Neuners Frust in Korea

Vom Bundestrainer ausgebootet, von der Stimmung genervt. Der 22-Jährigen macht diese Biathlon-WM überhaupt keinen Spaß.
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Über die 15 Kilometer nicht nominiert: Biathlon-Superstar Magdalena Neuner.
dpa Über die 15 Kilometer nicht nominiert: Biathlon-Superstar Magdalena Neuner.

PYEONCHANG - Vom Bundestrainer ausgebootet, von der Stimmung genervt. Der 22-Jährigen macht diese Biathlon-WM überhaupt keinen Spaß.

Den Werbespot mit Magdalena Neuner sollten sie schnell aus dem Programm nehmen. Der, wo die Biathletin für eine Telefon-Auskunft in die Kamera schießt und sagt: „Null, wie null Problem.“ Neuner hat nämlich im Moment viele Probleme, bei der WM in Südkorea. Der neue Tiefpunkt: Eine Zwangspause beim Einzelrennen über 15 Kilometer (Mittwoch 10.15 Uhr, ARD live). Denn Trainer Uwe Müssiggang bootete Neuner kurzerhand aus.

Schon die gesamte WM in Südkorea verläuft für die Wallgauerin frustrierend. Achte im Sprint, Elfte im Verfolgungsrennen, mit vielen Fehlern am Schießstand, aber auch ohne überragende Laufleistung wie sonst. Dazu kommt auch noch die grausige Stimmung vor der Geisterkulisse auf den leeren Tribünen. „Vor so wenig Zuschauern bin ich ja selbst im Weltcup noch nie gelaufen“, klagte die 22-Jährige, „da kommt keine WM-Stimmung auf. Es ist alles ein bisschen gedrückt, wir hatten ja nicht einmal eine Eröffnungsfeier.“

Das miese Wetter passt zu Neuners schlechter Laune. Was auch einen ganz persönlichen Grund hat. Denn obwohl sie im Weltcup das Rote Trikot der Führenden in der Einzelwertung trägt, strich sie Müssiggang aus dem Team. „Die Summation der Wettkämpfe ist eine große Belastung.“ Dafür starten nun Sprint-Weltmeisterin Kati Wilhelm, Martina Beck, genau wie Andrea Henkel, bei der sich im Trockentraining ein Schuss aus der Waffe gelöst, die Wand und ein kleines Regal durchschlagen hatte. „Ich bin wirklich überglücklich, dass da niemand stand“, sagte Henkel, die wegen des Malheurs für das Verfolgungsrennen disqualifiziert worden war. Vierte Läuferin wird Kathrin Hitzer sein, der erste WM-Einsatz für die Freundin von Michael Greis. „Ich gönne es ihr“, sagte Neuner, „die sitzt ja schon da und dreht Däumchen.“

Sie selbst sitz meist bei Reha-Maßnahmen, soll mit Akupunktur, Massagen und viel Ruhe in WM-Form gebracht werden. „Ich habe noch nie ein 15-Kilometer-Rennen bei einer WM bestritten und wäre gerne gelaufen“, sagte Neuner missmutig. Und bemühte sich, Contenance zu bewahren. „Aber wir haben sechs starke Mädels im Team. Wenn ich mir ein Rennen hätte aussuchen können, auf das ich bei der WM verzichten muss, dann wäre es ohnehin der 15er gewesen, ich kann es verkraften, wenn ich einmal nicht dabei bin.“

Immerhin hat Neuner doch noch eine Chance, wie 2007 in Antholz und 2008 in Östersund drei WM-Titel zu holen. Donnerstag läuft sie in jedem Fall in der Mixed-Staffel, am Wochenende noch in Staffel und im Massenstart. Dann wird die Laune vielleicht wieder besser. Schlechter geht’s ja kaum. Null wie null Spaß.

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