Der Glanz des Verlierers

Tommy Haas (33) gibt bei den BMW Open ein gefeiertes Comeback – trotz der Erstrunden-Pleite an der Seite von Partner Radek Stepanek: „Es
| Max von Harsdorf
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Tommy Haas ist zurück auf der ATP-Tour.
dpa Tommy Haas ist zurück auf der ATP-Tour.

Tommy Haas (33) gibt bei den BMW Open ein gefeiertes Comeback – trotz der Erstrunden-Pleite an der Seite von Partner Radek Stepanek: „Es war ein guter Schritt nach vorne, eine gute Erfahrung."

Symbolischer hätte der Auftritt kaum ausfallen können. Kurz vor fünf Uhr ist es, als am Aumeister die Wolkendecke aufreißt und die warmen Strahlen der Nachmittagssonne die perfekte Bühne schaffen für den Mann, der – wie hätte es auch anders sein können – in strahlendem Weiß gekleidet den Center Court der Iphitos Anlage betritt.
Es ist Tommy Haas, einst im Mai 2002 immerhin die Nummer zwei der Welt, der zurück auf der Tour ist. Wieder einmal nach einer Verletzung. Und schnell wird klar, dass er trotz der 14 Monate Pause noch immer jene Strahlkraft besitzt, die dem deutschen Männertennis sonst zumeist abgeht.
Das Davis-Cup-Trio Florian Mayer (6:1, 6:2 gegen Steve Darcis), Philipp Kohlschreiber (6:3, 6:1 gegen Robert Farah) und Philipp Petzschner (6:1, 6:4 gegen Ivan Dodig) hatte an diesem Spieltag schon erfolgreich auf dem Center Court aufgeschlagen, doch bei Haas, der mit dem Tschechen Radek Stepanek bei seinem Comeback lediglich im Doppel antritt, tönt es mit Abstand am lautesten von der Tribüne. „Ooh“ tönt es da vielstimmig, wenn Rückkehrer Haas wieder einmal einen Ball verschlägt, doch jede gelungene Aktion wird postwendend mit Rufen und Applaus honoriert. „Schön! Die Schläge hat er immer noch drauf“, raunen zwei Fans nach einem gelungenen Passierball.
„Die Unterstützung war supernett“, erkannte auch Haas später, „am Anfang war ich zwar schon nervös, aber danach war ich eigentlich recht relaxed. Ich hatte viel Spaß.“ Spaß, den man Haas ansah. Unverkrampft wirkte er, auch als nach einem souverän gewonnenen ersten Satz der zweite Durchgang mit 3:6 verloren ging, scherzte er noch mit dem zunehmend fahrig spielenden Stepanek. Die Lust am Spiel, die Lust sich fürs Tennis zu quälen, die nahm das Publikum dem 33-Jährigen, der mit seiner Frau Sara Foster in Florida lebt, durchaus ab.
„Ich war recht zufrieden mit meinem Spiel und mit meinem Aufschlag“, zog er nach dem Match ein positives Fazit. „Es war eine guter Schritt nach vorne und eine gute Erfahrung.“ Es war gleichzeitig auch schon das Turnierfazit des Tommy Haas. Denn nach einer Stunde und achtzehn Minuten, mittlerweile war es recht kühl geworden auf dem Center Court, schlug Stepanek einmal mehr einen Ball ins Netz und auch der dritte Satz ging mit 8:10 an das australisch-schwedische Duo Simon Aspelin und Paul Hanley.
Ein letztes großes Raunen, ein letzter Applaus und ein bisschen Enttäuschung. „Klar, ich hätte natürlich gerne noch ein paar Matches hier gespielt, das ist wirklich schade“, erklärte Haas, der sich in den nächsten Tagen zum Aufbautraining weiter in München aufhalten wird. In Madrid oder Rom will er dann wieder voll angreifen, sein Fernziel sind die French Open.
Die Zuschauer jedenfall waren schnell wieder versöhnt. Tommy Haas saß gerade bei der Pressekonferenz, da gewann auf einem Nebencourt überraschend der Deutsch-Jamaikaner Dustin Brown sein Match gegen den Favoriten Stanislas Wawrinka. Brown, mit seinen Rasta-Zöpfen, mit seinem unkonventionellen Spielstil, das ist auch einer, den die Zuschauer lieben, einer mit Strahlkraft. Doch den wahren Glanz, den verströmte gestern Verlierer Haas. „Ich bin tierisch froh, dass er wieder da ist. Ich glaube, er fehlt allen deutschen Fans, denn er ist so ein bisschen der Vorzeigespieler der letzten zehn Jahre“, sagte einer, der es wissen muss. Es war Philipp Petzschner.

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