Der Polarisator wird 75

DOSB-Ehrenpräsident, der immer ein Mann der ganz klaren Worte war, will "kürzer treten".
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Ein Freund klarer Worte: Manfred von Richthofen.
dpa Ein Freund klarer Worte: Manfred von Richthofen.

DOSB-Ehrenpräsident, der immer ein Mann der ganz klaren Worte war, will "kürzer treten".

Zurückhaltung war seine Sache nie, Manfred von Richthofen liebt es, sich einzumischen. Und auch heute noch findet der Freiherr, der am Montag 75 Jahre alt wird, immer wieder klare Worte. So machte der ehemalige Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB) und heutige Ehrenpräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) im vergangenen Jahr mit seiner Kritik am DOSB wegen dessen „zu früherer Festlegung“ auf einen Olympiastart in Peking Schlagzeilen.

Doch die kurze Rückkehr ins Rampenlicht kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es knapp drei Jahre nach dem Ende von von Richthofens Zeit als DSB-Präsident ruhiger um ihn geworden ist. Seinen Arbeitsaufwand hat der Neffe des gleichnamigen „roten Fliegerbarons“ reduziert, sitzt nur noch in einem Aufsichts- und drei Beiräten. „Ich trete kürzer, das hat sich auch durch die wirtschaftliche Entwicklung so ergeben“, sagt „MvR“, dessen liebstes Kind derzeit Handball-Bundesligist Füchse Berlin ist. „Da mache ich mit großer Begeisterung mit. Berlin ist endlich keine Notregion des Handballs mehr.“

Sechs Monate des Jahres verbringt der Unternehmer mittlerweile am Tegernsee. „Aber die andere Hälfte bin ich in Berlin. Denn dort wird die Politik gemacht“, sagt von Richthofen, der 1994 Nachfolger von Hans Hansen als DSB-Präsident geworden war und das Amt bis zur Vereinigung von DSB und Nationalem Olympischem Komitee (NOK) zum DOSB im Jahr 2006 inne hatte. „Er integriert, aber er kann auch polarisieren“, sagte Hansen 1999 über von Richthofen. Geprägt war dessen Amtszeit von der Dauerfehde mit den NOK-Präsidenten Walther Tröger (bis 2002) und Klaus Steinbach (bis 2006). Nachdem er 1996 kläglich beim Versuch gescheitert war, die Fusion von NOK und DSB herbeizuführen („Der verpassten Chance trauere ich noch heute hinterher“), ging sein Wunsch zehn Jahre später doch noch in Erfüllung. „Es ist wichtig, dass der Sport nur noch mit einer Stimme spricht.“

In den 90er Jahren war von Richthofen maßgeblich an der Aufarbeitung des von Doping und Stasi durchzogenen DDR-Sports beteiligt. Obwohl der aktuelle Fall von Kugelstoß-Bundestrainer Werner Goldmann zeigt, dass bis heute vieles im Verborgenen geblieben ist, meint der ehemalige Gymnasiallehrer mit Vorliebe für Maßanzüge und Seidenkrawatten: „Man kann mir viel nachsagen, aber nicht, dass ich an dieser Stelle zaghaft war. Wir konnten nur soviel tun, wie die Beweise hergaben.“ Noch immer sorgt er sich vor allem um den Sport im Verein. „Ich hoffe nicht, dass die Vereine ihre kleinen und mittleren Förderer verlieren, weil der Mittelstand derzeit leidet“, meint der Spross einer bedeutenden deutschen Adelsfamilie. An einen Bedeutungsverlust der Vereine in Zeiten des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels mag er indes nicht glauben. „Der ganze Sport wird auch in Zukunft mit den von der Ehrenamtlichkeit getragenen Vereinen stehen und fallen.“ Seine eigenen sportlichen Aktivitäten hat von Richthofen mittlerweile aufs Gehen reduziert. „Das bekommt mir am besten.“ Seinen Geburtstag feiert er am Montag im Kreise von Familie und Freunden. „Ich habe gerüchteweise gehört, dass morgens die Gmundener Dorfkappelle den Richthofen-Marsch spielen soll.“ Das Stück war 1935 für das nach seinem Onkel benannte Jagdgeschwader 2 komponiert worden.

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