Er stößt für die tote Oma

Zum Auftakt der Leichtathletik-Wettbewerbe will David Storl eine Medaille im Kugelstoßen holen. Kurz vor Olympia haben er und die Kanutin Carolin Leonardt ihre Liebe öffentlich gemacht.
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LONDON Gut, dass David Storl ganz sicher nicht zu schmale Schultern hat. Lastet doch auf dem erst 22 Jahre alten Kugelstoßer der Druck, die Leichtathletik-Wettbewerbe bei Olympia gleich mal mit einer Goldmedaille fürs deutsche Team zu beginnen. Gleich in der ersten von 47 Entscheidungen geht es am Freitagabend rund im Ring. Weltmeister Storl kann, trotz hammerharter Konkurrenz, wie vor einem Jahr in Daegu/Südkorea sogar Gold holen.

Mach’s nochmal, David, werden sich die Kollegen auf der Tribüne denken. „David Storl strahlt großes Selbstvertrauen aus. Er weiß, was er kann”, sagte Thomas Kurschilgen, Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), und verriet: „Er hat ein fantastisches Abschlusstraining absolviert.”

Sein größter weiblicher Fan muss dann kommenden Mittwoch ran. Carolin Leonhardt, seine Freundin. 2004 wurde die 27-Jährige schon Olympiasiegerin im Vierer-Kajak und möchte den Erfolg gerne wiederholen. Doch am Freitag wird sie erstmal ihrem Freund die Daumen drücken – wenn auch nicht live im Stadion. Erst wenige Tage vor Olympia haben Leonhardt und Storl ihre Liebe öffentlich gemacht, dabei sind die beiden schon seit über zehn Monaten zusammen. Kennengelernt haben sich die 64 Kilo leichte und 1,74 Meter große Kanutin und der Schwerathlet (1,99/126) beim traditionellen Treff erfolgreicher Sportler nach der Saison in der Türkei. „Dort haben wir viel Zeit gemeinsam verbracht und ich spürte von Tag zu Tag, dass da mehr ist, als sich immer nur an der Bar zu treffen”, erzählte Leonhardt im Interview der „Berliner Morgenpost” und lobte Storl als „sensibel, einfühlsam, unheimlich rücksichtsvoll und respektvoll”.

Der Kugelstoßer hat sich zuletzt zurückgezogen, zumal seine Oma Adelheid vergangene Woche mit 64 an einem Hirnschlag verstorben ist. Eine mögliche Medaille will er ihr widmen. Der Chemnitzer, laut Europameisterin Nadine Kleinert ein „Jahrtausendtalent”, ist Weltmeister und Europameister. Aber: In der diesjährigen Bestenliste liegt er mit seinen 21,58 Metern nur auf Rang fünf hinter den US-Assen Christian Cantwell (22,31), Reese Hoffa (22,00) und Ryan Whiting (21,66) sowie Olympiasieger Tomasz Majewski aus Polen (21,60). „Der Blick in die Weltjahresbestenliste”, schreibt das Fachportal leichtathletik.de, „wäre eigentlich furchteinflößend”. Doch das Ganze relativiere sich schnell, wenn man bedenke, dass die Amerikaner zuletzt vor 52 Jahren alle drei Medaillen abgeräumt hätten. „Ich bin überzeugt, dass David einen ausgezeichneten Wettkampf abliefern wird”, sagte Sportdirektor Kurschilgen. „Er ist mit seinen jungen Jahren schon ein ganz abgeklärter Athlet.” Leonhardt meinte: „22 Meter kann er schaffen, wenn alles passt. Was das letztlich wert ist, wird man sehen. Es wäre traumhaft, wenn es zu Gold reichen wird.”

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