Verzwickt! Vettel und der doppelte Fluch

Am Sonntag versucht der Weltmeister Sebastian Vettel zwei Serien zu knacken: Noch nie gewann er ein Rennen zu Hause – und noch nie eines im Juli.
| Thomas Becker
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Hockenheim - Weit ist es ja nicht, gerade mal 40 Kilometer: die A5 runter bis Weinheim, am Viernheimer Dreieck rüber auf die A6, und schon waren die Vettels am Hockenheimring. 1992, als Fünfjähriger, war er mit seinem Vater erstmals am Hockenheimring, erinnert sich der Weltmeister: „Es war Freitag und es hat geregnet wie verrückt. Wir haben auf die Autos gewartet, auf Michael.“ Während Sebastian Vettel das erzählt, sitzt sein einstiges Idol neben ihm, vor einer Hundertschaft Journalisten. Vettel stört das nicht, er schwärmt weiter: „Es war einzigartig.“

Eher selten wird der junge Mann so rührselig. Dabei ist der Druck auf den 25-Jährigen nicht gerade gering, wenn am Sonntag um 14 Uhr (RTL live) auf dem Hockenheimring der Große Preis von Deutschland gestartet wird. Der Weltmeister, in der WM-Wertung derzeit lediglich Dritter hinter Fernando Alonso und seinem Red-Bull-Teamkollegen Mark Webber, konnte in Deutschland in bislang vier Versuchen noch kein Rennen gewinnen. Auch deshalb sagt er: „Es wäre unglaublich, hier zu gewinnen. Wir versuchen es an diesem Wochenende mal wieder.“

Es wäre an der Zeit, eine Aufholjagd zu starten. Vor dem zehnten Saisonlauf hat er mit bislang 100 Punkten nicht einmal halb so viele Zähler wie zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr (204). „104 weniger! Das ist natürlich ein Unterschied“, sagte er. „Letztes Jahr war natürlich unglaublich. Dieses Jahr sind wir zweimal nicht ins Ziel gekommen, die Konkurrenz ist stark, es ist eine verzwickte Saison.“

Verzwickt ist für ihn auch der Monat Juli, in dem er noch nie ein Rennen gewinnen konnte. „Wenn es in diesem Jahr nicht klappt, sollten wir es in den August oder Juni verschieben“, scherzte Vettel mit Blick auf seinen doppelten Fluch vor dem Heimspiel, „aber an einen bösen Monat glaube ich nicht.“

Im ersten Training begnügte sich der Red-Bull-Pilot mit Rang elf. Bester deutscher Fahrer war Rekordweltmeister Michael Schumacher als Vierter im Silberpfeil hinter den McLaren-Piloten Jenson Button und Lewis Hamilton sowie Alonso im Ferrari. Nico Hülkenberg belegte Rang sechs vor Schumachers Mercedes-Kollegen Nico Rosberg. Timo Glock musste sich mit Rang 22 begnügen.

Beim Pressetermin mit allen fünf deutschen Fahrern hatten Vettel und Schumacher den meisten Spaß gehabt. Die beiden konnten es nicht lassen, den Kollegen Rosberg zu ärgern. Weil dieser schon so laut ins Mikrofon sprach, verstellte ihm Vettel auch noch den Stimmverstärker, so dass es fast zu dröhnen anfing. Die beiden Champions giggelten wie aufgedrehte Sextaner.

Noch nie haben die beiden Überflieger gemeinsam auf dem Podium gestanden. Bei Schumachers drittem Rang in Valencia und dessen erstem Podestplatz seit dem 1. Oktober 2006 war Vettel wegen einer defekten Lichtmaschine vorzeitig aus dem Rennen gewesen. Ob’s nun gerade beim vielleicht letzten gemeinsamen Heimspiel klappt? Dass Schumacher im kommenden Jahr noch Formel-1-Pilot ist in etwa so ungewiss wie die Zukunft des zweiten deutschen Grand Prix’ am Nürburgring.

Vettel und Schumacher machten sich für den berühmten Nordschleifen-Kurs in der Eifel stark. „Es wäre schade, den Nürburgring als Rennen zu verlieren. Es ist eines der traditionsreichsten Rennen“, sagte Vettel, „es wäre ein großer Verlust.“ Schumacher pflichtete ihm bei: „Es ist ein Kurs, mit dem vor allem die deutschen Fahrer viel Geschichte verbindet.“

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