Boxen: Henry Maske über Kampf von Wladimir Klitschko gegen Anthony Joshua

Der Ex-Champion tritt im Wembley-Stadion vor 90.000 Fans gegen den Weltmeister an. Die AZ spricht mit Box-Ikone Henry Maske über das Duell. "Ein Sieg wäre das größte Statement überhaupt."
| Matthias Kerber
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Henry Maske (r.) spricht über den anstehenden Kampf zwischen Wladimir Klitschko und Anthony Joshua.
dpa Henry Maske (r.) spricht über den anstehenden Kampf zwischen Wladimir Klitschko und Anthony Joshua.

Der jetzt 53-Jährige war Amateur-Weltmeister, Olympiasieger und von 1993 bis 1996 Champion bei den Box-Profis im Halbschwergewicht.

Herr Maske, am Samstag steigt Wladimir Klitschko gegen Weltmeister Anthony Joshua in den Ring. Für Klitschko geht es nach seiner erschütternden Darbietung bei der Pleite gegen Tyson Fury um mehr als nur die Titel, oder?
HENRY MASKE: Für Wladimir steht extrem viel auf dem Spiel, keine Frage. Der Kampf gegen Joshua ist ein Fight, bei dem man sagen kann, ja muss, dass ihm hier ein richtig ernstzunehmender Gegner gegenübersteht. Einer, der definitiv fit, jung und dynamisch ist, bereit ist, mutig ist, der von seinen Fähigkeiten überzeugt ist. Diesen Mann zu brechen, wird für Wladimir eine enorme Herausforderung. Eine der größten seiner Karriere.

Ist er dafür bereit? Boxen ist ja ein Sport, der im Kopf entschieden wird. Wladimir selbst sagt, dass er viele Fragezeichen in seinem Kopf hat.
So ist es mit Sicherheit und er kann sich diese Fragen nur selber beantworten. Die Antwort wird er erst am 29. April kriegen, wenn er mit Joshua im Ring steht. Es war ja immer so, dass man bei Wladimir in seiner Kampfführung doch eine gewisse Unsicherheit in bestimmten Situationen gesehen hat. Dass jetzt die Kritiker, die Wladimir immer hatte, reagieren, ist nach der Nichtleistung – anders kann man es ja nicht nennen – gegen Fury klar gewesen. Natürlich ergeben sich Fragen: Reicht es aus, dass Wladimir auf einen Gegner trifft, der ihm physisch und auch sonst so auf Augenhöhe begegnet, dass er nicht zu sich selber findet? Ich weiß es nicht. Ich bin daher auf den Kampf sehr gespannt, das wird ein Riesenspektakel.

"Will er mich auf den Arm nehmen"

Haben Sie eine Erklärung für das, was gegen Fury passiert ist?
Nein. Das kann nur Wladimir selber erklären. Für mich ist klar, dass im Vorfeld des Kampfes, nicht erst im Fight selber, Dinge passiert sind, die zu dem geführt haben, was wir alle so ungläubig verfolgen mussten. Ich kann mich genau erinnern, wie ich mir gedacht habe: Will er mich auf den Arm nehmen? Will er diesen Kampf gar nicht gewinnen? Denn es gibt wirklich keinen Grund, dass Klitschko gegen so einen – mit Verlaub gesagt – Traumtänzer so auftritt. Fury ist keiner, der dich mit Angst erfüllen muss. Aber der Kopf funktioniert nach eigenen Regeln. Irgendwann – egal, wie sehr man sich das Gegenteil einredet – passiert es eben, dass man die Worte der anderen, die vielleicht sagen, dass der Gegner keiner ist, in dein Gehirn kriechen. Für mich war die Darbietung gegen Fury unfassbar. Wahnsinn!

Was sagen Sie zu Fury? Er ist ja ganz anders als Wladimir oder Joshua. Er provoziert, beleidigt, nimmt Drogen, leidet an Depressionen.
Nun, Fury hat sich ja total vom Hof gemacht. Als Botschafter für den Sport sind mir Leute wie Klitschko oder Joshua tausend Mal lieber. Fury hat ja mit seinen Auftritten alle Vorurteile, die viele Leute gegen den Boxsport haben, befeuert. Auch als jemand, der dem Boxen sehr positiv gegenübersteht, ist es schon so, dass man sich sagt: Man will das nicht alles hören.

Wird Klitschko gewinnen?
Ich wünsche es ihm. Ich hoffe, dass er die Qualität, die ich in ihm gesehen habe, am 29. April zeigen kann. Er hat ja Siege abgeliefert, die Statements waren, er hat das Boxen im Schwergewicht ein Jahrzehnt lang dominiert. Ich hoffe, dass er so auftritt wie gegen...

"Da habe ich einen Mann im Ring gesehen"

...Kubrat Pulew?
Genau! Da habe ich einem Mann im Ring gesehen, der mit seiner ganzen Persönlichkeit dastand, der alles, was er hat und kann, in seine schweren Fäuste gelegt hat. Viele haben erwartet, dass Pulew ihm Probleme bereiten kann, aber Wladimir hat ein gewaltiges Zeichen gesetzt. Ich habe ihn nie besser gesehen. So möchte ich ihn wieder sehen – und so eine Leistung wird es auch brauchen. Wenn Wladimir es schafft, Joshua zu schlagen, wäre dies das größte Statement, das er abgeben kann. Eines, nach dem es eigentlich nichts mehr zu sagen gibt.

Ein perfekter Moment für einen Rücktritt?
Eigentlich könnte man mit jedem weiteren Fight das Statement nur verwässern.

Außer mit einen Rückkampf gegen Fury.
Ich denke nicht, dass er diesen Fight bräuchte. Ist Klitschko gegen Joshua erfolgreich, wäre das aussagekräfitg genug.

Klitschko sagte, es wäre für ihn befreiend, dass er wieder der Jäger, nicht der Gejagte ist, dass die ganzen Titelverteidigungen ermüdend waren.
Das verstehe ich vollkommen, auch aus eigener Erfahrung. Wenn man mal 41 ist, so wie er jetzt, hat man nicht mehr den gleichen Hunger, der einen antreibt, dann fällt es schwer, sich immer wieder aufs Neue zu motivieren. Man merkt halt auch, dass es andere Dinge im Leben gibt, die Bedeutung haben und irgendwo freut man sich auch darauf, wenn es irgendwann vorbei ist. Bei mir war es so. Boxen ist ein Sport, da ist man der Einzige, der sich motivieren kann. Ich wünsche mir, dass Wladimir gewinnt. Aber ich denke mir, dass, selbst wenn er verlieren sollte, er dieses enorme Spektakel, bei dem er vor 90 000 Fans im Wembley-Stadion auftritt, genießen wird. Dass er sich dann sagen könnte: Ich kann auch so abtreten und haben kein Bedauern in mir. Sondern, dass er mit sich, seiner Karriere und dem, was er erreicht hat, zufrieden ist. Denn es steht außer Frage, dass er zu den größten Schwergewichtlern zählt.

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