Neuner: „Der Moment, der nur mir gehört“

Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner über ihren Triumph, Gefühle bei der Siegerehrung, den Medaillenplatz im Nachtkästchen – und die Zukunft: „Jetzt geht es erst richtig los.“
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Unbändige Freude nach dem ersten Olympiasieg: Magdalena Neuner.
AP Unbändige Freude nach dem ersten Olympiasieg: Magdalena Neuner.

Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner über ihren Triumph, Gefühle bei der Siegerehrung, den Medaillenplatz im Nachtkästchen – und die Zukunft: „Jetzt geht es erst richtig los.“

AZ: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem ersten Olympia-Gold, Frau Neuner. Wie waren Ihre Gefühle, als Sie nach ganz oben auf das Medaillenpodest gerufen wurden?

MAGDALENA NEUNER: Es war irgendwie eigenartig. Ich habe schon gesehen: Okay, die ist aus Gold, eine wirkliche Olympiamedaille. Aber sie ist noch nicht ganz im Gehirn angekommen. Ich glaube, ich brauche noch Zeit, um das zu realisieren. Ich habe kurz nach dem Wettkampf schon gewusst: Du bist jetzt Olympiasiegerin. Du hast es geschafft. Aber irgendwie habe ich es noch nicht verarbeiten können. Das kommt erst heute Abend im Bett.

Mit Thomas Bach, Vizepräsident des IOC, hat Sie der prominenteste Biathlon-Fan geehrt.

Wir haben uns ja vorher schon ein bisserl unterhalten. Ich glaube, er ist schon ziemlich stolz auf mich. Es war ein schönes Gefühl, von ihm die Goldmedaille überreicht zu bekommen, weil ich weiß, dass er mir sie von Herzen gönnt.

Durch die Silbermedaille hatten Sie schon Erfahrung mit der Ehrung. Was war anders?

Na klar war die Überreichung der ersten Medaille schön. Ich konnte das genießen. Jetzt checke ich es halt noch nicht.

War das Durcheinander Ihrer Gefühle auch der Grund, warum Sie die Hymne nicht mitgesungen haben?

Die hätte ich sowieso nicht mitgesungen. Ich habe zwar erst kurz überlegt, mir aber gesagt: „Das ist der Moment, der nur mir gehört." Da muss ich nicht gezwungenermaßen die Hymne singen, weil ich da oben stehe. Ich habe im Herzen und im Kopf mitgesungen. Das war wirklich ganz allein mein Moment, und den wollte ich voll und ganz für mich genießen.

Sie halten ständig die Goldmedaille in den Händen. Fühlt sie sich anders an als die silberne, die sie zum Auftakt gewonnen haben?

Wenn man die Augen zumacht, ist es kein Unterschied. Sie ist sogar weniger schwer als die Silbermedaille, komischerweise. Aber wahrscheinlich nur, weil sie bei mir noch nicht ganz angekommen ist. Aber die goldene Medaille schaut natürlich viel schöner aus. Die Goldmedaille kommt jetzt zur Silbermedaille ins Nachtkästchen. Das wird zugesperrt. Dann schläft sie praktisch neben mir.

Und Sie müssen nicht mehr vom Gold nur träumen.

Für mich ist der große Traum in Erfüllung gegangen. Ich habe schon als Kind beim Biathlon zugeschaut und mir die Goldmedaille gewünscht. Damals sind sie (Anmerkung: Kati Wilhelm und Andrea Henkel 2002) Olympiasieger geworden, jetzt ist es halt bei mir so. Ich habe für mich persönlich ein ganz großes Ziel erreicht und bin einfach glücklich darüber. Jetzt kann ich alles ganz entspannt angehen. Im sportlichen Bereich habe ich alles erreicht.

Sie sind aber noch zu jung, um sich schon zufrieden zu geben.

Stimmt. Ich glaube auch, dass es jetzt bei mir erst richtig los geht.

Wie war die Reaktion der Team-Kameradinnen?

Ich habe schon gemerkt, dass sie sich für mich von Herzen freuen und mir die Goldmedaille gönnen. Das ist schön, wenn sie einem in die Augen schauen und sagen: „Super hast du das gemacht." Aber natürlich waren sie von sich enttäuscht. Ganz klar. Ich wünsche ihnen, dass sie es auch noch schaffen.

Interview: Hartmut Scherzer

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