Chinas Regenmacher auf Erfolgsmission

Spezialtruppe rettet durch den Einsatz von 1104 Silberjodid-Raketen die Eröffnungsfeier der Spiele vor drohenden Gewittergüssen.
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Alles machbar, auch das Wetter? Bei der Eröffnungsfeier am Freitag jedenfalls hätte dieser kleine Chinese trotz drohender Unwetter seinen Schirm nicht gebraucht. Und der leichte Regen, der gestern in Peking fiel, sei wirklich „ganz natürlich“, versichern Chinas Meteorologen.
dpa Alles machbar, auch das Wetter? Bei der Eröffnungsfeier am Freitag jedenfalls hätte dieser kleine Chinese trotz drohender Unwetter seinen Schirm nicht gebraucht. Und der leichte Regen, der gestern in Peking fiel, sei wirklich „ganz natürlich“, versichern Chinas Meteorologen.

PEKING - Spezialtruppe rettet durch den Einsatz von 1104 Silberjodid-Raketen die Eröffnungsfeier der Spiele vor drohenden Gewittergüssen.

Statt Regen lieber Sonnenschein – oder umgekehrt. Das Wetter zu beeinflussen war schon immer ein Traum der Menschheit. Dafür, dass er zu verwirklichen ist, scheint den „Wettermachern“ von Peking ein deutlicher Beweis gelungen zu sein. Das so genannte „Büro für Wetterveränderung“ hatte durch Einsatz modernster Technik verhindert, dass die gigantische Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Blitz, Donner und Regenfluten versank.

Die Gefahr hatte sich kurz nach dem spektakulären Showteil mit 14 000 Darstellern im „Vogelnest“ zugespitzt, als die Mannschaften aus 204 Ländern einmarschierten. Um 21.35 Uhr Ortszeit hatten die Meteorologen höchsten (Gewitter-)Alarm binnen einer Stunden geschlagen.

Da kamen Chinas „Regenmacher“, eine Truppe von insgesamt 32 000 Mann, zu ihrem bisher größten Einsatz: Von 21 Batteriestellungen aus feuerten sie 1104 mit Silberjodid gefüllte Raketen in die bedrohlich heranziehenden Wolken. Die bei den Explosionen freigesetzten Billionen Silberjodid-Teilchen brachten die Wolken schon weit vor Peking zum Abregnen. Um 22.42 Uhr konnte Entwarnung gegeben werden: die vierstündige Feier war gerettet.

Die Technik ist nicht neu. Schon 1946 hatten Mitarbeiter des US-Konzerns General Electric nachgewiesen, dass das Salz Silberjodid Kristalle bilden kann, an denen die Feuchtigkeit der Wolken zu Regentropfen kondensiert.

Schon vor 50 Jahren sollen die Chinesen erste Versuche unternommen haben, um auf diese Weise den trockenen Norden des Landes zu bewässern. Die Russen nutzten die Technik angeblich 1986, um zu verhindern, dass radioaktiver Regen aus Tschernobyl Moskau erreichen konnte. Auch für die 55. Siegesparade zum Ende des Zweiten Weltkriegs soll so schönes Wetter produziert worden sein. Weniger erfolgreich verlief dagegen das „Project Popeye“ der US-Militärs, im Vietnamkrieg den berüchtigten Ho-Chi-Minh-Pfad durch Regenfluten unpassierbar zu machen.

In Deutschland sind solche Regenmacher vor allem in Bayern und Baden-Württemberg aktiv. Bei Rosenheim und Stuttgart, zwei besonders von Gewittern bedrohten Regionen, stehen je zwei Flugzeuge der „Hagelabwehr“ parat. Sie unterfliegen bedrohliche Gewitterwolken und „impfen“ sie in deren Aufwind-Kanal mit Silberjodid-Ladungen, die die Wolken zum Regnen bringen, bevor sich der gefürchtete Hagel bilden kann.

Einen wissenschaftlichen Beweis für solche Wettermanipulationen gibt es allerdings bis heute nicht. TV-Wetterfrosch Jörg Kachelmann spottete sogar schon einmal: „Eine Kerze in der Kirche hilft mehr gegen Hagel als Silberjodid.“ Chinas Medien aber feiern heute ihre Wettermacher: „Die erste erfolgreiche Regenunterdrückung der olympischen Geschichte.“

Fritz Janda

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