Viktoria Rebensburg: Rennen wird es geben, zumindest hoffe ich das

Auch der Wintersport steht vor einer ungewissen Zukunft: Im AZ-Interview spricht Skirennläuferin Viktoria Rebensburg (30) über ihre Knieverletzung, Rennen ohne Zuschauer – und die WM in Cortina.
| Interview: Thomas Becker
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Immer am Limit – und manchmal auch darüber hinaus: Viktoria Rebensburg knallt letzte Saison auf der berühmten Kandahar in Garmisch in den Fangzaun und verletzt sich dabei schwer am Knie. Die Saison war gelaufen – jetzt will sie im kommenden Winter wieder angreifen.
imago 2 Immer am Limit – und manchmal auch darüber hinaus: Viktoria Rebensburg knallt letzte Saison auf der berühmten Kandahar in Garmisch in den Fangzaun und verletzt sich dabei schwer am Knie. Die Saison war gelaufen – jetzt will sie im kommenden Winter wieder angreifen.
Bein hoch! Deutschlands aktuell beste Skirennläuferin Viktoria Rebensburg (hier im ZDF-Sportstudio) ist ein gefragter Gesprächspartner.
imago 2 Bein hoch! Deutschlands aktuell beste Skirennläuferin Viktoria Rebensburg (hier im ZDF-Sportstudio) ist ein gefragter Gesprächspartner.

AZ: Frau Rebensburg, erst mal die Corona-Standardfrage: Geht’s gut? Und: Wie fit ist Ihr Knie nach der schweren Verletzung im Februar?
VIKTORIA REBENSBURG: Mir geht’s gut und dem Knie geht es wieder sehr gut. Das ist relativ schnell geheilt.

Bein hoch! Deutschlands aktuell beste Skirennläuferin Viktoria Rebensburg (hier im ZDF-Sportstudio) ist ein gefragter Gesprächspartner.
Bein hoch! Deutschlands aktuell beste Skirennläuferin Viktoria Rebensburg (hier im ZDF-Sportstudio) ist ein gefragter Gesprächspartner. © imago

Was genau war kaputt?
In meinem linken Bein hatte ich eine Impressionsfraktur am Schienbeinkopf und das Innenband war dazu eingerissen. Aber die Reha ist wirklich reibungslos verlaufen, und ich war recht schnell wieder fit, sodass ich nach vier Wochen bereits gut trainieren konnte. Bedauerlicherweise ist mir nach der Reha dann ein kleiner Trainingsunfall passiert: Mir ist die Hantelstange auf den rechten Oberschenkel gefallen, was ein ziemlich starkes Hämatom zur Folge hatte. Das hat sich sechs Wochen hingezogen, viel länger als gedacht. Das verletzte Knie war schon Mitte April wieder gut ausgeheilt.

Skirennläuferin Viktoria Rebensburg ist verletzt

Ausgerechnet der Oberschenkel! Der ist für Skifahrer ja nicht so ganz unwichtig...
Stimmt, die Oberschenkelmuskulatur ist ziemlich wichtig für uns Skifahrer. Seit Mitte Juni kann ich wieder relativ normal trainieren.

Dabei fing die letzte Saison so gut an: Weltcup-Sieg in Lake Louise, dann Anfang Februar der erste Abfahrtssieg überhaupt, auch noch beim Heimspiel auf der Kandahar in Garmisch – am nächsten Tag dann der folgenreiche Crash im Super G. Da war die Saison für Sie beendet – so wie wenige Wochen später auch für die übrigen Kolleginnen. Wie haben Sie den Shutdown erlebt?
Da kam plötzlich eins zum anderen, von Woche zu Woche haben sich die Ereignisse überschlagen. Für mich persönlich war von Vorteil, dass ich den Großteil meiner externen Reha schon vor dem großen Lockdown beendet hatte, so war ich nicht von irgendwelchen äußeren Gegebenheiten abhängig. Was Sport und Training anbelangt, bin ich also relativ normal durch den Lockdown gekommen, nur dass ich eben nicht in der Gruppe, sondern allein trainiert habe. Zu Hause im Keller habe ich einen Kraftraum, wo ich mein Programm gut absolvieren konnte. Das alltägliche Leben war eben wie bei uns allen eingeschränkt.

Was bleibt, ist die große Ungewissheit, wie die kommende Saison aussehen wird. Ein Fakt, der sich auch auf die Motivation auswirkt, oder?
Wir können uns ja glücklich schätzen, dass unsere Saison zum Großteil schon durch war. Die Sommer-Sportler wurden dagegen total ausgebremst, eigentlich schon in Top-Form, aber dann wurde alles abgesagt und niemand wusste, wann es wieder losgeht. Da die Form zu konservieren, stelle ich mir nicht so leicht vor. Bei uns könnte es tatsächlich so sein wie immer: Saisonvorbereitung und dann Start im Oktober in Sölden.

Es bleibt Ihnen ja nichts anderes übrig, als zu trainieren, als würde es ein ganz normaler Winter werden – obwohl man weiß, dass es kein normaler Winter werden wird.
Ich denke schon, dass es Rennen geben wird. Zumindest hoffe ich das! Wie der Ablauf dann ausschaut, steht auf einem anderen Blatt. Da sind wir alle gefordert, sei es nun die FIS, die Veranstaltungsorte sowie die Verbände und auch wir Athleten.

Welche Rennen werden stattfinden?

Gibt es schon konkrete Zusagen der Veranstalter?
Die FIS hat sich dahingehend festgelegt, dass sie den geplanten Weltcup-Kalender für die nächste Saison bestätigt hat. Dazu gibt es nun monatliche Updates. Man ist sich einig mit den Veranstaltern, dass Rennen gefahren werden sollen. Wie dann die Einreisebedingungen in die USA und Kanada sein werden, muss man sehen. Aktuell stelle ich mir das noch ein bisschen schwierig vor. Aber man hat ja in den letzten drei Monaten gesehen, was sich in dem Zeitraum bereits alles zum Positiven verändert hat – und bis zum Saisonstart ist ja noch etwas Zeit.

Wie gehen Sie mit all den Unwägbarkeiten um?
Eigentlich ganz gut. Ich steigere mich da nicht so rein, denn das sind alles Eventualitäten, die passieren können. Man muss vom Kopf und der Einstellung her flexibel sein und abwarten, was passieren wird und sich dann auf die Lage vor dem Saisonbeginn einlassen. Dies ist möglicherweise auch eine Chance für unseren Sport, gewisse Rahmenbedingungen, die aktuell nicht möglich sind, zukünftig anders zu gestalten und sich Gedanken über das Format zu machen, kann ja nur positiv sein.

Geisterrennen sind natürlich nicht sexy, aber im Skirennlauf spielen Zuschauer ja lange keine so große Rolle wie im Fußball oder Tennis, korrekt?
Während des Rennens macht es keinen Unterschied, da wir die Zuschauer bei dem Tempo nicht mitbekommen. Daher ist der Einfluss der Zuschauer im Vergleich zum Fußball oder Tennis auf das Ergebnis sicherlich begrenzter. Jedoch ist es für uns Athleten umso schöner und emotionaler, wenn man ins Ziel fährt und Fans vor Ort sind, die uns zujubeln, insbesondere auch bei Großveranstaltungen wie einer WM oder den Olympischen Spielen. Das ist Teil der Wintersportkultur und aus Erfahrung weiß ich, wie es ist, wenn die Zuschauerränge leer sind.

Die nächste WM soll im Frühjahr in Cortina d’Ampezzo stattfinden und wäre schon Ihre achte Weltmeisterschaft. Wie wichtig ist Ihnen die?
Ich freue mich total auf Cortina. Das ist ein Ort, der Wintersportgeschichte geschrieben hat, der Flair hat und superschöne Strecken. Deswegen hoffe ich, dass die WM nächstes Frühjahr auch stattfindet und da alles glattgeht.

Wie sieht Ihr Programm für den Rest des Sommers aus?
Am 9. Februar bin ich zum letzten Mal auf Skiern gestanden, deswegen ist jetzt das nächste Ziel, wieder regelmäßig auf die Skier zu kommen, um wieder ein Gefühl für Material und Schnee zu entwickeln.

Aber es gibt kein Training in Übersee heuer?
Nein, aktuell weiß man noch nicht, ob und wie das da funktioniert. Zuerst trainieren wir am Stilfser Joch, dann in Saas-Fee, und was danach kommt, wird sich zeigen. Derzeit kann man einfach nicht so weit im Voraus planen – aber das ist ja auch mal ganz gut.

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