Mixed-Staffel: Gold im Trösten

Zum Auftakt der Biathlon-WM in Ruhpolding liegt die deutsche Mixed-Mannschaft auf Goldkurs – doch dann patzt Arnd Pfeiffer. Magdalena Neuner nimmt es gelassen: „Super, wir haben Bronze!“
| Thomas Becker
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Ruhpolding - Seine vierte Mixed-Staffel bei einer Weltmeisterschaft wird Arnd Peiffer noch eine Weile in Erinnerung bleiben. Gold, Silber und Bronze hatte der Biathlet seit 2009 schon gewonnen, als er nun zum Auftakt der Heim-WM mit einem komfortablen 58-Sekunden-Vorsprung als Schlussläufer in die letzte Runde ging. Doch statt Gold wurde es am Ende Bronze – wenigstens das, meinte der Unglücksrabe hinterher: „Ich bin nur froh, dass ich das Medaillenziel von der Magdalena nicht zerstört habe. Das war meine größte Sorge."

Platz drei hinter Titelverteidiger Norwegen und dem Überraschungs-Zweiten Slowenien – eine Bronzemedaille, die zwischenzeitlich recht gülden schmeckte. Andrea Henkel hatte mit drei Nachladern recht schwach begonnen, Magdalena Neuner sich mit einer fabelhaften Leistung auf Rang zwei heran gekämpft, bevor Andreas Birnbacher das Quartett mit zwei fehlerfreien, sensationellen Hochfrequenz-Schussfolgen auf Rang eins katapultierte. Doch dann spielte die tief stehende Nachmittagssonne dem armen Arnd Peiffer einen Streich, blendete ihn ausgerechnet beim letzten Schießen vor dem schon sicher geglaubten Gold und bescherte ihm vier Fehlschüsse samt einer Strafrunde, die die Konkurrenz zum Überholen nutzte. Altmeister Fritz Fischer meinte mitleidig: „Das ist das Schlimmste, was dir als Schlussläufer passieren kann."

Entsprechend frustriert war der Mann aus Zella-Mehlis: „Es war reines Glück, dass ich überhaupt irgendwas getroffen habe“, meinte der 24-Jährige, „die Sonne hat mir genau ins Visier rein geblendet. Ich hätte auch alle fünf daneben schießen können. Heute war mehr drin. Die anderen haben mir so einen großen Vorsprung mitgegeben. Klar ist eine Medaille schön, aber wenn man so nah an Gold dran ist, tut es ein bisschen weh. Mit Bronze sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen.“

Doch der Sonnenschein des Teams wollte erst gar keine schlechte Laune aufkommen lassen. „Klar ärgert das einen im ersten Moment, aber es ist keiner hier, dem das noch nicht passiert ist", sagte Magdalena Neuner: „Wir haben versucht, Arnd zu trösten und gesagt: Super, wir haben Bronze gewonnen." Auch einer verpassten Goldmedaille vermag die 24-jährige Alles-Gewinnerin noch etwas Positives abzugewinnen: „Das ist meine erste Bronze-Medaille überhaupt bei einer WM! Mal was Neues für die Sammlung. Und ich hoffe, dass ich bald noch eine Goldene umhängen haben werde." Es wäre ihre elfte WM-Goldene.

Außer Konkurrenz gewann sie gestern jedenfalls schon mal Sympathien für die Art, wie sie mit Pfeiffers Patzer umging: Gold im Trösten.

Kurios am Rennausgang: Die Norweger kamen zwar nur als Zweite ins Ziel, standen aber am Ende ganz oben auf dem Podest – sie bekamen eine Zeitgutschrift von 30 Sekunden, weil ein Treffer von Ole Einar Björndalen nicht gewertet worden war und dieser daraufhin eine überflüssige Strafrunde gedreht hatte. Der 38-jährige Oldie Björndalen nahm's gelassen – es war bereits seine 17. Goldmedaille bei einer WM.

Diesen Rekord wird Magdalena Neuner nicht mehr knacken. Während Björndalen noch lange nicht aufhören will, ist für Neuner in ein paar Wochen Schluss mit der Medaillenjagd. Ihr Sechs-Medaillen-Ziel ist immer noch erreichbar. Bester Laune sagte sie: „Wir haben die erste Medaille gewonnen. Das war ein guter Start. Jetzt fangen wir an zu sammeln.“

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