Die Königin von Olympia: So tickt Biathlon-Qeen Laura Dahlmeier

Laura Dahlmeier triumphiert auch in der Verfolgung und gewinnt bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang ihre zweite Gold-Medaille. "Diese Perfektion habe ich in der Art noch nicht gesehen".
| Matthias Kerber
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Sie überragt bei Olympia bislang alles: Laura Dahlmeier.
dpa Sie überragt bei Olympia bislang alles: Laura Dahlmeier.

Pyeongchang - Als Laura Dahlmeier den letzten Schuss abgefeuert hatte und die Scheibe fiel, da huschte ein Lächeln über das Gesicht der 24-Jährigen. Sie wusste: Da ist das Ding! Das zweite Gold in ihrem zweiten Rennen, mit dem sich Dahlmeier bereits jetzt als Biathlon-Queen von Pyeongchang schmücken kann.

Also machte sie sich auf den Weg Richtung Ziel beim Verfolgungsrennen. Es war ein Triumphzug für Dahlmeier, die nur 24 Stunden zuvor bereits im Sprint eine (Gold-)Klasse für sich gewesen war. Die Zuschauer standen an der Strecke Spalier, huldigten der Königin, die sich auf der Zielgeraden die deutsche Flagge schnappte. Der goldene Schaulauf in Schwarz-Rot-Gold. Und das vor den Augen der angereisten Eltern.

"Es war ein richtig, richtig hartes Rennen, unfassbar! Meine Finger sind gerade aufgetaut, das waren Schmerzen, schlimmer als in jedem Rennen zuvor. Es war abartig", sagte die frierende Dahlmeier nach ihrem Coup. Sie war so mitgenommen, dass sie sich hinlegen musste, den geplanten Auftritt im ZDF absagen musste. Ein Späßchen ließ sie sich aber nicht nehmen. "Vielleicht gewinne ich ja sogar siebenmal Gold", meinte sie lachend: "Ups, es sind ja nur sechs Rennen."

"Laura überstrahlt wieder alles"

Aufgeben, einknicken, sich von irgendwelchen Widrigkeiten aufhalten lassen - das gibt es nicht in Dahlmeiers Erfolgskosmos. Bundestrainer Gerald Hönig hatte nach dem perfekten Rennen seiner Ausnahmekönnerin Tränen in den Augen und sagte: "Laura überstrahlt wieder alles. Was Laura hier an Biathlon in Perfektion zeigt, habe ich in der Art und Weise noch nicht gesehen. Sie ist einfach professionell bis in die Haarspitzen."

"Keine andere kann derart an die eigenen Grenzen gehen", sagt Biathlon-Ikone Fritz Fischer, selber Staffel-Olympiasieger 1992 in Albertville, der AZ. Legendär auch die Worte von DSV-Teamarzt Klaus-Jürgen Marquardt: "Wie sagt der Opa? Sie ist ein zähes Luder."

Doch was genau macht Dahlmeier so stark?

Die Familie Dahlmeier

Dahlmeier stammt aus Garmisch-Partenkirchen. Die Eltern Andreas und Susi Dahlmeier waren beides in den 90er-Jahren Mountainbiker. Heute ist der Papa Bereitschaftsleiter der örtlichen Bergwacht, die Mama hat im Ort einen eigenen Schmuckladen: "Susis Schmuckwerkstatt".

Mit sieben Jahren hatte Laura erstmals ein Biathlon-Gewehr in der Hand, doch da gehörte ihre Liebe noch dem Skifahren. Als sie zu Weihnachten mal Langlauf-Ski bekam, war sie sauer aufs Christkind. "Da muss sich das Christkindl verflogen haben. Die kann's wieder mitnehmen", erzählt die Mama die Anekdote gerne.

Doch da war Laura schon vom Biathlon-Virus infiziert. Jeden Morgen vor der Schule schoss sie auf kleine Punkte am Schrank. Mit einer unerschöpflichen Ausdauer und Disziplin. "Sie hat einen Biss, unglaublich", sagt Fischer. Noch heute wohnt Laura im Haus der Eltern, hat dort ein separates Apartment.

Individualität

Dahlmeier ist eine etwas andere Athletin. Sie absolviert schon mal zwischen zwei Trainingstagen einen Paragliding-Sprung. Die Zolloberwachtmeisterin schottet ihr Privatleben ab. "Homestories, etwa ich auf dem Sofa, wird es nie geben. Ich mache den Sport, weil ich ihn liebe, nicht, weil ich will, dass Fans an meiner Haustür klingeln. Privatsphäre ist mir wichtig", sagt Dahlmeier, die daher auch nicht ausschließt, dass sie ihre Karriere in gar nicht so ferner Zukunft beenden wird. "Es gibt so viel, was ich noch erleben will."

Das macht Laura Dahlmeier abseits des Sports

Dahlmeier tankt Kraft in den Bergen. Klettern, Mountainbiken, ein Hüttenabend mit Freunden, das ist ihre Welt. Ihre extremen Bergtouren sind von den Trainern gefürchtet. Mont Blanc, Matterhorn, El Capitan im Yosemite-Nationalpark, Cordillera Blanca in Peru, Nepal. 2014 stürzte sie im Zugspitzmassiv 15 Meter in die Tiefe, zog sich einen Bänderriss zu.
Extreme Bergtouren - das ist Laura Dahlmeiers Hobby. (Foto: privat)

"In den Bergen steht mehr auf dem Spiel als beim Biathlon, wo es darum geht, ob der nächste Schuss sitzt", sagt Dahlmeier, "es geht um Leben und Tod, das verändert die Prioritäten." Dahlmeier hat sich auf den Schaft ihrer Waffe ihren Leitspruch gravieren lassen. "Scheiß da nix, dann feid da nix." Frei übersetzt: "Mach dir keine Sorgen, dann passiert dir auch nix." Das Credo der Schneekönigin von Pyeongchang.

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