Deutschland im Eishockey-Niemandsland

Peppi Heiß zieht im AZ-Interview eine deutsche Zwischenbilanz der Eishockey-WM – die fällt gemischt aus. „Aber die Art, wie die Mannschaft spielt, gibt Anlass zur Hoffnung.“ Lob für Pat Cortina
| Matthias Kerber
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Herr Heiß, Siege gegen Kasachstan und Lettland, Niederlagen gegen Finnland und die Schweiz, so die deutsche Zwischenbilanz bei der WM vor dem Spiel am Samstag gegen Weißrussland. Wie sieht denn das bisherige Fazit von Deutschlands Rekordnationaltorwart aus?

Man ist im Soll, daher sehe ich das ganz positiv. Was fehlt, ist sicher so ein Ausreißer nach oben, der für große Euphorie sorgt. Der war gegen Vizeweltmeister Schweiz drin, aber man hat wieder unglücklich verloren. Euphorie kommt bei den Siegen gegen Lettland und Kasachstan nicht auf. Wenn man die nicht schlägt, wo willst du dann deine Punkte holen? Es ist sicher so, dass Deutschland ein bisschen im Niemandsland des Eishockeys gefangen ist. Aber die Art, wie die Mannschaft spielt, gibt Anlass zur Hoffnung. Sie kämpft, sie gibt alles, da kann man ihr nichts vorwerfen.

Aber der ganz große Schritt nach vorne ist unter Bundestrainer Pat Cortina, der jetzt fast zwei Jahre im Amt ist, noch nicht geglückt.

Ich kenne Pat seit vielen Jahren, war ja beim EHC sein Co-Trainer – man merkt dem Team an, dass er positive Energie, dass er Selbstvertrauen installiert hat. Wir haben nicht die Einzelspieler, die Partien allein entscheiden, das haben wir schon lange nicht mehr. Die Versäumnisse hat man vor Jahren im deutschen Eishockey gemacht, als man den eigenen Nachwuchs nie gefördert hat. Daran leiden wir noch immer – auch Pat. Man kann nur mit dem arbeiten, was da ist. Er hat sich wieder auf das besonnen, was uns früher stark gemacht hat.

Genauer, bitte.

Die deutsche Identität, wie sie schon unter Uwe Krupp nicht unerfolgreich gezeigt wurde. Wir müssen über den Kampf, den Einsatz kommen, wir müssen uns als Team präsentieren. Pat verzichtet auf alle Spieler, die dem entgegen laufen. Das birgt Risiko, aber es ist der einzige Weg für uns. Wobei ich auch nie verstehen werde, dass ein Spieler wie Patrick Reimer für eine WM absagt: aus persönlichen Gründen. Das hätte es zu meiner Zeit nicht gegeben, da war jeder scharf drauf, dass du im Nationalteam spielen darfst. Pat setzt auch konsequent auf die Jugend, hat etwa Supertalent Leon Draisaitl mit seinen 18 Jahren dabei. Leon hat eine ganz große Karriere vor sich.

Die Leistung auf dem Eis ist das eine, aber es wäre nicht das deutsche Eishockey, wenn es im Verband nicht schon wieder große Turbulenzen gäbe. Die DEL-Vereine wollen am liebsten auf die Wiederwahl von Präsident Uwe Harnos verzichten, der erneut für das erste Amt in Eishockey-Deutschland kandidieren will.

Was soll ich da sagen? Wir reden hier vom deutschen Eishockey. Irgendwie schaffen wir es nie, Ruhe in den Sport zu bekommen. Ich verstehe nicht, warum man das im Fußball hinkriegt, wir aber seit Jahren daran scheitern.

Man will Franz Reindl als Gegenkandidat positionieren. Der war Nationalspieler, Trainer, Manager, Sportdirektor.

Der Franz kennt sich sicher in jedem Bereich dieses Sports bestens aus, hat alles durchlebt, hat alles erlebt. Er ist einer, bei dem die Leute automatisch zuhören würden, wenn er redet. Es ist nicht so – auch das sieht man im Fußball –, dass der Präsident unbedingt den allergrößten Fachverstand in seinem Sport haben muss, aber es schadet auch nicht. Wenn man Reindl für den Posten gewinnen könnte, wäre das sicher ein Glücksfall für das deutsche Eishockey.
Und könnte für Ruhe sorgen. Ruhe wäre für den Sport hier, für die Nationalmannschaft, die unser aller Aushängeschild sein sollte, und für Pats Arbeit sicher hilfreich.

Sie machen sich für Reindl stark?

Ich sagte, glaube ich, dass er ein Glücksfall wäre, ja.

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