Verkehrte Welt in der Formel 1

Weltmeister Lewis Hamilton wird beim Saisonstart in Australien zum Hinterherfahrer – und BMW-Pilot Nick Heidfeld will den Titel.
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Gibt sich trotz aller Probleme locker: Lewis Hamilton.
firo/Augenklick Gibt sich trotz aller Probleme locker: Lewis Hamilton.

Weltmeister Lewis Hamilton wird beim Saisonstart in Australien zum Hinterherfahrer – und BMW-Pilot Nick Heidfeld will den Titel.

MELBOURNE Irgendwie ist der Verdacht naheliegend. „Ich glaube, man wird in Melbourne feststellen, dass sie doch wieder sehr konkurrenzfähig sind“, sagt Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone, wenn er auf die Krise von McLaren-Mercedes angesprochen wird. Dass Weltmeister Lewis Hamilton und sein Kollege Heikki Kovalainen bei den Wintertests hoffnungslos unterlegen waren? dass Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug offen wie nie befürchtete, seine Fahrer könnten sich beim Saisonauftakt in Melbourne am Sonntag (8Uhr, RTL und Premiere live) im hinteren Drittel wiederfinden? Alles nur ein riesiger Bluff der Silberpfeile?

„Seien wir ehrlich", sagt Ecclestone, „es gibt überhaupt keinen Grund, warum sie zeigen sollten, wie schnell sie wirklich sind." Eindeutig gegen Ecclestones Bluff-Theorie sprechen aber die offensichtlichen Probleme der Silberpfeile. Die Weltmeister-Boliden bringen zu wenig Power auf die Straße. Im Heckbereich produzieren die Autos zu wenig Abtrieb. Heißt: Die Mercedes-Power verpufft, die profillosen Slicks neigen zum Durchdrehen - und Hamilton muss volles Risiko gehen, um akzeptable Rundenzeiten hinzubekommen. Bei den Tests flog er drei Mal von der Strecke. „Bis zu den Europarennen können wir nicht mehr viel machen", glaubt Haug. Bis Ende Mai heißt es also: Verkehrte Welt in der Formel 1.

Die Silberpfeile werden wohl hinterherfahren und müssen machtlos zusehen, wie die anderen vorbeiziehen. Außenseiter wie die weißen Flundern von Brawn GP, die immerhin von einem Mercedes-Motor befeuert werden. Und Titelrivalen wie die weißblauen Boliden von BMW. Die Münchner werden nach dem Winter nämlich von allen Experten als titelfähig angesehen. Und vor allem Nick Heidfeld gibt sich vor dem Saisonauftakt kämpferisch. „Das Ziel ist die WM, nicht Siege“, sagte der Gladbacher schon bei der Vorstellung des neuen Autos.

Tatsächlich hat Heidfeld genug Gründe für großes Selbstbewusstsein. Mit 59 Kilo gehört er zu den leichtesten Piloten im Feld, das hilft, um das Kers-System effizient arbeiten zu lassen. Aber auch sonst kommen ihm die neuen Regeln entgegen. „Letztes Jahr hatte ich Schwierigkeiten, die Profilreifen auf Temperatur zu bringen“, gibt er zu. Problem erledigt. Dieses Jahr sind profillose Slicks vorgeschrieben - und die heizen sich beim Fahren ganz automatisch auf. Außerdem ist Heidfeld - im Gegensatz zu Team-Kollege Robert Kubica – ein Kers-Fan. „Wenn du den Knopf auf der Gerade drückst, geht ganz schön die Post ab“, sagt er.

Bei den Wintertests waren die BMWs übrigens immer vorne mit dabei, aber selten ganz in der Spitze. Kein Problem, glaubt in diesem Fall aber Premiere-Experte Marc Surer: „BMW ist ganz vorne dabei, mehr kann man jetzt nicht sagen, weil sie es einfach nicht zeigen.“ Und hier klingt die Bluff-Theorie viel realistischer.

Filippo Cataldo

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