Boris Becker ärgert sich übers Fernsehen

Dass die Erfolge der Frauen nur im Sparten-TV gezeigt werden, ist für Boris Becker „nicht zu fassen“.
| Interview: Jörg Allmeroth
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Dass die Erfolge der Frauen nur im Sparten-TV gezeigt werden, ist für ihn „nicht zu fassen“.

 

AZ: Herr Becker, auch beim vierten Grand Slam der Saison sorgt wieder eine Deutsche für Furore: Angelique Kerber ist ins Halbfinale eingezogen. Wie erklären Sie sich diese Erfolge?

BORIS BECKER: Es ist die klassische Situation. Eine Spielerin hat Erfolg. Und dann zieht die zweite Spielerin nach, die dritte Spielerin. Andrea Petkovic war die Trendsetterin. Dann kamen Julia Görges, Sabine Lisicki – und nun auch Angelique Kerber. Sie surfen jetzt alle auf der großen Welle.

Die deutschen Frauen haben das deutsche Tennis wieder ins Gespräch gebracht.

Absolut. Ich werde auch immer wieder darauf angesprochen. Ich finde es unheimlich schön, wie sich diese jungen Frauen gegenseitig zu starken Leistungen anstacheln, in einer freundschaftlichen Weise. Sie haben sich ihren Aufstieg nicht auf kleinen Bühnen erkämpft, sondern bei großen Turnieren. Und ihr Weg ist noch längst nicht zu Ende.

Was müssen die Spielerinnen jetzt tun, um in der Spitze zu bleiben?

Wichtig ist, den Siegeshunger nicht zu verlieren. Und die Spielfrequenz nicht zu überdrehen. Ich finde es imponierend, wie gut Petkovic oder auch Lisicki ihre Saison planen, sich immer wieder Auszeiten nehmen – um dann bei den Topturnieren ausgeruht und konzentriert an den Start zu gehen.

Von den deutschen Herren ist wenig Erfreuliches zu sehen, auch in New York zog keiner von ihnen in die dritte Wettbewerbsrunde ein.

Was ich bei Petkovic und anderen deutschen Spielerinnen lobe, dieses Fokussieren auf die Topturniere, das vermisse ich bei unseren männlichen Profis. Sie wirken bei den Grand Slams nicht so, als wollten sie hier mit aller Gewalt den Erfolg. Es fehlen einfach die letzten paar Prozent – und der Masterplan, wie man die eigene Karriere positiv gestalten kann.

Viele Tenniserfolge werden kaum wahrgenommen, weil in Deutschland die Mattscheibe dunkel bleibt – selbst bei Grand Slams.

Es ist wirklich nicht zu fassen, dass ARD und ZDF das Thema Tennis so sträflich vernachlässigen. Wenn ich sehe, was da alles gezeigt wird, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Die Spielerinnen haben auch ein großes Publikum verdient.

Sie haben einst mit 31 aufgehört, Roger Federer ist jetzt 30. Spürt er Grenzen, die ihm sein Alter setzt?

Es ist weniger das Alter selbst, sondern die Tatsache, dass er wahrscheinlich nicht mehr jeden einzelnen Tag die gleich große Motivation hat. Aber er ist immer und überall zum großen Schlag in der Lage, auch jetzt in New York, wo er prächtig spielt.

 

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