Theissen zieht Trumpf

Bei BMW pflegen sie die Hoffnung, dass Spitzenfahrer Robert Kubica doch noch unverhofft die Weltmeisterschaft gewinnt
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„Wenn sich die Chance bietet, werden wir zuschlagen“: BMW-Motorsportchef Theissen und sein Spitzenfahrer Kubica haben Geschmack am Erfolg (und am Sieger-Schampus) gefunden.
xpp.cc „Wenn sich die Chance bietet, werden wir zuschlagen“: BMW-Motorsportchef Theissen und sein Spitzenfahrer Kubica haben Geschmack am Erfolg (und am Sieger-Schampus) gefunden.

SHANGHAI - Bei BMW pflegen sie die Hoffnung, dass Spitzenfahrer Robert Kubica doch noch unverhofft die Weltmeisterschaft gewinnt

Zu Hause, in München, ist die Stimmung momentan ja eher mau. Die Finanzkrise hat natürlich auch BMW erreicht; vergangene Woche kündigte der Hersteller an, im Oktober und November in den Werken in Dingolfing und Leipzig für einige Tage die Fließbänder anzuhalten und die Neuwagen-Produktion deutlich zu drosseln. Entlassungen drohen angeblich (noch) nicht. Schließlich ist BMW schon seit einigen Monaten dabei, insgesamt 8100 Stellen bis Jahresende zu streichen.

Hier in Asien aber, da ist die Stimmung bei BMW so gut wie noch nie. Zum ersten Mal, seit BMW in der Formel 1 ein komplett selbst entwickeltes und betreutes Auto an den Start bringt, hat das Team die Chance, eine Weltmeisterschaft zu gewinnen. Und zum ersten Mal glaubt die Mannschaft auch an ihre Chance. „Wenn sie sich bietet, werden wir zuschlagen“, sagt Motorsportchef Mario Theissen.

Zwölf Punkte beträgt vor dem vorletzten Saisonrennen am Sonntag in Shanghai der Rückstand von BMW-Ass Robert Kubica auf den WM-Führenden Lewis Hamilton. Zugegeben, kein so unerheblicher Rückstand. Sollte Hamilton in den letzten beiden Rennen jeweils Zweiter werden, kann Kubica so viel gewinnen wie er will: Der Brite wäre trotzdem Weltmeister.

„Wir sind nur Außenseiter“, gibt auch Theissen unumwunden zu, aber trotzdem geht er in die Offensive: „Die ganze Situation erinnert sehr stark an das Finale im letzten Jahr mit den letzten drei Rennen“, sagt er. Da reiste Hamilton sogar mit einem Vorsprung von 17 Punkten von Fuji nach Shanghai; zwei Wochen und zwei haarsträubende Fehler von Hamilton und der Silberpfeil-Bosse später hieß der Weltmeister: Kimi Räikkönen.

„So etwas kann natürlich unter dem Druck der Entscheidung auch in den letzten zwei Rennen in diesem Jahr passieren“, sagt Theissen feixend, „wir sind in der Verfolgerrolle und werden uns das in Ruhe anschauen.“ Und zuschlagen, falls sich die Chance bietet.

Worte, die vor allem Kubica, der dieses Jahr mit seinem Sieg in Kanada schon den historischen ersten Rennsieg für BMW eingefahren hat, gerne hören wird.

Schließlich hat er immer betont, dass er fest an seine WM-Chance glaubt: „Kimi hat vergangenes Jahr gezeigt, dass alles möglich ist“, sagt er jetzt.

Kubica und BMW haben dieses Jahr nicht nur gezeigt, dass sie Rennen gewinnen können, sondern vor allem, dass sie zuverlässig sind und als Mannschaft – anders als McLaren und Ferrari – kaum Fehler machen. Theissen: „Wir sind deshalb nach wie vor im Geschäft, weil wir das zuverlässigste Team sind und weil wir es von der Rennstrategie her meistens richtig gemacht haben. Das sind die Punkte, das sind die Trümpfe."

Trümpfe, die Kubica in Shanghai ausspielen und die Konkurrenz so zu weiteren Fehlern verleiten soll. „Unsere Verfolgerrolle ist sicherlich ein Vorteil in so einer Situation", meint Theissen. Und bekommt dabei Unterstützung von einem, der weiß, was in so einem WM-Kampf in einem favorisierten Fahrer vorgehen kann: „Du hast ständig Angst, dass du einen Fehler machst oder etwas mit dem Auto nicht funktioniert“, sagt Fernando Alonso, der zweimalige Weltmeister, „das kann dich ganz schön verrückt machen.“ Und zu Fehlern zwingen. Und BMW plötzlich zum Weltmeister machen.

Zumal die Mannschaft sogar zwei Chancen hat auf den Titel. In der Konstrukteurswertung liegt man nur 14 Punkte hinter Ferrari. „Es wird ein sehr harter Kampf zwischen unserem Team und McLaren, aber vergesst nicht BMW!“, sagte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali nach dem Rennen in Fuji. Theissen hat die Herausforderung angenommen. Wenn alles gut geht, wird in zweieinhalb Wochen auch in München gejubelt werden. Ganz bestimmt.

Filippo Cataldo

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