Vettel jubelt: Endlich mal Zweiter

Die Spannung kehrt in die Formel1 zurück: Titelverteidiger Vettel ist zufrieden, obwohl er in Melbourne gegen Button ohne Chance ist
| Filippo Cataldo
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Die Spannung kehrt in die Formel1 zurück: Titelverteidiger Vettel ist zufrieden, obwohl er in Melbourne gegen Button ohne Chance ist.

Melbourne Hätte man nur die Möglichkeit, dieses erste Formel-1-Rennen des Jahres nur anhand von Sebastian Vettels Mienenspiel zu bewerten, man müsste nach der Hatz durch den Melbourner Albert Park zu dem Schluss kommen, die neue Saison würde so beginnen wie die alte verlaufen ist: Mit der totalen Dominanz des Weltmeisters. Denn Vettel lachte viel am Sonntag in Melbourne. Vettel lachte, als er aus seinem Red Bull ausstieg, er strahlte bei der Siegerehrung, er grinste noch während der Nach-Rennen-Interviews.

Dabei hat Vettel das Auftaktrennen gar nicht gewonnen. Der 24-Jährige freute sich vielmehr über einen zweiten Platz hinter dem überlegenen Sieger Jenson Button. Es ist lange her, dass man Vettel wegen eines zweiten Platzes so lachen sehen konnte. Während der letzten, für ihn beinahe perfekt verlaufenen Saison, hatte man zeitweise schon den Eindruck gewonnen, dass Vettel alles andere als einen Sieg mit mindestens zehn Sekunden Vorsprung als persönliche Beleidigung empfinden würde. Nun aber gratulierte er Button aufrichtig und sagte: „Jenson war heute unschlagbar.” Und weiter: „Wenn man von Platz sechs losfährt und als Zweiter ins Ziel kommt, kann man sehr stolz sein. Das hatten viele nicht erwartet.”

Tatsächlich haben beide in Melbourne ein perfektes Rennen hingelegt. Der Brite, weil er von Platz zwei gestartet, seinen Teamkollegen Lewis Hamilton schon am Start abkochte und den Sieg danach locker nach Hause fuhr. Und Vettel, weil er es mit einem Red Bull, der zumindest in Australien nicht das Maß der Dinge war, noch von Rang sechs auf zwei vorfuhr – und sich darüber freuen konnte.

Das wiederum dürfte auch jedem anderen im Fahrerlager gefallen haben. Die massive Dominanz Red Bulls scheint nach zwei Jahren vorbei, die Saison verspricht auf jeden Fall spannender zu werden als die letzte. „Sebastian ist jetzt in der Situation, dass er nicht mehr das schnellste Auto hat”, merkte etwa Mario Theissen an. Der langjährige BMW-Motorsportdirektor ist einer der Entdecker Vettels und hat diese Saison als Experte beim Pay-TV-Sender Sky angeheuert. Theissen hat bei Vettel eine Entwicklungsschritt ausgemacht, der absolut positiv anmutet. „Er wird mit dieser Situation souverän umgehen. Er ist absolut reif für diesen Titel, aber er ist auch so reif im Kopf, dass er sagt: Wenn's nicht klappt, dann lag's nicht an mir, dann machen wir's halt ein Jahr später", sagte Theissen.

Zunächst einmal ist Vettel zum ersten mal nach 490 Tagen nicht mehr Führender des Formel-1-Klassements. Und auch wenn Melbourne mit seiner Mischung aus Rennstrecke und normaler Straße nicht als Referenz für die gesamte Saison gilt, scheint klar, dass die McLaren derzeit etwas stärker einzustufen sind als Vettels Red Bull. „Jungs, damit können wir arbeiten. Das Auto sieht gut aus und es ist auch schnell”, funkte Button nach seinem Sieg an die Box. „Wir sind alle sehr motiviert und es gefällt uns nicht, wenn McLaren uns auf der Nase herumtanzt”, gab auch Vettel nach dem insgesamt ziemlich kurzweiligen Rennen, in dem das ganze Feld während einer Neutralisationsphase sogar kurzzeitig hinter einem Laster mit Kran hatte herfahren müssen (Vettel: „Ich habe gedacht, ich stehe mitten auf der A5 im Stau. Ich habe nur noch das Känguru vermisst, ansonsten ging es drunter und drüber”) zu. McLaren sei das Team, das „es momentan zu schlagen gilt”, sagte Vettel.

Tatsächlich scheinen die übrigen Rennställe im Winter einen guten Job gemacht zu haben. Sogar Sauber und Williams, letztes Jahr noch abgeschlagen, waren in Melbourne konkurrenzfähig. Vettel wird diese Saison wohl kämpfen müssen für seinen Traum vom dritten Titel.

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