Skiflug-WM: Norweger Tande springt in der Qualifikation zum Schanzenrekord

Auf den Tiefpunkt im Juli folgten viele Überraschungen zu Beginn des Winters: Die deutschen Skispringer sind auch ohne Severin Freund konkurrenzfähig. Bei den Großereignissen wollen sie auchso liefern. In der Quali zur Skiflug-WM legt ein Norweger vor.
| dpa
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Daniel Andre Tande aus Norwegen hat bei der Skiflug-Weltmeisterschaft in Oberstdorf schon einmal vorgelegt.
Karl-Josef Hildenbrand/dpa Daniel Andre Tande aus Norwegen hat bei der Skiflug-Weltmeisterschaft in Oberstdorf schon einmal vorgelegt.

Oberstdorf - Der Norweger Daniel Andre Tande hat bei der Skiflug-WM in Oberstdorf schon in der Qualifikation für das erste Highlight gesorgt.

Mit 238,5 Metern gelang dem 23-Jährigen am Freitag auf der Heini-Klopfer-Skiflugschanze ein Schanzenrekord. Der Pole Kamil Stoch (232 Meter) und der Norweger Andreas Stjernen (217 Meter) zeigten ebenfalls starke Flüge bei der Vorausscheidung.

Das deutsche Quartett ist für den Wettkampf am Samstag geschlossen qualifiziert. Bester DSV-Adler war in Abwesenheit des weiterhin kranken Bundestrainers Werner Schuster Rückkehrer Richard Freitag, der mit 219,5 Metern Rang sechs belegte. Auch Andreas Wellinger (16.), Markus Eisenbichler (19.) und Stephan Leyhe (20.) sind dabei.

Gestürzter Hayböck steigt aus

Der Österreicher Michael Hayböck stieg nach seinem Sturz im ersten Durchgang der Skiflug-WM aus dem Wettbewerb aus. Zwar belegte der 26-Jährige trotz seines Sturzes Rang 28, doch zog er sich dabei eine Verletzung am linken Ellbogen zu. Hayböck war nach dem Aufsprung zu Fall gekommen und hatte damit für eine kurze Schrecksekunde in Oberstdorf gesorgt. Der Österreicher konnte aber sofort wieder aufstehen und selbständig aus dem Auslauf gehen.

DSV-Adler planen den Coup ohne Freund 

Die Mission Olympia-Gold und Edelmetall bei der Skiflug-WM im eigenen Land muss Werner Schuster ohne seinen wichtigen Eckpfeiler meistern. Ein halbes Jahr nach einem weiteren Kreuzband-Schock von Vorzeige-Athlet Severin Freund hat der Österreicher die DSV-Adler aber so weit auf Kurs gebracht, dass auch ohne den Doppel-Weltmeister von 2015 die ganz großen Triumphe in diesem Winter möglich sind.

"Mir ist vor den Großereignissen nicht bange. Unser Team funktioniert gut, wir wollen um die Medaillen mitspringen", kündigte Trainer Schuster an. Blickt man auf die bisherigen Ergebnisse im Olympia-Winter, haben vor allem Richard Freitag und Andreas Wellinger das langfristige Fehlen des Teamkapitäns bestens kompensiert.

Zwölf Einzel-Podestplätze haben der 26-jährige Sachse und sein 22 Jahre alter bayerischer Kollege bis zur Saisonmitte gemeinsam realisiert, bis zur Vierschanzentournee führten sie den Gesamtweltcup als Doppelspitze an. "Dass ich so schnell in die Rolle springen kann, hätte ich selbst nicht gedacht", sagte Wellinger, nachdem er bei der Tournee Gesamtplatz zwei belegte und den in Innsbruck gestürzten Freitag beim Tournee-Finale bestens vertrat.

Freitag: "Ich mache das ganz ruhig"

Der Weg zum erneuten Team-Gold bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang ist ein steiniger, auch Freitag klagt Wochen nach seinem Aufprall noch über Schmerzen in der Hüfte und im Knie. "Ich mache ganz ruhig. Das war jetzt der erste Sprung nach dem Sturz, der auch ganz anders hätte ausgehen können. Von dem her bin ich froh, dass ich da bin", sagte der Neu-Oberstdorfer zum Start der Skiflug-WM.

Der Skisprung-Weltcup kennt im Olympia-Winter keine Pause. Zwei Wochen liegen zwischen Tournee und Flug-WM, drei Wochen zwischen Flug-WM und Olympia-Start. "Die reine Fokussierung auf Olympia ist im Skisprung nicht möglich", bekannte Schuster. Zu wichtig sind die Großereignisse, die Freitag und Co. zuvor erwarten.

"Da können wir es uns gar nicht leisten, nicht dabei zu sein. Skispringen ist eine Verzahnung aus Technik, Material, Selbstvertrauen, Psychologie", erklärte der Bundestrainer. Das ursprüngliche Ziel, von Anfang an in den Top 15 zu sein, haben Freitag, Wellinger und auch Markus Eisenbichler als dritter Mann von Anfang an übertroffen.

Schuster: "Unsere Breite ist echt super"

Auf dem Weg nach Pyeongchang sind sowohl Fahrplan als auch Besetzung klar. Hinter dem DSV-Toptrio werden der Oberstdorfer Karl Geiger und der Willinger Stephan Leyhe mit nach Südkorea reisen. Die beiden Athleten kämpfen wohl um den vierten Platz im Mannschaftsspringen und damit die größte Chance auf olympisches Edelmetall.

"Unsere Breite ist echt super. Aber auch da ist noch nicht alles Gold, was glänzt", sagte Schuster. Hinter seinen fünf Top-Leuten gehen die Alternativen aus, weshalb sich vor Olympia besser keiner mehr schwer verletzt. Ein freies Wochenende gibt es vor den Spielen in Südkorea nicht mehr.

Auf die Flug-WM folgt der Weltcup im polnischen Zakopane, am letzten Wochenende vor Pyeongchang sind die DSV-Adler im heimischen Willingen gefordert. Zwischen den letzten Sprüngen in Mitteleuropa und der Olympia-Quali in Pyeongchang liegen dann gerade einmal vier Tage.

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