Brand hofft auf das Kraus-Wunder

Dem Spielmacher droht nach seiner Wadenverletzung das Vorrunden-Aus. "Ich will spielen, aber es muss auch medizinisch Sinn machen."
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Ein Muskelfaserriss plagt ihn, das Vorrunden-Aus droht: Michael Kraus.
dpa Ein Muskelfaserriss plagt ihn, das Vorrunden-Aus droht: Michael Kraus.

VARAZDIN - Dem Spielmacher droht nach seiner Wadenverletzung das Vorrunden-Aus. "Ich will spielen, aber es muss auch medizinisch Sinn machen."

Die Hiobsbotschaft verkündete Heiner Brand mit ernster Miene: Der Einsatz von Spielmacher Michael Kraus im Auftaktspiel des Weltmeisters gegen Russland an diesem Samstag (17.30 Uhr/RTL) ist fast ausgeschlossen. Schlimmer noch: Wegen der Wadenverletzung droht dem Lemgoer gar das Aus für die gesamte Vorrunde der Handball-WM in Kroatien. „Ob er überhaupt auf den Meldezettel kommt, hängt davon ab, wann er einsatzfähig sein kann. Da warten wir mal bis Samstagfrüh ab“, sagte Bundestrainer Heiner Brand am Freitag nach dem Training im Spielort Varazdin. „Ich will auf jeden Fall spielen, aber ob es medizinisch Sinn macht, muss man sehen. Im Vordergrund steht, dass ich mich nicht noch einmal verletze“, betonte Kraus.

Ausgerechnet im Weg weisenden Spiel gegen den Rekord-Olympiasieger muss der Titelverteidiger ohne seinen 25 Jahre alten Regisseur auskommen. „Das wäre sicherlich ein bisschen früh. Vielleicht gibt es ja noch ein Wunder“, sagte Brand. Die Besetzung der Schlüsselposition bereitet ihm Kopfzerbrechen, denn bis Samstagmorgen um 9.00 Uhr muss der Gummersbacher offiziell seinen maximal 16 Spieler umfassenden Kader endgültig benennen. „Wir müssen abwarten, wie die Meldung ausfällt. Das ist jetzt ein bisschen schwierig in der Gesamtzusammensetzung“, grummelte der Bundestrainer.

Kraus war optimistisch, bald wieder spielen zu können. „Es sieht gut aus, dass ich bei dieser WM zum Einsatz komme. Nur wann, ist die Frage“, sagte der Spielmacher. Schmerzen habe er in der lädierten Wade nicht mehr. „Aber ich spüre ein dumpfes Gefühl.“ Deswegen wolle er kein Risiko eingehen und lieber einen Tag länger aussetzen. Ein letzter Härtetest am Samstagmorgen soll Aufschluss bringen, ob er für den WM-Kader nominiert wird.

Durch den sich abzeichnenden Ausfall von Kraus steht dessen junger Lemgoer Clubkollege Martin Strobel gegen den Dauerrivalen Russland (45 Spiele seit 1991) vor der Feuertaufe. „Wenn 'Mimi' nicht spielen kann, ist er die Nummer eins“, sagte Brand. Der erst 22-jährige Junioren-Europameister von 2006 hat gerade einmal 20 Länderspiele absolviert und bestreitet in Kroatien sein erstes großes Turnier bei den Männern. „Bis jetzt bin ich noch ganz gelassen. Die Nervosität kommt vielleicht vor dem Spiel“, sagte der Newcomer. „Der Junge ist 22 Jahre alt und hat nicht viel Erfahrung. Da muss man sehen, wie er sich schlägt“, sagte Brand, „da muss man den Druck ein bisschen rausnehmen, damit er nicht zu viel will. Und dann wird er das schon hinkriegen.“

Michael Kraus, der sich die Wadenverletzung am vorigen Sonntag im letzten WM-Test gegen Spanien zugezogen hatte, absolvierte unter der Aufsicht von Mannschaftsarzt Berthold Hallmaier und Physiotherapeut Peter Gräschus Einzeltraining mit Laufübungen. „Er kann im Moment nur geradeaus laufen. Er wird rund um die Uhr betreut“, erklärte Horst Bredemeier, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB). Kraus hatte erst vor in der vorigen Woche sein Comeback gefeiert, nachdem er wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel sechs Wochen pausiert hatte. Während der Sonderschichten von Kraus übte Strobel mit Startformation das Angriffsspiel. Der Zweite der Junioren-WM von 2007 war erst vor der laufenden Saison von HBW Balingen-Weilstetten zum TBV Lemgo gewechselt. Dort wird er von dem langjährigen Nationalmannschafts-Kapitän und Spiellenker Markus Baur trainiert. „Dass er dort ähnlichen Handball spielt wie wir, ist klar. Aber so lange ist die Zusammenarbeit ja auch noch nicht. Da wird man sicher noch eine Steigerung sehen, wenn er sich an Bundesliga und Nationalmannschaft gewöhnt hat. Aber das ist ja normal. Es wäre ja schlimm, wenn er mit 22 Jahren schon fertig wäre“, sagte der Bundestrainer.

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