist heuer der französische Weltranglistenelfte Gael Monfils. Keine Chance, einen Top-Ten-Spieler zu verpflichten?

Man muss die Turnierplanung der Top-Spieler respektieren. Ich finde, dass wir auch dieses Jahr ein tolles Feld haben, in dem die internationale Weltspitze die deutsche Elite herausfordert. Wir werden vom ersten Tag an Weltklasse-Tennis sehen.

Als Preis winkt nicht nur ein BMW i8, sondern auch eine Lederhose, die derzeit in einem riesigen Eis-Tennisball eingefroren ist. Die Hose wird während der Turnierwoche präsentiert und bis zum Finaltag zum Schmelzen gebracht. Wie erklären Sie das den ausländischen Spielern? Und was heißt Lederhose auf Englisch?

Normalerweise leather pants, aber ob es da noch einen Fachbegriff gibt, weiß ich nicht. Die Aktion ist eine Anspielung auf das Wetter der vergangenen beiden Jahre, als die Spieler zuweilen im Schneetreiben auf dem Platz standen. Daraus haben wir einen Claim entwickelt: Wir sind das härteste Sandplatzturnier der Welt. Hier muss man auch Eis kratzen und hart kämpfen, um an die Lederhose ranzukommen.

Und wenn der Eisball bis zum Finale nicht aufgetaut ist? Muss der Sieger dann mit der Motorsäge ran?

Da sind wir flexibel, keine Sorge.

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