Darts-Stimme Elmar Paulke im AZ-Interview

Im AZ-Interview spricht Darts-Stimme Paulke über den Hype des Kneipensports in Deutschland und den Hoffnungsträger Hopp.
| Moritz Scheidel
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
„Man muss ja auch damit umgehen können, dass alle Hoffnungen auf einem lasten“, sagt Paulke über Deutschlands Dartshoffnung Max Hopp.
dpa „Man muss ja auch damit umgehen können, dass alle Hoffnungen auf einem lasten“, sagt Paulke über Deutschlands Dartshoffnung Max Hopp.

Im AZ-Interview spricht Darts-Stimme Elmar Paulke über den Hype des Kneipensports in Deutschland und den Hoffnungsträger Hopp.

AZ: Herr Paulke, ist die Darts-Invasion in Deutschland in vollem Gange?
ELMAR PAULKE: Ja, davon müssen wir sogar sprechen. 400 000 Zuschauer in einem Jahr bei deutschen Turnieren. Einschaltquoten von fast drei Millionen in der Spitze – das ist ein Hype! Und das ist ja umso erstaunlicher, da wir keinen deutschen Topspieler haben. Das ist das Ungewöhnliche in der Dartsszene. Hier geht es nicht um irgendeinen Patriotismus – nicht wie bei anderen Sportarten.

Wie ist ohne deutschen Topstar so ein Darts-Hype hierzulande überhaupt möglich?
Ich glaube, dass es sehr stark an den Fernseh-Übertragungen auf Sport1 lag. Man stelle sich mal vor, wir haben eines Tages tatsächlich einen deutschen Topspieler, der vorne mitspielt. Man sieht es ja bereits jetzt bei den Turnieren in Deutschland, wenn Max Hopp und Martin Schindler spielen. Was dann in den Hallen los ist! Es entsteht eine unfassbare nationale Power.

Sie haben vergessen, sich selbst zu erwähnen! Sind Sie der Anführer dieser Darts-Invasion?
Hätte Sport1 das TV-Recht 2006 nicht gekauft, dann hätte ich Darts niemals kommentieren müssen. Heute sage ich: kommentieren dürfen. Ich habe eine Art und Weise entwickelt, die glaubhaft, dem Event entsprechend, einfach echt ist. Ich bekomme oft das Kompliment, dass wir sehr authentisch kommentieren, sehr authentisch sind. Ja, das mögen die Leute, das finden die einfach richtig cool.

Sie kamen vom Tennis – und wollten damals eigentlich gar nicht zum Darts, mussten erst noch vom Sender überredet werden. Heute sind Sie das deutsche Darts-Gesicht. Was macht Darts für Sie so besonders?
Es ist ein Mix aus mehreren Aspekten. Darts ist ein cooler Sport, ein schneller Sport, ein spannender Sport. Und man hat den Faktor Zuschauer. Das Faszinierende ist auch, dass Darts eine Mentalsportart ist. Je höher jemand punktet, desto lauter wird das Publikum. Du hast in der Dartsszene Typen auf der Bühne, die so gar nicht in unsere Zeit passen, die keine Helden sind. Aber sie werden wie große Popstars gefeiert, stellen eine hohe Identifikation her, für viele Leute eine Projektionsfläche. Viele stehen da unten und denken sich: "Da oben auf der Bühne könnte auch ich stehen. Wenn Darren Webster (arbeitete lange Zeit noch als Handwerker; d. Red.) da oben steht – warum eigentlich ich nicht?" Das bindet die Leute an den Sport.

Und was fasziniert Sie am Darts?
Es macht mir einfach sehr viel Spaß. Ich kommentiere ja nicht nur, ich darf auch Bücher schreiben, European-Events moderieren, habe einen sehr engen Kontakt zu den Spielern. Das ist alles einfach wunderbar. Und zudem ist Darts auch zeitgemäß. Der Zuschauer wird integriert, ist Teil eines großen Events, was in dieser Dimension einmalig ist.

Wie würden Sie die deutschen Fans charakterisieren?
Das Publikum hat überhaupt keine Berührungsängste. Wenn sie ein Foto machen, wollen sie den Arm um einen legen. Und das gefällt den Dartsspielern, das machen sie gerne mit. Die Topspieler, beispielsweise Michael van Gerwen oder Peter Wright, kommen schon sehr, sehr gerne nach Deutschland. Es wird jeder Spieler sehr laut unterstützt. Jeder kriegt seine Fangesänge ab. Das hat etwas Friedliches, Solidarisches. Die Engländer sprechen immer von einer friedlichen deutschen Party. Es ist vollkommen egal, aus welchem Land ein Spieler kommt. Wenn ein Adrian Lewis kommt, ist es "Jackpot" (Lewis’ Spitzname; d. Red.), wenn Simon Whitlock kommt, dann ist es eben Simon. Und wenn Michael van Gerwen kommt, dann buhen die Fans erst – und sobald er auf der Bühne steht, wird auch er gefeiert.

Wie sehen Sie Max Hopp, die deutsche Nummer eins?
Er hat das Potenzial für ganz oben. Er hat zwar in den letzten zwei Jahren keine guten Ergebnisse erzielt, aber dennoch kann er es schaffen. Noch nicht 2018, aber vielleicht 2019. Damit muss man ja auch umgehen können, dass alle Hoffnungen auf einem lasten. Das war für ihn ein großes mentales Problem in den vergangenen ein, zwei Jahren.

Wie hoch ist Ihr Average, also Ihr Punkteschnitt beim Darts?
Ich habe keinen Average, ich bin überhaupt nicht gut im Darts!

Also lieber darüber reden.
Richtig. Und es macht ja auch viel mehr Spaß, die Cracks dann auch mal zu kritisieren. Und das, obwohl man es selbst nicht spielen kann (lacht).

Lesen Sie hier noch andere News vom Sport

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren