Ausgebrand - der Handball-Bundestrainer verabschiedet sich

Das Ende einer Ära: Am Mittwoch tritt Heiner Brand als Handball-Bundestrainer zurück – nach 14 Jahren, 396 Länderspielen, einem WM-Titel, einem EM-Titel und zuletzt viel Frust.
| Erik Eggers
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Das war's: Heiner Brand tritt zurück
dpa Das war's: Heiner Brand tritt zurück

HAMBURG Die Momente, in denen Heiner Brand bei der Handball-Weltmeisterschaft 2009 auf den slowenischen Schiedsrichter losgeht, mit erhobener Faust, weil er sich betrogen fühlt um die Halbfinalteilnahme. Die Szene, in der Heiner Brand 2007 nach dem Halbfinale gegen Frankreich, von Lars Kaufmann geschultert, von der Menge in der Kölnarena bejubelt wird. Die Rasur seines riesigen Schnauzers 2004, mit der seine Spieler den Europameistertitel in Slowenien zelebrierten: Der Trainer Heiner Brand hat viele Bilder produziert, die sich die Erinnerung des deutschen Handballs tief eingefräst haben.


Nun geht diese Ära, die 1997 begann, ihrem Ende entgegen. Am Mittwoch wird der 58-Jährige Gummersbacher das Ende seiner Trainertätigkeit beim DHB verkünden. Die zwei verbleibenden EM-Qualifikationsspiele im Juni in Österreich und gegen Lettland wird Brand noch verantworten. Dann ist Schluss – nach 396 Länderspielen als Trainer und 131 als Spieler.


Die Verdienste, die sich Brand um den deutschen Handball erworben hat, sind unbestritten. Er hat ein Team, das sich nicht für die WM 1997 qualifiziert hatte, binnen eines Jahres zu EM-Bronze gecoacht. In den Jahren danach formte er mit Zielstrebigkeit, der typischen oberbergischen Sturheit und großem Ehrgeiz die so genannte „Goldene Generation”, die zwischen 2002 und 2004 viermal in Folge ein Finale erreichte, 2004 Europameister wurde und Olympiasilber gewann.


Brand vermochte es damals, unterschiedliche Charaktere wie Stefan Kretzschmar, Markus Baur, Daniel Stephan, Christian Schwarzer oder Henning Fritz zu einem homogenen Team zu entwickeln. Dieses Team von 2004 entsprach seiner Idealvorstellung, da diese Persönlichkeiten die meisten Dinge unter sich regelten. „Mannschaftssport ist auf Hierarchie angewiesen, ohne Hierarchien funktionieren Mannschaften nicht. Eine Mannschaft, die aus zwölf Gleichen zusammengesetzt ist, kommt nicht weit. Also brauchen wir Spieler, die oben stehen, die Verantwortung übernehmen”, so beschrieb Brand einmal dieses Ideal.


Die Weltmeistermannschaft von 2007 reichte schon nicht mehr an dieses Team von 2004 heran. Dennoch war der 29:24-Finalsieg gegen Polen der handballerische Höhepunkt des Brandschen Schaffens; seitdem ist er der einzige, der als Spieler (1978) und Trainer Weltmeister wurde. Über 21 Millionen Zuschauer verfolgten dieses Finale an den TV-Geräten – und die Kölnarena war ein brodelnder Kessel. Nie davor und danach war Handball in Deutschland populärer – und Brand war das bärtige Gesicht dieses Booms. Mit diesem Titel sah er seine Mission erfüllt, seinen geliebten Sport wieder populär zu machen.


Seither zeigte die Kurve der Nationalmannschaft jedoch nach unten: Platz elf bei der WM 2011 in Schweden war die schlechteste Platzierung einer DHB-Auswahl in der 73-Jährigen WM-Geschichte. Auch das Verhältnis Brands zu seinen Spielern litt. Manch ein Profi beschwerte sich in Jönköping über die mangelnde Selbstkritik Brands, was 2004 niemals vorgekommen wäre. Und manch Experte kritisierte, dass Brand einen anachronistischen Handball spielen lasse.


Schon in Schweden wollte Brand hinwerfen. Er machte weiter und ließ sich zu einer Verlängerung überreden, obwohl er seit Jahren in einer Art Litanei kritisiert, dass ihm die Liga nicht genügend Qualität im Rückraum liefere, also für jenen Bereich, in dem Handballspiele entschieden werden. Nun zieht er einen Schlussstrich, mit der ihm eigenen Konsequenz.


Wer sein Erbe antritt? Genannt werden Martin Schwalb (HSV), Dagur Sigurdsson (Füchse Berlin) und Co-Trainer Martin Heuberger. Brand selbst ist an der Entscheidung beteiligt. Er wird wohl DHB-Sportdirektor.

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