Josef Ferstl: Ich bin trotzdem noch der Pepi

Im AZ-Interview spricht Streif-Sieger Josef Ferstl über die Feier danach und die Vergleiche mit dem Vater: "Für mich ist dieser Sieg mehr wert als eine Medaille bei einem Großereignis – wegen der Familienstory".
| Thomas Becker
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Gewann den Super-G auf der Streif: Josef Ferstl
Herbert Neubauer/APA/dpa Gewann den Super-G auf der Streif: Josef Ferstl

Josef "Pepi" Ferstl hat am Sonntag den legendären Super-G auf der Streif in Kitzbühel gewonnen. Schon sein Vater Sepp siegte dort 1978 und 1979. Die AZ hat mit dem Traunsteiner gesprochen.

AZ: Herr Ferstl, wie war’s im "Londoner"? In dem legendären Pub stehen Kitzbühel-Sieger ja traditionell hinterm Tresen, meist mit nacktem Oberkörper...
JOSEF FERSTL: Sonntags ist da nicht mehr so viel los, und ich war an dem Abend ja noch beim Bayerischen Rundfunk in Blickpunkt Sport. Da habe ich Backstage mit ein paar Freunden noch ein Bier getrunken – das war’s dann mit der Feier.

Die Tage nach einem Sieg in Kitzbühel sind sicher stressig, oder?
Das war jetzt ein schöner Stress. Am Tag danach habe ich schon viel telefoniert, Fragen und Mails beantwortet und bin abends noch zu Servus TV nach Salzburg gefahren. Da ist es ziemlich spät geworden. Am Dienstag dann eine kurze Trainingseinheit, noch ein bisschen Zeit für Kinder und Familie – und dann nach Garmisch, zum nächsten Weltcup.

Ferstl: "Kitzbühel mit seiner eisigen Strecke liegt mir einfach"

Der Sieger von Kitzbühel bekommt als Siegerpokal eine ziemlich hohe, stilisierte Gams. Haben Sie daheim schon einen Platz für die gefunden?
Noch nicht. Momentan steht die noch ganz ungeniert auf dem Esstisch. Aber meine Frau hat gleich gesagt: "So, jetzt hat sich das auch erledigt." Wir haben nämlich eine Wand im Wohnzimmer, bei der wir nicht wissen, was wir mit der anstellen sollen. Da kommt jetzt die Gams hin und fertig, in eine Aussparung, damit die Kinder nicht dagegenrumpeln.

Recht rumpelig ging es auf der Streif zu, wie erging es Ihnen nun im Training auf der Kandahar in Garmisch?
Das ist schon anders. Kitzbühel war eisig und unruhig, hier findet man eine super präparierte Abfahrt vor, mit griffigem Schnee, ohne Schläge – gut zu fahren. Beim ersten Training bin ich noch mit dem Set-up von Kitzbühel gefahren, aber das war zu sehr auf Eis gestimmt: zu hart. Das muss ich nun zurückschrauben. Sonst fährt mir der Ski zu früh in die Kurve.

Wie viel Selbstvertrauen und Sicherheit gibt einem so ein Sieg in Kitzbühel?
Ich habe auch in den Rennen davor gute Platzierungen gehabt. Meist war dann ein grober Fehler dabei, der mir das Top-Ten-Ergebnis versaut hatte. Aber Kitzbühel mit seiner eisigen Strecke liegt mir einfach. Aber das ist jetzt vorbei, und nun kommt das nächste Rennen. Das hört sich jetzt blöd an, ist aber einfach so. Aber klar: Ich bin gut drauf.

Ferstl: "Wir haben gesehen, dass ich Rennen gewinnen kann"

Wie hat Ihr Team reagiert?
Ich bin trotzdem noch der Pepi und nicht der Hahnenkamm-Sieger. Wir haben eine Gaudi, spielen immer noch Karten. Ich fühle mich total wohl in der Gruppe.

Und die Rolle als "der Sohn von" sind Sie nun endlich auch ein Stück weit los, oder?
Das ist natürlich die Story schlechthin. Beim Felix Neureuther war’s ja genauso. Man sieht immer die Gams beim Vater daheim stehen. Kitzbühel ist einfach DAS Rennen. Für mich ist dieser Sieg mehr wert als eine Medaille bei einem Großereignis – wegen der ganzen Familienstory, die dahinter steckt. Das war nicht immer einfach. Man nimmt sich schon mehr vor, weil es Kitzbühel ist. Aber dieses Jahr war es anders, weil der Fokus auf Thomas Dreßen lag, obwohl er verletzt ist. Und ich hab’ mein Ding gemacht. Das war ehrlich verdient, mit Startnummer eins, ohne jegliche Info vorab.

Und den Sieger-Besuch im "Londoner" holen Sie dann nächstes Jahr nach, oder? Nach der Abfahrt.
Eigentlich ist das Thema abgehakt, da brauchen Sie jetzt gar keinen Druck aufbauen! Klar, ein Abfahrtssieg wäre der Hammer, aber nichtsdestotrotz bin ich stolz auf meinen Sieg im Super-G. Das ist schon alles gut gelaufen so. Wenn ich den Super-G am Freitag gewonnen hätte, wäre ich am Abend vor der Abfahrt auch nicht groß feiern gegangen: zu gefährlich.

In Garmisch auf der Kandahar heißt der letzte deutsche Sieger Markus Wasmeier. 1992 war das. Höchste Zeit für einen neuen DSV-Sieger, oder?
Der hat dafür aber keinen Kitzbühel-Sieg! Nein, im Ernst: Wir haben gesehen, dass ich Rennen gewinnen kann. Ich habe noch nicht das Selbstverständnis, Seriensieger zu sein. Aber das kann ja noch kommen – ich bin ja noch jung.

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