Theissens Billig-Formel

Der BMW-Motorsportchef Mario Theissen zieht Bilanz. Er spricht über die nächsten Ziele, den Sparkurs – und erklärt, warum sich das Formel-1-Engagement rechnet.
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Der Pole Robert Kubica sorgte in Kanada für den ersten Formel-1-Sieg des BMW-Sauber-Teams.
Rauchensteiner/Augenklick Der Pole Robert Kubica sorgte in Kanada für den ersten Formel-1-Sieg des BMW-Sauber-Teams.

Der BMW-Motorsportchef Mario Theissen zieht Bilanz. Er spricht über die nächsten Ziele, den Sparkurs – und erklärt, warum sich das Formel-1-Engagement rechnet.

Von Filippo Cataldo

AZ: Herr Theissen, die Formel Eins dreht auf die Zielgerade. Zeit für eine kurze Bilanz.

MARIO THEISSEN: Ich bin sehr zufrieden, alle im Team können sehr stolz sein. Wir hatten zwei Ziele ausgegeben vor der Saison: Wir wollten aus dem Zweikampf an der Spitze einen Dreikampf machen und ein Rennen gewinnen. Beides ist uns gelungen.

Haben Sie zur Mitte der Saison sogar gehofft, öfter als einmal zu gewinnen?

Ja, durchaus. Wenn man einmal gewonnen hat, hat man das Gefühl, jetzt müssen wir so weitermachen. Wir müssen aber anerkennen, dass unser Auto nicht so schnell war wie die zwei anderen.

Sie haben den vor drei Jahren ausgesprochenen Vierjahresplan bis jetzt erfüllt. Folgt jetzt nächstes Jahr der Titel?

Titel kann man nicht einplanen. Wir wollen aber auf jeden Fall um den Titel mitfahren. Und wir haben eine sehr gute Basis. Wir sind das einzige Team, das 2008 noch keinen Ausfall hatte. Und wir haben frühzeitig begonnen, am 2009er-Auto und am neuen Kers-System zu arbeiten. Ich bin sehr zuversichtlich.

Ihr Fahrer Robert Kubica hat zuletzt immer wieder den Nummer-1-Status im Team eingefordert...

Wir haben eine ziemlich einfache Regel: Der schnellere ist die Nummer 1. Wobei aber klar sein muss, dass beide Fahrer komplett gleich bedient und behandelt werden. Wenn es in eine neue Saison geht, haben beide Piloten die gleichen Chancen.

Kubica kritisierte auch das Entwicklungstempo bei BMW und warf dem Team vor, nicht genug an die mögliche Weltmeisterschaft geglaubt zu haben.

Er hat öfter etwas gesagt, was auch ich in ähnlicher Form gesagt habe. Für mich ist es völlig in Ordnung, wenn er die Fortschritte in der Saison kritisiert. Wir wollen ja vorankommen. Ich bremse Robert nicht ein, er wird sicherlich kein Redeverbot kriegen.

Was unterscheidet Ihre beiden Fahrer Nick Heidfeld und Robert Kubica voneinander?

Die Denk- und Arbeitsweise und das ganze Herangehen an die Formel 1.

Inwiefern?

Robert hat den aggressiveren Ansatz, egal, worum es geht. Nick hat einen eher reflektierteren Ansatz, was sicherlich auch mit seiner Erfahrung und Wissensschatz zu tun hat.

Die Formel 1 durchlebt gerade wegen der Finanzkrise nicht die einfachste Phase.

Dieses Kostensenkungsthema, das jetzt in den Mittelpunkt aller Diskussionen rückt, ist für uns gar nicht neu. Wir sind seit einigen Jahren schon dabei, zu sparen. BMW gibt heute 30 Prozent weniger für die Formel 1 aus als 2005. Und da waren wir nur Motorenlieferant. Wir sind sehr engagiert dabei, die weiteren Kostensenkungsdiskussionen zu unterstützen und es ist äußerst erfreulich zu sehen, dass die anderen Teams das auch wollen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir eine Formel 1 schaffen werden, die günstiger und spannender als jetzt sein wird.

Wie wichtig ist es für einen Automobilhersteller, dass das, was in der Formel 1 erprobt wird, in die Serienproduktion einfließen könnte?

Für BMW ist das ganz entscheidend. Wir haben die klare Vorgabe des Vorstands, dass die Formel 1 nicht nur ein Marketing-Instrument sein darf, sondern Technologie transferieren soll zur Serie. Das haben wir immer konsequent betrieben und deswegen haben wir von Anfang an die Idee des Energierückgewinnungssystems Kers massiv unterstützt.

Heißt das, dass es irgendwann mal einen Hybrid-BMW gibt, in dem das Kers-System steckt?

Natürlich wird man das System nicht komplett übernehmen können, aber wir sehen jetzt schon, wie unsere Serienkollegen bei uns an die Tür klopfen. In dem Moment, in dem sich das System in der Formel 1 bewährt, werden wir den damit verbundenen Technologiesprung in künftige Serienprojekte übertragen.

Wie lange wird das dauern?

Da ist der Zeithorizont absehbar. Etwa zwei bis drei Jahre.

Was außer Kers könnte da noch ein Thema sein?

Wir sehen eine ähnliche Chance im Bereich Leichtbau. Da haben wir schon angefangen, in die Serie zu gehen.

Toyota hat mit dem Rückzug aus der Formel 1 gedroht. Was würde das für die Formel 1 bedeuten?

Es wäre ein Verlust, weil dadurch dokumentiert würde, dass die Formel 1 für einen großen Hersteller nicht attraktiv ist.

Was hieße das für BMW?

Unser Formel-1-Engagement ist von den Rahmenbedingungen abhängig. Die Formel 1 macht für uns Sinn, wenn der Gegenwert da ist für den Aufwand, den man betreibt. Wir haben die Situation in diesem Jahr, auch angesichts der Finanzkrise, bewertet. Und wenn man den sportlichen Erfolg sieht, den daraus resultierenden Marketingwert, den gesunkenen Aufwand und die Chance, neue Technologien für die Serie mit entwickeln zu können, dann ist die Bilanz sehr positiv. Ein Einheitsmotor passt allerdings nicht in dieses Bild.

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