Diva-Drama: Friedrichs pinker Flop

Nach Verletzung, Katzenbiss und Stalker-Affäre scheitert Deutschlands beste Hochspringerin schon im Vorkampf.
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Nach Verletzung, Katzenbiss und Stalker-Affäre scheitert Deutschlands beste Hochspringerin schon im Vorkampf

LONDON Ariane Friedrich schrie, sie hob den Arm, sie winkte, sie verbeugte sich.

So, wie sie es immer getan hatte, wenn die Hochspringerin ihrer Konkurrenz davon geflogen war. Doch hier in London, da verabschiedete sich die Polizei-Kommissarin mit den pinken Haaren. Abschied aus dem Bewerb, bei dem sie – trotz persönlicher Jahresbestleistung (1,93 Meter) – das Finale als Vierzehnte knapp verpasste hatte.

Abschied von Olympia. Abschied von einem Traum. Ihrem olympischen Traum. Den hatte sie vier Jahre direkt unter ihrem Herzen getragen. Nach den Spielen 2008 in Peking, wo sie Siebte geworden war, hatte sich die damals 24-Jährige die Olympischen Ringe eintätowieren lassen. Als ewige Erinnerung, dass es in London besser gehen sollte. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit der schrillen Hochsprung-Diva. Ein Achillessehnenriss, für Springer mit die schlimmste Verletzung, hatte sie zurückgeworfen, es folgte die Stalker-Affäre um einen Mann, der ihr im Internet Bilder seiner Geschlechtsteile geschickt hatte, dann ein schwerer Katzenbiss in die Hand, der sich entzündete, ein Magen-Darm-Virus, der sie die Teilnahme an der EM in Helsinki kostete. Nun das Aus in London. Ein Aus, das für Friedrich auch ein Sieg ist.

„Ich habe hier meine Bestleistung gebracht. Ich kann mir hier wirklich nichts vorwerfen. Aber es ist nicht leicht. Mir hat ja eh keiner mehr was zugetraut. Ich muss mich auch erst daran gewöhnen, dass ich jetzt mit Höhen zu kämpfen habe, die ich früher aus dem Effeff beherrscht habe”, sagte Friedrich, die mit 2,06 Metern den deutschen Rekord hält und die sich die Eröffnungsfeier im Trainingslager in Kienbaum im Fernsehen angesehen hat. „Spätestens da hat auch in mir die Olympische Flamme wieder gebrannt, da wusste ich, Olympia war all die Mühen, all die Schmerzen wert”, sagte Friedrich, „ich bin froh, dass ich es zu Olympia geschafft habe, das war keine Extrawurst an mich.” Vor den Spielen hatte es heftige Kritik daran gegeben, dass Friedrich, die die Olympianorm nicht übersprungen war, trotzdem für die Spiele nominiert wurde. Deutschlands Hochsprung-Ikone Ulrike Nasse-Meyfarth hatte etwa gesagt, dass „man nach Leistung nominieren” sollte.

Und Leistung hat die nach außen zwar oft konfrontativ auftretende, aber im Innersten zutiefst sensible Athletin gebracht. „Ich bin sicher im Moment weder mental noch physisch ganz oben, aber ich komme dem näher”, sagte sie. Ihr Trainer und Manager Günter Eisinger war in den letzten Monaten, in denen Friedrich teilweise nicht über 1,84 Meter hinauskam, mindestens so sehr als Psychologe wie als Trainer gefragt. „Viele Experten haben mir gesagt, Ariane sollte an den Spielen nicht teilnehmen, mit so einer Verletzung könne man nicht mehr höher als 1,90 springen. Aber wir wussten, dass wir das mit Geduld schaffen”, sagte er, „sie hat gezeigt, dass sie nach Olympia gehört, wir werden den Weg weitergehen und irgendwann werden wir auch wieder an die zwei Meter herankommen.”
Dann würde sie sich auch wieder mit ihrer Verbeugung verabschieden können. Dann wohl wieder als Siegerin. 

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