Niki Lauda feiert Geburtstag: "60 ist gar nix!"

Die Formel-1-Legende aus Österreich, Pilot, Fluglinien-Besitzer und TV-Experte, wird am Sonntag 60. Aus großen Feiern macht er sich allerdings wenig - an seinem Geburtstag geht er mit seiner Frau essen.
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Begeisterterter Flieger: Niki Lauda.
dpa Begeisterterter Flieger: Niki Lauda.

SALZBURG - Die Formel-1-Legende aus Österreich, Pilot, Fluglinien-Besitzer und TV-Experte, wird am Sonntag 60. Aus großen Feiern macht er sich allerdings wenig - an seinem Geburtstag geht er mit seiner Frau essen.

„Ja, mir geht es gut“, blökt es aus dem Telefonhörer, „schreib bloß keinen Nachruf!“ Wieso Nachruf? Eine Lauda-tio wäre angemessener. Schließlich wird Niki Lauda, die Formel-1-Legende, der dreimalige Weltmeister und zweimalige Flugliniengründer am Sonntag 60 Jahre alt. „60 ist gar nix!“, blökt es wieder, „mir graut schon vor den Gratulanten.“ Und dann folgt nur noch dieses typische heisere Lauda-Lachen.

Lauda hält nicht viel von Ehrentagen. Am liebsten hätte er, der auch Weihnachten nicht feiert, gar nichts gemacht an seinem Geburtstag. Er ließ sich von seiner Frau Birgit zumindest zu einem Flug nach Ibiza überreden. Zu seiner Marlene (Laudas erste Frau, die Red.) und den Söhnen Mathias und Lukas.

Lauda hat alle Interview-Anfragen abgeblockt zu seinem runden Geburtstag. „Die Leute wissen eh alles über mich. Es gibt nichts mehr zu sagen. Mein Leben ist transparent.“

Ein Rennfahrerleben, das Ende der Sechziger Jahre beginnt, als der Industriellensohn Andreas Nikolaus Lauda seine ersten Bergrennen bestreitet. Die Familie ist dagegen, er bricht mit ihr. Den Formel-1-Einstieg 1971 finanziert er sich mit Krediten, 1974 ist er pleite. Als er alles hinschmeißen will, rettet ihn Ferrari. Der alte Enzo Ferrari, ein störrischer und herrischer Boss, gibt ihm einen Vertrag.

Und Lauda fährt. Und Lauda gewinnt. 1975 ist er zum ersten Mal Weltmeister, 1976 stirbt er fast auf dem Nürburgring. Als sein Ferrari, sein Anzug, sein Helm, als der ganze Niki Lauda brennt. Als er schreit. Als er kämpft, die letzte Ölung erhält und überlebt. Mit einer halben Lunge, einem Ohr, einer kaputten Seele. „Ich bin schon öfter hingegangen, um zu ergründen, wieso ich abgeflogen bin. Und um mein Ohr zu suchen“, scherzt er. Er nennt das die „Ironie eines Lädierten“. Sechs Wochen später sitzt er in Monza wieder im Auto. „Ich hab' mich total angeschissen.“ Er wird Vierter. Im letzten Rennen in Fuji steigt er bei strömenden Regen freiwillig aus, er schenkt seinen Titel her, sagt: „Der Titel ist kein Menschenleben wert.“

Ein weiser Satz, der ihm die grenzenlose Verachtung des alten Ferrari beschert. Lauda, längst der Kapperl-Mann, wird gemobbt – und 1977 wieder Weltmeister. Kurz darauf geht er in den ersten Ruhestand. „Das war's. Es ist mir zu blöd, im Kreis herum zu fahren“, sagt er – und gründet gegen den Widerstand der Politik seine erste Fluglinie Lauda-Air. 1982 hat er doch wieder Lust am Kreiseldrehen. 1984 folgt mit McLaren der nächste Titel, danach tritt Lauda, längst eine lebende Legende, endgültig ab.

Ein Mensch, der mit Schicksalsschlägen umgehen kann. Der das tragische Flugzeugunglück einer seiner Maschinen über Thailand und den Tod von 223 Menschen persönlich nimmt. Der sofort hinfliegt, das Unglück aufklärt und den Flugzeughersteller zwingt, die gesamte Flotte umzurüsten. Lauda ist rehabilitiert, aber nicht ausgelastet. Er wird Ferrari-Berater, er hilft, Michael Schumacher an Bord zu holen, 1996 geht er zu RTL. Ein Jahr später benötigt er eine neue Niere. Sein Bruder Florian spendet ihm eine. 2004 ist die nächste Niere fällig. Seine neue Partnerin Birgit, 30 Jahre jünger als er, spendet und wird die zweite Frau des jetzt mit vier Nieren lebenden Kapperl-Manns. „Das Teil arbeitet tadellos“, sagt er heute.

So wie seine Geschäfte. 2003 gründet er eine neue Fluglinie: FlyNiki. 500 Menschen arbeiten für die Marke Lauda. „Ich bin gut unterwegs", sagt er. ]Das war er schon immer.

Peter Hesseler

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