Golfer Marcel Siem: "Ich habe volles Rohr gespielt"

Marcel Siem startet solide in die BMW Open – in diesem Jahr hat sich der 33-Jährige bei seinem Heimspiel viel vorgenommen
| Thomas Becker
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Eichenried - Marcel Siem schwankt. Eine 67er Runde zum Auftakt, immerhin fünf unter Par, aber vier Schläge hinter Flight-Partner Ernie Els. Siem findet das zunächst „nicht so gut“, ein paar Minuten später schon wieder „fast okay“. Deutschlands zweitbester Golfer (Weltranglistenplatz 59) nach Martin Kaymer (Platz 24) hat sich viel vorgenommen für die BMW Open: Gewinnen will der 33-Jährige: „Sonst habe ich immer gesagt, ich will unter die Top 10. Aber diesmal habe ich allen gesagt, dass ich gewinnen will. Da hab' ich mich ordentlich unter Druck gesetzt.“

Hinzu kommt, dass er praktisch auf der Anlage in Eichenried aufgewachsen. Im Sommer 1988 – Marcel war acht – übernahm Mama Doris die Gastronomie auf der Anlage. So wurde der Golfplatz Marcels Spielplatz, fünf Jahre lang. Kein Wunder, dass viele Kindheitserinnerungen hochkommen. Einer seiner Jugendfreunde ist Korbinian Kofler, Geschäftsführer des Golfclubs. „Wir haben um Schokoriegel und Cola im Clubhaus Billard gespielt und sind gerne auch mal angeln gegangen“, erinnert sich Siem.

Den Weiher mit den dicken Karpfen gibt’s noch: links vom 18.Abschlag. Bei der Premiere der BMW Open vor 25 Jahren durfte Klein-Marcel mit den Profis aufs Grün, lernte Legenden wie Greg Norman, Bernhard Langer und Vijay Singh kennen. Letzteren traf er Jahre später erneut in Eichenried – als Gegner. „Hi Vijay, da bin ich wieder. Kennst du mich noch?“, sagte Siem frech.

Aus Klein-Marcel ist ein Profi geworden, der drei Siege auf der European Tour verbuchen konnte. Nicht wenige Experten trauen ihm viel mehr zu. Er ist 33, doch seine beste Zeit als Golfer scheint erst zu kommen. Vor zwei Jahren wurde er Vater einer Tochter, das wirkte sich auch auf sein Spiel aus: Siem wurde ruhiger, auf und auch neben dem Platz, wo er nicht gerade als Asket gilt. Siem ist keiner, der einer gepflegten Feier aus dem Weg geht. Auch im Gespräch kommt er angenehm unverstellt daher: „Ich hab' heute volles Rohr gespielt, sehr aggressiv. Aber die Jubel-Faust konnte ich den Fans doch nicht so oft zeigen. Das hebe ich mir für die nächsten drei Tage auf.“

Auf die finanziell wesentlich attraktiveren Turniere in den USA ist er gar nicht so scharf, spielt lieber in Europa, wo er viele Kumpels trifft, mit denen er schon bei den Amateuren gespielt hat. Mit Kaymer teilt er sich den Trainer, Günter Kessler. Ansonsten ist der extrovertierte Siem der Gegenentwurf zum In-sich-Gekehrten Kaymer. Mangelndes Selbstbewusstsein zählt nicht zu Siems Problemen. So was schaut er sich gerne bei einem wie Els ab. Die Golf-Legende landete mit seinem Privat-Jet in München und machte erst mal eine Stadtrundfahrt – in einem 563 PS starken Rolls-Royce Ghost. Siem: „Mit Ernie zu spielen ist immer wieder was Besonderes. Der strahlt so ein Selbstbewusstsein aus.“ Wie Siem.

 

 

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