Sparkommissar Theissen

Die globale Finanzkrise betrifft auch die Formel 1: BMW rast noch am effizientesten. Ein WM-Punkt kostet das Team nur rund drei Millionen Dollar. Honda wirft das meiste Geld raus
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Auch mit nicht ganz so großem Etat erfolgreich: BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen
Foto: dpa Auch mit nicht ganz so großem Etat erfolgreich: BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen

Die globale Finanzkrise betrifft auch die Formel 1: BMW rast noch am effizientesten. Ein WM-Punkt kostet das Team nur rund drei Millionen Dollar. Honda wirft das meiste Geld raus

FUJI In der Formel 1 reden sie fast nur noch vom Geld. Schließlich ist keine Sportart abhängiger von der internationalen Finanzlage. Und die Bankenkrise treibt fast allen Formel-1-Teamchefs die Sorgenfalten auf die Stirn. Mehr als drei Milliarden Dollar (2,22 Milliarden Euro) geben die zehn Formel-1-Teams in dieser Saison insgesamt aus. Wer nicht, wie etwa das Hinterbänkler-Team Force India, von einem Milliardär finanziert wird, wird spätestens jetzt Probleme haben, den riesigen Etat den Aufsichtsräten der jeweiligen Werke zu erklären.

Auch bei BMW dürfte das Formel-1-Engagement in den Gremien längst nicht mehr unumstritten sein – und das obwohl die Münchner ohnehin schon am effektivsten arbeiten. 366,8 Millionen Dollar (270,96 Millionen Euro) beträgt der aktuelle BMW-Formel-1-Etat laut dem Fachbuch „Formula Money“. 120 WM-Punkte haben die BMW-Piloten Nick Heidfeld und Robert Kubica in dieser Saison bis jetzt geholt – ein WM-Punkt kostet bei BMW also 3,056 Millionen Dollar. Zum ersten Mal ist BMW damit – vor Ferrari und McLaren-Mercedes – das effizienteste Team der Formel1. Honda, mit 14 WM-Punkten das zweitschlechteste Team in der Formel 1, gibt pro WM-Punkt 28,435 Millionen Dollar aus und rangiert am Ende.

Nicht erst seit der Finanzkrise diskutieren Formel-1-Teams und FIA wegen einer Budget-Obergrenze. Zuletzt sorgten FIA-Präsident Max Mosley und Formel-1-Boss Bernie Ecclestone mit ihrer Forderung nach Einheitsmotoren für Aufregung bei den Werken (AZ berichtete). Mario Theissen, der BMW-Motorsportchef, lehnt das ab, genauso wie die Vertreter der anderen Hersteller. Trotzdem gilt Theissen schon lange als Fürsprecher der Budget-Obergrenze. Nicht nur, weil BMW bewiesen hat, dass auch mit relativ niedrigen Etat (BMW rangiert unter den zehn Formel-1-Teams auf Platz sechs, am höchsten ist der Etat mit 445,6 Millionen Dollar bei Toyota) ein konkurrenzfähiges Auto gebaut werden kann.

BMW kommt in der Formel1 mit 730 Mitarbeitern aus, Toyota und Ferrari beschäftigen rund 1000. Aufstocken will Theissen nicht. „Wir sind genug Leute, zu viele können kontraproduktiv sein", sagt er. Theissen setzt auf Teamwork, auf Motivation und Eigenverantwortung. Er verzichtete deshalb darauf, Stars zu rekrutieren. Während Red Bull sich seinen Chefdesigner Adrian Newey rund neun Millionen Dollar pro Jahr kosten lässt, behielt Theissen BMW-Ingenieur Willy Rampf für weniger als ein Zehntel. Und fährt besser damit.

Vielleicht Theissens wichtigstes Rezept: Automatisierung. BMW hat mit „Albert 3“ den größten und schnellsten Computer der Formel 1. Der schafft rund drei Billionen Rechenschritte pro Sekunde und kommt schneller zu aerodynamischen Lösungen als die Konkurrenz. Vor allem aber spart er Personal. Rechnet man Neweys Salär dagegen, hat sich Albert schon 2009 ammortisiert - und arbeitet danach kostenlos. Newey aber kassiert weiter.

Andere Teams investieren willkürlicher. Toyota etwa baute für 50 Millionen Dollar einen zweiten Windkanal, der nur Personal bindet und kaum spürbare Verbesserungen brachte, Honda zahlte gar 100 Millionen für den modernste Fahrwerksprüfstand. Zudem investieren sie in eine bizarr erscheinende Umweltkampagne („Earth Dreams“). Wahrscheinlich fürs Gewissen. Denn WM-Punkte holt man so nicht.

Peter Hesseler

Was kostet ein WM-Punkt?

BMW-Sauber: $366.8Millionen Etat/120 Punkte / 3,056 Mio. Dollar pro Punkt

Ferrari: $414.9m/ 134/ 3,096

McLaren-Mercedes: $433.3m/ 135/ 3,209

Toro Rosso: $128.2m/ 31/ 4,135

Red Bull Racing: $164.7m/ 28/ 5,882

Williams: $160.6m/26/ 6,176

Renault: $393.8m/ 51/ 7,721

Toyota: $445.6m/ 46/ 9,686

Honda: $398.1m/14/ 28,435

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