Krawalle im Park: Das Ende des Happy Slam

Konflikte vom Balkan greifen aufs Tennis über. Randale bei den Australian Open. Stühle fliegen bei Auseinandersetzungen zwischen kroatischen und serbischen Fans. Eine Frau wird verletzt.
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Randale im Melbourne-Park: Kroatische und serbishce Fans prügeln sich.
dpa Randale im Melbourne-Park: Kroatische und serbishce Fans prügeln sich.

MELBOURNE - Konflikte vom Balkan greifen aufs Tennis über. Randale bei den Australian Open. Stühle fliegen bei Auseinandersetzungen zwischen kroatischen und serbischen Fans. Eine Frau wird verletzt.

Im Schatten der Rod Laver-Arena bietet sich normaler Weise ein friedliches Bild. Das Bild des „Happy Slam“: Familien picknicken in der kleinen Parklandschaft, schauen sich die Matches auf einer Riesenleinwand an. Abends geben Topstars wie die australische Popsängerin Gabriella Cilmi oder die Black Sorrows umjubelte Konzerte. „Eigentlich ist es der Grand Slam, bei dem alle entspannt sein sollten, in Urlaubs- und Feierstimmung", sagt der dreimalige Australian Open-Champion Roger Federer.

Aber nun sind schon zum dritten Mal in drei Jahren die ethnischen Konflikte vom Balkan herübergeschwappt ins National Tennis Center. Kaum war das Spiel zwischen dem Amerikaner Amer Delic, einem Profi mit kroatisch-bosnischen Wurzeln, und dem serbischen Titelverteidiger Novak Djokovic vorüber (Djokovic gewann in vier Sätzen), flogen im „Garden Square" auf einmal Stühle durch die Gegend. Aggressiv aufgeladene, teils auch betrunkene Fans aus Bosnien und Serbien pumpten ihre Muskeln auf, zeigten sich gegenseitig obszöne Gesten - gerade noch rechtzeitig, bevor das Ganze in eine wüste Schlägerei ausarten konnte, schritt die Polizei mit einem massiven Aufgebot ein. Eine Frau wurde von einem der herumfliegenden Stühle getroffen, erlitt Schnittwunden am Kopf. 30 Unruhestifter wurden von der Anlage verwiesen.

Das Unruhepotenzial auf der Tennisanlage nimmt zu, weil mittlerweile bis zu 65000 Besucher pro Tag die Kassenhäuschen passieren und im allgemeinen Gedrängel die Aggressivität zunimmt. Selbst Tennisprofis befeuern zuweilen noch die Probleme: So wurde der ehemalige Finalist Marcos Baghdatis aus Zypern per Video dabei erwischt, wie er, offensichtlich angetrunken, Schmähgesänge gegen Griechenland grölte. „Es ist schlimm, dass irgendwelche politischen Angelegenheiten hier beim Tennis ausgetragen werden“, sagt der langjährige Chef des Spielerrates der ATP, der Kroate Ivan Ljubic.

Auch Delic, nach dessen Spiel gegen Djokovic die Krawalle begannen, zeigte sich erschüttert über die Randale: „Das sind Leute, die das Tennis als Plattform für ihre Konflikte missbrauchen.“

Vor zwei Jahren waren 150 serbische und kroatische Fans gleich am Eröffnungstag in eine Prügelei verstrickt und wurden von der Anlage verwiesen. Anschließend wurden die Sicherheitsmaßnahmen drastisch erhöht. 2008 mussten Polizisten im Match zwischen dem Griechen Economidis und dem Chilenen Gonzalez Pfefferspray einsetzen, um rivalisierende Fans auseinanderzutreiben.

Jörg Allmeroth

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