"Weltmeister? Warum nicht"

Die Silberpfeile und die Roten sollen in diesem Jahr ihr weiß-blaues Wunder erleben: Mit einer klaren Zielsetzung und einer deutlichen Kampfansage hat BMW-Sauber am Dienstag in Valencia das neue Auto präsentiert.
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Robert Kubica und Nick Heidfeld mit ihrem neuen, ziemlich nackerten, BMW-Sauber-Flitzer.
dpa Robert Kubica und Nick Heidfeld mit ihrem neuen, ziemlich nackerten, BMW-Sauber-Flitzer.

VALENCIA - Die Silberpfeile und die Roten sollen in diesem Jahr ihr weiß-blaues Wunder erleben: Mit einer klaren Zielsetzung und einer deutlichen Kampfansage hat BMW-Sauber am Dienstag in Valencia das neue Auto präsentiert.

Es ist kurz nach neun Uhr morgens, als Robert Kubica herzhaft gähnen muss. Die Sonnenstrahlen erhellen die dunkelgelb gestrichenen Gebäude an der Rennstrecke Ricardo Tomo bei Valencia, der Mistral lässt die Sträuche auf den umliegenden Hügeln sanft hin- und her wippen, und Robert Kubica, der Mann, der BMW letztes Jahr in Montreal den ersten Formel-1-Sieg beschert hat, gähnt.

Sicher, es ist kein Zeichen mangelnden Respekts, Kubica ist früh aufgestanden an diesem Morgen. Und doch passt es irgendwie doch zu dieser Präsentation des neuen Formel-1-Flitzers von BMW. Die geriet nämlich ganz schön nüchtern. Um Punkt neun Uhr treten Kubica und sein Teamkollege Nick Heidfeld hervor, enthüllen das Auto, Kubica gähnt, lacht dann, ehe er sich mit Heidfeld und ihrem neuen Schätzchen, den BMW-Sauber F1.09, fotografieren lassen. Dan n steigt Kubica in das Auto, dreht ohne Probleme eine Runde um den Kurs und parkt den Boliden erst mal wieder in der Box. Das war’s. Keine Fanfaren, keine dramatische Musik, kein Jubel, kein Klatschen. Als Kubica später gefragt wird, was er empfunden habe an diesem Morgen, antwortet er nur: „Es war kalt.“ Auch BMW-Motorsportchef Mario Theissen will sich nicht zu überbordenden Emotionen hinreißen lassen. „Ich war ziemlich ruhig bei der Präsentation“, verrät er.

BMW präsentiert sich nüchtern, sachlich und fokussiert. Angemessen eben, die Zeiten sind nicht einfach. Die Ziele des Rennstalls aber sind ehrgeizig. „Wir haben bis jetzt jedes Jahr alle unsere Ziele erreicht“, sagt Theissen, „jetzt stehen wir am Ende der Etappe. Auch, wenn das die schwierigste ist, wir wollen mit den zwei großen Teams um die Weltmeisterschaft kämpfen, warum denn nicht?“ Auch Heidfeld, der trotz seiner bisher 152 Rennen noch kein einziges davon gewinnen konnte, klingt ehrgeizig. „Das Ziel ist die Weltmeisterschaft zu gewinnen, nicht nur ein Rennen“, sagt der 31 Jahre alte Mönchengladbacher. BMW will aufschließen zu McLaren-Mercedes und Ferrari, Kubica und Heidfeld wollen endlich endgültig in einem Atemzug genannt werden mit den Superstars der Szene.

Und tatsächlich gelten beide als talentiert genug, um das zu schaffen. Kubica (23) gilt zusammen mit Sebastian Vettel (21) schon längst als Fahrer der Zukunft, Heidfeld gilt neben Fernando Alonso als bester Überholer im Feld. „Ich denke, wir werden bei beiden Titeln zu den Anwärtern gehören.“, sagt Kubica, „entscheidend wird aber sein, ob das Auto gut genug ist.“

Das weiß auch Theissen. BMW startete deswegen schon Mitte letzten Jahres mit der Entwicklung des neuen Boliden. Entstanden ist ein schnörkelloses Fahrzeug, das trotz ziemlich hoher Nase ziemlich flach und kompakt wirkt. Besonders stolz sind sie bei BMW aber auf etwas, was unter dem Fahrzeug steckt – auf das Energierückgewinnungssystem Kers.

„Das Auto ist komplett für Kers konzipiert“, sagt Theissen. Und mehr noch: „Ich glaube, dass Kers ausschlaggebend sein für den Kampf um den Titel.“ Wie berichtet, boxte Theissen die Einführung des neuen Hybrid-Systems schon für diese Saison gegen den Widerstand aller Konkurrenten durch – ob die Autos aber schon beim ersten Saisonrennen in Melbourne mit dem Elektromotor und Powerknopf fahren, lässt Theissen noch offen. „Wir sind schon sehr weit“, sagt er, „aber wie bei allen innovativen Entwicklungen kann man nicht vorher sagen, wann es bereit ist für den Renneinsatz.“ Zwei Monate liegen noch vor dem Saisonstart. Viel Zeit zum Gähnen wird zumindest den BMW-Ingenieuren nicht bleiben.

Filippo Cataldo

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