Weltcup-Finale: Mikaela, die Serientäterin

Als Gesamtweltcup-Siegerin steht US-Skistar Shiffrin praktisch fest, beim Weltcup-Finale in ihrer Heimat Colorado kann sie sich feiern lassen. Die AZ stellt die Ausnahmeathletin vor, die mit 22 alles gewonnen hat.
| Simon Stuhlfelner
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In ihrer Paradedisziplin Slalom hat Shiffrin zum vierten Mal den Weltcup gewonnen.
dpa In ihrer Paradedisziplin Slalom hat Shiffrin zum vierten Mal den Weltcup gewonnen.

Siege nimmt Mikaela Shiffrin normalerweise schlicht zur Kenntnis. Ausgelassen jubeln, gar Party machen, das ist nicht das Ding des Skistars aus Vail in Colorado. Am Wochenende, bei ihrem Doppelsieg in Squaw Valley, wo sie in Riesenslalom und Slalom triumphiert hat, war das ein bisschen anders. Bei der Siegerehrung köpfte sie eine Flasche Sekt und spritzte damit ausgelassen durch die Gegend.

Das mag mehrere Gründe gehabt haben. Der erste und wohl wichtigste: Der Sieg im Gesamtweltcup, ihr erster, ist ihr nach diesem fulminanten Wochenende und bei 378 Punkten Vorsprung auf Abfahrtsweltmeisterin Ilka Stuhec (Slowenien) praktisch nicht mehr zu nehmen. Es ist der einzige große Titel, der Shiffrin noch fehlt.

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Der zweite, eher emotionaler Natur: Beim Heimrennen in Squaw Valley kamen tausende Zuschauer, vor allem, um sie siegen zu sehen. "Es ist unglaublich, dass 12 000 Leute zum Zuschauen kamen. In den USA. Das ist so gewaltig", sagte Shiffrin.

Der dritte Grund, persönlicher Natur: Am Montag hatte Shiffrin Geburtstag. Da musste also gefeiert werden, ein bisschen wenigstens. Ansonsten sind Siege für Mikaela, die Serientäterin, Routine geworden. In Squaw Valley holte sie ihren 31. Sieg im Weltcup. In diesem Alter! Shiffrin ist erst 22. Doch wer ist die Frau, die beim Weltcup-Finale in Aspen, zwei Autostunden von ihrer Heimat entfernt, ab Mittwoch im Mittelpunkt stehen wird?

Die AZ stellt den Skistar vor:

IHRE ERFOLGSZAHLEN:
Mit 22 hat Shiffrin praktisch alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Sie war drei Mal Weltmeisterin, zum ersten Mal mit 17. 2014 holte sie Olympia-Gold in Sotschi. Den Slalom-Weltcup sicherte sie sich am Samstag zum vierten Mal, nur Vreni Schneider (Schweiz) hat mit sechs Slalom-Kugeln noch zwei mehr. Schneider (34) und Marlies Schild (35) liegen bei den Weltcupsiegen im Torlauf noch vor Shiffrin (25), die in dieser Saison mit zwölf Slalom-Siegen nacheinander die Bestmarke von Annemarie Moser-Pröll (elf Abfahrtssiege in Serie) geknackt hat. Auch den Rekord für den deutlichsten Torlauf-Sieg der Geschichte hält Shiffrin: 2015 siegte sie in Aspen (USA) mit 3,07 Sekunden Vorsprung auf Veronika Velez Zuzulova (Slowakei). "Sie kann einmal meine Rekorde brechen", meinte Lindsey Vonn. Und Maria Höfl-Riesch merkte fast erleichtert an: "Ich bin manchmal froh, dass ich nicht mehr gegen sie fahren muss."

IHR ERFOLGSGEHEIMNIS:
Sie habe ein "schönes Talent", meint Shiffrin, aber ein Wunderkind sei sie nicht. "Mozart war ein Wunderkind oder Beethoven", sagte die passionierte Klavierspielerin der "Bild am Sonntag". Der Schlüssel zu ihrem Erfolg sei harte Arbeit: "Ich fahre mehr Ski als alle anderen, ich trainiere mehr als alle anderen, ich verbringe mehr Zeit in den Bergen als alle anderen." Den Winter über ist sie fast komplett in Europa, sie trainierte sogar an den Weihnachtstagen. Und: Shiffrin ist Langschläferin, geht regelmäßig um 21 Uhr ins Bett und legt auch gerne ein Nickerchen am Nachmittag ein.

IHRE FAMILIE:
Immer an Mikaelas Seite: Mutter Eileen, die für sie Trainerin, Beraterin und Freundin zugleich ist. "Sie versteht mich, sie weiß, wie ich drauf bin und warum ich so drauf bin, wenn es mir mal schlecht geht", sagte Shiffrin, deren Vater Jeff als Arzt arbeitet. Zu ihrem Team gehören außerdem zwei Trainer, die Physiotherapeutin und ihr Servicemann. Einen Freund hat Mikaela nicht. "Es ist schwierig, jemanden kennenzulernen. Und wenn es jemanden gibt, musst du über Facebook oder SMS eine Beziehung führen", sagte sie der "Bild am Sonntag".

IHR TYP:
Shiffrin mag es nicht, sich künstlich in Szene zu setzen, sie definiert sich über den Sport. Anders als ihre berühmte und extrovertierte Landsfrau Lindsey Vonn, die auch auf den Roten Teppichen und in den Klatschmagazinen zu Hause ist.

IHRE POPULARITÄT:
Richtig berühmt ist Shiffrin nur in Europa, wie sie selbst zugibt. "In Amerika bin ich eigentlich ein Average Joe", sagte sie vor Saisonbeginn, ein ganz normaler Mensch. "Kaum jemand außerhalb meines Heimatortes weiß, was ich so mache." Sie bedauert das manchmal. Aber: "Meiner Privatsphäre hilft das."

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