Robert Harting: Der Berliner Bär – ein sanfter Riese

Robert Harting hat viele Gesichter. So wild wie er aussieht, ist er nicht – zumindest nicht immer.
| Thomas Becker
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Mit rechts werfen, mit links pinseln: Der sanfte Riese Robert Harting entspannt sich gern mit ein wenig Malerei.
Imago Mit rechts werfen, mit links pinseln: Der sanfte Riese Robert Harting entspannt sich gern mit ein wenig Malerei.

Dass ausgerechnet Robert Harting das Missgeschick mit der verlorenen Akkreditierung passierte, überrascht nicht. Harting ist der etwas andere Athlet, abgesehen von seiner Erscheinung. Warum Harting, der Berliner Bär, aus der Masse heraussticht:

Der Lautsprecher: Als Harting für Olympia packte, nahm er auch ein Hemd mit dem Aufdruck „Große Klappe, große Weite“ mit. Er weiß um seinen Ruf als Großmaul, kokettiert damit. Manchmal springt er aber auch mit beiden Beinen in den Fettnapf. So geschehen bei der Heim-WM 2009 in Berlin: DDR-Dopingopfer hatten im Stadion Brillen verteilt mit der Aufschrift „Ich will das nicht sehen“, als Protest gegen Doping. Harting sagte: „Ich hoffe, wenn der Diskus aufkommt, dass er dann nochmal Richtung Brillen springt. Dann gibt’s wirklich nichts mehr zu sehen.“ Nun kritisierte er das deutsche Sportsystem: „Wir vergleichen uns in der Wirtschaft mit sämtlichen Ländern, sind für den Euro immens wichtig, setzen politisch Maßstäbe. Warum sollen wir uns nur in der Sportförderung nicht mit anderen vergleichen dürfen? Jeder redet über Geld, aber wenn Sportler es tun, bekommen sie einen übergezogen.“

Das Sensibelchen: Stabil und sicher wie Fort Knox wirkt der Zwei-Meter-Mann – ein Trugschluss. Unlängst sprach er von Burnout und sagte Sätze wie diesen: „Ich brauche den Erfolg, um mich selbst ertragen zu können.“ Die Trennung von Jugendliebe Kay, einer blonden Stewardess, mit der er fast zehn Jahre zusammen war, nahm ihn vor zwei Jahren gewaltig mit.

Der Soldat: Harting ist Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Berlin. Monatssold: 1800 Euro. Manchmal holt ihn das Soldatenleben ein. So wie im Mai 2011. Er auf dem Weg zu einem Fototermin, als er im Radio die Nachricht von einem gefallenen Bundeswehrsoldaten hörte. „Ich habe den Sender umgestellt, doch dann kam die Nachricht wieder. Dann habe ich das Radio abgestellt. Kurz darauf bekam ich einen Anruf, dann war klar, dass es sich um meinen Kameraden handelte“, erzählte Harting, der den WM-Sieg von Daegu dem Gefallenen widmete. „Ich war noch nie bei einer Beerdigung. Eine schlimme Erfahrung.“

Der Maler: Den Diskus hält er mit rechts, den Pinsel mit links. Seit ein paar Jahren malt Harting, der seit zwei Jahren an der Berliner Universität der Künste Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert. „Kunst ist mein Ding“, sagt Harting, „in meinen Bildern kann ich mich prima ausdrücken.“

 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren