Durch Erfahrung der Misserfolge gewachsen

Nach brutalen Abstürzen steht Betty Heidler endlich auf dem Gipfel. „Die Erfahrung beim Scheitern hat mich stark gemacht“, sagt die Frau, deren Hammer bei der WM 2005, der EM 2006 und zuletzt bei Olympia 2008 in Peking abseits der Medaillen gelandet war.
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Europameisterin im Hammerwerfen: Betty Heidler.
dpa Europameisterin im Hammerwerfen: Betty Heidler.

BARCELONA - Nach brutalen Abstürzen steht Betty Heidler endlich auf dem Gipfel. „Die Erfahrung beim Scheitern hat mich stark gemacht“, sagt die Frau, deren Hammer bei der WM 2005, der EM 2006 und zuletzt bei Olympia 2008 in Peking abseits der Medaillen gelandet war.

Am Freitag schlug das 7,25 Kilo schwere Gerät mit dem langen Draht im Olympiastadion von Barcelona 76,38 m zum zweiten Gold der Karriere nach dem WM-Sieg 2007 in Osaka/Japan in den Rasen ein. Geschlagen waren Russlands Ex-Weltrekordlerin, die zwei Jahre dopinggesperrte Tatjana Lysenko (75,65), und Anna Wlodarczyk (73, 56), Polens am Rücken verletzte Weltrekordlerin (78,30) und Weltmeisterin von Berlin 2009.

„Es war ein harter Weg über viele Jahre“, bekennt die Frau, die mit Worten und Taten deutlich macht: Ich habe meine Lektion gelernt, bin körperlich stark und mental gefestigt. Dies ist die neue Qualität der 26-Jährigen Polizeimeisterin, die innerhalb vierwöchiger Praktika bei nächtlichen Einsätzen auf dem Frankfurter Hauptbahnhof, Krawallen im Fußball oder Disco-Schlägereien schon mal ähnlich resolut aufräumt wie im Hammerwurf-Ring.

Den Weg zum Gipfel, auf dem sie vor drei Jahren weit weniger gefestigt stand, und deshalb wieder abstürzte, hat sie zusammen mit Trainer Michael Deyhle konsequent verfolgt. „Betty ist heute sehr gefestigt. Es ist das Ergebnis von sehr viel technischer Kleinarbeit“, sagt der Trainer von der LG Frankfurt

Betty Heidler erklärt das, was in der Praxis viel schwieriger ist, als in der Theorie, so: „Der Rhythmus von Armen und Beinen ist heute im Gleichklang. Früher habe ich oft oben zu viel und unten zu wenig gearbeitet. Das ging auf Kosten der Stabilität.“ Durch die Harmonie von Unter- und Oberkörper erlangen auch Physis und Psyche Gleichklang. Das strahlte sie im Finale von Anfang an aus. „Als Tatjana sich im vierten Versuch steigerte, habe ich nochmal leichte Zweifel gehabt“, sagt die Frau, die dieses Gold so hoch hängt wie jenes vor drei Jahren in Japan.

„Aber beides kommt an Berlin 2009 nicht ganz heran, das war emotional einfach so stark, nur Olympia-Gold 2012 kann das toppen“, sagt die Hobby-Reiterin." In London will die deutsche Rekordlerin (77,12), die nebenbei Jura studiert, die Titel-Sammlung um das dritte noch fehlende Gold erweitern. Gut möglich, dass bis dahin Wlodarczyk auch den Weltrekord verliert.

sid

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