Interview

Münchner NFL-Star David Bada: "Ich habe so hart für den Traum gearbeitet"

Der Münchner David Bada hat einen Vertrag bei den Washington Redskins erhalten. In der AZ spricht er über seinen NFL-Traum und seine Kindheit: "Ich war in der ersten Klasse schon größer als die Lehrerin."
| Matthias Kerber
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"Um an so einen heranzukommen, muss schon alles perfekt laufen", sagt David Bada unter anderem über Football-Legende Tom Brady.
dpa "Um an so einen heranzukommen, muss schon alles perfekt laufen", sagt David Bada unter anderem über Football-Legende Tom Brady.

Washington - AZ: Herr Bada, den berühmten Bayer auf Rügen kennt man, jetzt gibt es dank Ihnen einen Münchner in der NFL. Sie haben einen Vertrag beim American-Football-Team der Washington Redskins erhalten: Wir gratulieren!
David Bada:
Danke, vielen Dank! Ich kann es immer noch nicht glauben! Ich habe so viele Jahre so hart daran gearbeitet, dass dieser Traum von der NFL, mein Kindheitstraum, wahr wird. Kaum einer hat es für möglich gehalten, dass ich als Münchner diesen Sprung schaffen kann. All der Druck, der jetzt von mir abgefallen ist, es tut so gut. Egal, was ich für Worte finde, sie klingen alle banal im Vergleich zu dem, wie ich mich fühle, wie es in mir aussieht. An einem Tag ist man einfach noch David Bada, am nächsten ein NFL-Spieler.

Sie sind, wie Sie sich selber bezeichnen, ein Münchner Kindl.
Das stimmt. Ich bin hier geboren, in Fürstenried aufgewachsen, zur Schule gegangen, habe meine Lehre in München gemacht, die ersten 20 Jahre meines Lebens hier verbracht. Ich habe mit 17 Jahren bei den Munich Cowboys mit American Football angefangen. Ich habe deren Coach auch sehr viel zu verdanken, denn er hat mir sehr viel beigebracht, hat mich auf den Weg gebracht, der mich jetzt in die NFL geführt hat. Mit 20 habe ich dann angefangen, in andere Städte zu gehen, weil ich eben meine Karriere als Football-Spieler verfolgt habe. American Football, das war immer mein Plan A. Was anderes gab es nicht. Warum sollte ich mich mit einem Plan B beschäftigen, wenn für mich der Weg klar war? Plan B hätte mich nur von Plan A abgelenkt.

Bada wiegt 135 Kilo: "War schon immer ein sehr schweres Kerlchen"

Sie sind fast zwei Meter groß, 135 Kilo schwer. Sie dürften wahrscheinlich immer der Größte gewesen sein, oder?
Immer. Ich war schon in der allerersten Klasse größer als meine Lehrerin. Und das ist fast in jeder Klasse so geblieben. Nur in der Abschlussklasse nicht, da war der Lehrer zwei Meter groß. Irgendwann war ich nicht nur der Größte, sondern auch der Schwerste. Bis dahin habe ich noch sehr viel Fußball gespielt, aber irgendwann war bei meiner Statur klar, dass ich American Football spielen würde.

Ihre Mutter erzählt gerne die Geschichte, dass Sie schon vor der Geburt ein Koloss waren.
Ja, das tut sie (lacht). Ich war so schwer, dass schon recht früh klar war, dass ich nur als Kaiserschnittkind zur Welt kommen kann. Ich wog bei der Geburt etwa fünf Kilo. Ich war also schon vor der Geburt ein sehr, sehr schweres Kerlchen.

Die Mama hat eine Erklärung für Ihre Größe und Stärke...
Ja, Fufu. Das ist mein Kraftfutter, gibt mir Kraft. (lacht) Das ist ein Gericht aus Kartoffelbrei und Grieß aus ihrer Heimat. Meine Eltern stammen ja aus Togo. Mein Vater ist seit 40 Jahren hier, meine Mutter so 30 Jahre. Ich liebe Fufu. Und diese Liebe scheint vererbbar. Meine kleine Tochter, sie ist drei Jahre alt, ist genauso verrückt nach Fufu. Sie freut sich immer unglaublich, wenn es zu meiner Mutter geht, denn da gibt es – Fufu.

Viele Togolesen sind ausgesprochen gläubig.
Das stimmt. Ich glaube auch sehr stark an Gott. Ich bin nicht so extrem katholisch geprägt wie meine Mutter. Aber ich ziehe Kraft aus dem Glauben. Ich glaube, dass er an meiner Seite ist, dass er mir hilft.

Football-Star über Chase Young: "Ich sehe ihn nicht als Konkurrenz"

Wie trainieren Sie eigentlich während der Corona-Krise und ist schon klar, wie und wann Sie wieder in die USA können und dann das Training bei den Redskins aufnehmen?
Wir reden im Moment sehr viel mit den US-Behörden, aber es ist noch nicht abschließend geklärt. Ich trainiere im Moment auf die altmodische Art und Weise, übe viel auf einer Spiel- und Hundewiese. Ich jogge. Solche Sachen. Mit den Trainern und Kollegen gibt es viele Videokonferenzen. Der Trainer Ron Rivera ist ein Genie. Ich denke nicht, dass es irgendwas im Football gibt, was er nicht kennt oder weiß. Die ganzen Trainer zusammen gefühlt 1.000 Jahre NFL-Erfahrung, ich freue mich wahnsinnig darauf, von ihnen zu lernen. Denn neben der Geschwindigkeit des Spiels ist dieses Wissen der größte Unterschied zu Football in Deutschland. Man muss mental bereit sein. Wenn der Kopf nicht dabei ist, hat der Körper keine Chance.

Als Defensive End spielen Sie fast die gleiche Position, wie Chase Young, den die Redskins im Draft als zweiten Spieler überhaupt aus dem College geholt haben.
Ja, er ist ein Monster und – soweit ich das aus den Interviews gesehen habe – ein toller Mensch. Von ihm kann ich mit am meisten lernen. Aber ich sehe ihn nicht als Konkurrenz. Ich sehe niemand als Konkurrent. Ich bin mein einziger Konkurrent. Ich muss aus mir jeden Tag das Beste herausholen. Mehr kann ich nicht tun, aber weniger darf es auch nicht sein. Ich bewundere Spieler wie Chris Jones, J.J. Watt, Nick Bosa, die nicht nur vom Talent leben, sondern die mit Kampfeswillen und Ehrgeiz ihre Ziele erreichen und nie aufgeben. Aufgeben darf es nicht geben.

"Um an so einen heranzukommen, muss schon alles perfekt laufen", sagt David Bada unter anderem über Football-Legende Tom Brady.
"Um an so einen heranzukommen, muss schon alles perfekt laufen", sagt David Bada unter anderem über Football-Legende Tom Brady. © dpa

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Welchen Quarterback würden Sie denn gerne zu Fall bringen in der NFL?
Es gibt so viele lebende Legenden dort. Tom Brady, Russell Wilson, Aaron Rodgers, Drew Brees. Die wissen alles über Football, die wissen schon was passiert, bevor der Spielzug losgeht. Um an so einen heranzukommen, muss schon alles perfekt laufen. Aber das wäre das Größte, wenn ein Junge aus München es schaffen würde, eine dieser Legenden niederzustrecken: ein Traum.

Sie sprachen Ihre Tochter an, welches sind die Werte, die Sie ihr auf den Weg geben wollen?
Ehrlichkeit, Respekt, aber mir ist wichtig, dass sie auch Durchhaltevermögen lernt. Nichts hilft dir im Leben mehr. In der Schule, im Beruf. Man muss immer alles geben, die Sache durchziehen. Auch, wenn man keinen Erfolg hat, muss man sein Bestes geben. Es gibt stets einen anderen Weg, wenn man nur will – und nicht aufgibt. Ich habe es in die NFL geschafft. Aber ich muss noch einige Hürden nehmen, damit ich im finalen Kader bin. Aber ich werde nicht aufgeben, bis ich es geschafft habe. Aufgeben gibt’s eben nicht für mich.

Lesen Sie hier: Besuch bei den München Rangers - "American Football ist ein ziemlich cooler Sport"

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